Schlagwort-Archive: Prophezeiungen von jesus

Das jüdische Zeugnis: War Jesus der Sohn einer Jungfrau aus dem Geschlecht Davids?

Wir haben bereits gesehen, woher der Titel “Christus”stammt. Nun wollen wir eine kontroverse Frage betrachten: War Jesus von Nazareth der im hebräischen Alten Testament geweissagte Messias? Es lohnt sich, über diese Frage nachzudenken, besonders in der Weihnachtszeit.

Aus dem Geschlecht Davids

Psalm 132 im Alten Testament, der lange vor Lebzeiten Jesu verfasst worden war, enthält eine sehr spezifische Prophezeiung. Darin heißt es:

10 Um Davids, deines Knechtes, willen, weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab!

11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen!« …

13 Denn der Herr hat Zion erwählt, hat sie zu seiner Wohnung begehrt: …

17 Dort will ich dem David ein Horn [ein Königtum] hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Gesalbten. (Psalm 132,10-17)

Wir erinnern uns: „der Gesalbte” = „Christus” = „Messias”. Somit sehen wir, dass die hebräisch-jüdischen Psalmen schon lange Zeit, ehe es überhaupt das Christentum gab, voraussagten, dass Gottes Gesalbter (= „Christus”) dem Geschlecht Davids entstammen sollte.

Dies lesen wir natürlich im Neuen Testament, wo die Geschlechtsregister Jesu anzeigen, dass er aus dem Geschlecht Davids kam – genau wie es in Psalm 132 geweissagt worden war.

Entstammte Jesus wirklich dem Geschlecht Davids?

Doch der Anspruch, den das Neue Testament auf die Erfüllung dieser Prophezeiung erhebt, scheint auf den ersten Blick verdächtig zu sein. Matthäus und Lukas führen das Geschlechtsregister Jesu in ihrem Evangeliumsbericht an, weil sie uns die Erfüllung dieser jüdischen Weissagung in Jesus aufzeigen wollen. Aber wie soll man erkennen, dass sie ihre Stammbäume (in Matthäus 1 durch Joseph und in Lukas 3 durch Maria) nicht einfach „erfunden” haben, um eine „Erfüllung” vorzutäuschen? Das wäre schließlich eine natürlichere Erklärung als eine „göttliche” Erfüllung. Viele von uns lassen es angesichts dieser Frage dabei bewenden und glauben es oder nicht; je nach unserer Voreingenommenheit. Aber warten Sie noch mit ihrem Urteil! Der Fall bedarf einer genaueren Anhörung – denn es gibt noch weitere Beweisführungen.

Um herauszufinden, was „wirklich” geschehen ist, können uns hier eben auch die Aussagen gegnerischer Zeugen helfen. Ein gegnerischer Zeuge ist jemand, der am „Tatort” zugegen war, aber unserer eigenen Ansicht oder Schlussfolgerung insgesamt nicht zustimmt. Er hat somit Motive, unserer Zeugenaussage, die uns zu einer bestimmten Schlussfolgerung führt, zu widersprechen oder sie zu widerlegen. Nehmen wir an, es gab einen Autounfall zwischen Person A und Person B. Sie beschuldigen sich gegenseitig. Nehmen wir weiter an, Person A behauptet, Person B habe kurz vor dem Unfall eine SMS getextet. Person B hat kein Motiv, mit Person A in diesem Punkt übereinzustimmen. Und sollte sie eingestehen, dass sie tatsächlich kurz vor dem Unfall eine SMS getextet hat, hätten der Richter und die Geschworenen guten Grund anzunehmen, dass Person B eine SMS getextet habe, da ja die gegnerischen Augenzeugen in diesem Punkt übereinstimmen. Person B hätte durch eine solche Übereinstimmung also nichts zu gewinnen.

Auf gleiche Weise kann es uns helfen, mehr über die tatsächlichen Kontroversen und Ereignisse im Leben Jesu herauszufinden, wenn wir gegnerische geschichtliche Quellen näher untersuchen. In dieser Hinsicht war es für mich interessant, das Werk des renommierten und angesehenen Gelehrten F. F. Bruce – Jesus and Christian Origins outside the New Testament (London 1974; Hodder and Stoughton; auf Deutsch: Außerbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum [Hrsg. E. Güting]; Gießen, Basel 1992) – zu studieren. In dieser Studie identifiziert und analysiert der Verfasser jüdisch-rabbinische Hinweise auf Jesus im Talmud und in der Mischna. Er notierte insbesondere folgende rabbinische Kommentare über Jesus (folgende Übersetzungen jeweils direkt aus dem englischen Original):

Ulla sagte: Wer hätte geglaubt, dass man sich für ihn (d.h. Jesus) so eifrig um eine Verteidigung bemühen würde? Er war ein Betrüger, und der Allbarmherzige sagt: „Du sollst ihn nicht verschonen, … noch ihn verbergen” [5. Mose 13,9] Bei Jesus war es jedoch anders, denn er stand dem Königtum nahe (nach dem englischen Original, S. 56).

F. F. Bruce macht folgende Bemerkung zu dieser rabbinischen Aussage:

Dies wird so dargestellt, als trachte man danach, ihn zu verteidigen (hier lässt sich ein apologetischer Ton gegen die Christen herauslesen). Warum versuchte man, jemanden, dem ein solches Verbrechen nachgesagt wurde, zu verteidigen? Weil es weiter heißt: „… er stand dem Königtum (d.h. dem Haus Davids) nahe” (ibid., S. 57).

Mit anderen Worten, gegnerische jüdische Rabbiner widersprachen nicht der Behauptung der Evangeliumsverfasser, dass Jesus tatsächlich Teil der königlichen Abstammungslinie Davids war. Obschon sie den allgemeinen Anspruch Jesu, der „Christus” zu sein, nicht akzeptierten und auch den Aussagen der Evangelien entgegenstanden, bestätigten sie dennoch, dass Jesus dem königlichen Geschlecht Davids entstammte. Somit wissen wir, das die Evangelienschreiber es nicht einfach erfunden hatten, um eine „Erfüllung” vorzutäuschen. Die gegnerischen Zeugen stimmen in diesem Punkt mit ihnen überein.

 Wie steht es mit der Fungfrauengeburt?

Vielleicht reagiert so mancher gar nicht einmal so stark gegen den Anspruch, dass Jesus aus dem Geschlecht Davids kam. Denn es besteht ja durchaus die statistische Möglichkeit eines solchen „Zufalls”. Aber „von einer Jungfrau geboren”?! Da gibt es keine „zufällige“ Möglichkeit. Es kann sich dabei nur um ein Missverständnis, eine vorsätzliche Vortäuschung oder ein göttliches Eingreifen handeln – andere Möglichkeiten existieren nicht.

Lukas und Matthäus sagen unzweideutig aus, dass Maria Jesus empfing, als sie noch eine Jungfrau war. Und Matthäus setzt noch einen drauf und behauptet durch ein Zitat, dass dies die Erfüllung einer Prophzeiung Jesajas sei (um 750 v. Chr.), in der es heißt:

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel [d.h. „Gott mit uns”] geben (Jesaja 7,14; zitiert in Matthäus 1,23 als Erfüllung).

Genau an diesem Punkt kommen einem alle möglichen natürlichen Erklärungen in den Sinn. Gräbt man ein bisschen tiefer (wie manche es tun), erfährt man z.B., dass das hebräische Wort (הָעַלְמָ֗ה transkibiert als haalmah), das mit „Jungfrau” übersetz wird, auch mit „Mädchen”, „junge Frau”, „Jungfer”, d.h unverheiratete junge Frau, wiedergegeben werden kann. Sollte es das sein, was Jesaja damals um 750 v. Chr. gemeint hat? Und nur weil auf Seiten des Matthäus und Lukas die Notwendigkeit bestand, sich „fromm” zu geben und Jesus zu ehren, hätten sie eben Jesaja missverstanden und „Jungfrau” geschrieben, obwohl er doch „junge Frau” meinte? Zudem war Maria ja zur Unzeit (aber dennoch für eine Prophezeiung so zweckdienlich) vor der Eheschließung schwanger geworden, so dass sich alles sauber in das Kernstück einer „göttlichen Erfüllung” der Geburtsgeschichte Jesu einbauen ließ.

Viele Personen haben mir die Jahre über diese oder ähnliche Erklärungen weismachen wollen; und einerseits kann ich diese Erklärung nicht widerlegen; – denn Beweise dafür, ob jemand Jungfrau ist oder nicht, lassen sich schwerlich, wenn überhaupt, erbringen. Tatsache ist jedoch, dass diese Geschichte nicht so einfach ist. Die Septuaginta (auch LXX) ist eine jüdische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments ins Griechische, erstellt um 250 v.Chr. – ca. 250 Jahre vor der Geburt Jesu. Wie haben die jüdischen Rabbiner denn nun Jesaja 7,14 aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt? Als „junge Frau” oder als „Jungfrau”? Was mich erstaunt ist, dass Dutzende Personen, mit denen ich über diese Sache gesprochen habe, darüber Bescheid zu wissen schienen, dass das Wort im hebräischen Urtext entweder „junge Frau” oder „Jungfrau” heißen kann; aber kein Einziger von ihnen hat jemals das Zeugnis der Septuaginta zur Sprache gebracht. Schaut man jedoch dort nach, so sieht man, dass es unzweideutig und kategorisch mit παρθένος (transkribiert als parthenos) wiedergegeben wurde, also als „Jungfrau”. Mit anderen Worten, die führenden jüdischen Rabbiner von 250 v.Chr. waren überzeugt, dass die hebräische Jesaja-Prophezeiung „Jungfrau” bedeutete und nicht „junge Frau” – fast 250 Jahre ehe Jesus überhaupt die Weltbühne betrat. Dieser Begriff war nicht von den Evangelienschreibern oder im frühen Christentum erfunden worden; er war vielmehr schon lange vor der Geburt Jesu ein jüdischer Begriff.

Wieso sollte also eine Gruppe jüdischer Gelehrter 250 v. Chr. (und zwar siebzig von ihnen der Überlieferung nach) eine scheinbar so lächerliche und weit hergeholte Weissagung machen, dass eine Jungfrau einen Sohn gebären würde? Wenn jemand meint, sie wären zur damaligen Zeit halt abergläubisch und unwissenschaftlich gewesen, der sollte es sich noch einmal überlegen. Sie wussten genau über Fortpflanzung Bescheid. Sogar Hunderte von Jahren vor der Septuaginta wussten Abraham und Sara bereits, dass man nach einem gewissen Alter in die Wechseljahre kommt und Schwangerschaften unmöglich werden. Nein, die Gelehrten von 250 v.Chr. wussten zwar noch nichts von einem Periodensystem der Elemente oder vom kompletten elektromagnetischen Spektrum; aber sie verstanden sehr wohl, wie Menschen und Tiere sich fortpflanzen. Sie hätten auch gewusst, dass es naturalistisch unmöglich war, eine Jungfrauengeburt vorherzusagen. Aber sie scheuten nicht davor zurück, sie gingen nicht auf Nummer Sicher und gaben das Wort in der Septuaginta mit „junge Frau´ wieder. Nein, sie schrieben es schwarz auf weiß, dass eine Jungfrau einen Sohn haben würde.

Wenden wir uns nun dem Erfüllungsteil in dieser Geschichte zu. Zwar kann man es nicht beweisen, dass Maria eine Jungfrau war; sie war bemerkenswerter Weise in der einzigen und kurzen Lebensphase, in der es zumindest eine offene Frage bleiben musste. Es war ein Zeitalter der Großfamilie. Familien mit zehn Kindern waren keine Seltenheit. Angesichts dieser Gegebenheit fragen wir uns, ob Jesus das älteste Kind einer Familie hätte sein können. Denn wenn er einen älteren Bruder oder eine ältere Schwester gehabt hätte, wüssten wir sofort, dass Maria keine Jungfrau sein konnte. Heutzutage, mit Familien, in denen es ungefähr zwei Kinder gibt, stünden die Chancen fünfzig zu fünfzig. Damals aber wäre das Verhältnis eins zu zehn gewesen. Mit anderen Worten, es bestand eine 90-prozentige Chance, dass eine „Erfüllung” gar nicht in Frage kam, weil Jesus sehr wohl einen oder mehrere ältere Geschwister hätte habne können – aber (entgegen aller Wahrscheinlichkeit) er hatte keine.

Fügen wir nun diesem allen noch die auffällige Verlobungszeit Marias hinzu. Wäre sie auch nur ein paar Tage verheiratet gewesen, könnte man die „Jungfrau-Erfüllung” ebenfalls vergessen. Andererseits, wenn sie noch nicht verlobt und dennoch schwanger gewesen wäre, hätte sie keinen Verlobten gehabt, der sich um sie kümmerte. In der damaligen Kultur hätte sie sich als Schwangere, aber Unverlobte, selbst durchschlagen müssen – falls man sie am Leben gelassen hätte.

Marias Kontext

Ich finde gerade diese Anhäufung von „Zufällen”, die eine Widerlegung der Begründung der Jungrauengeburt unmöglich macht, so außergewöhnlich bemerkenswert. Diese „Zufälligkeiten” sind unerwartet, zeugen aber von einer Ausgewogenheit und zeitlichen Feinstimmung, wie sie nur eine übernatürliche Weisheit planen und vorhersehen kann.

Wenn Maria schon vor der Geburt Jesu verheiratet gewesen wäre, oder wenn Jesus bereits ältere Geschwister gehabt hätte, so hätten die gegnerischen jüdischen Zeugen gewiss darauf hingewiesen. Stattdessen sieht es wohl wieder einmal so aus, als schlössen sie sich in diesem Punkt ganz den Evangelienverfassern an. F. F. Bruce hebt dies in seiner Erläuterung hervor, wie Jesus in den rabbinischen Schriften beschrieben wird:

Jesus wird in der rabbinischen Literatur als Jesus ben Pantera oder Ben Pandira bezeichnet. Das könnte soviel wie „Sohn des Panthers” bedeuten. Die wahrscheinlichste Erklärung ist jedoch eine Verfälschung von „parthenos”, dem griechischen Wort für „Jungfrau”, was sich aus den christlichen Hinweisen auf ihn als Sohn einer Jungfrau ergibt (ibid., S. 57-58).

Heute gibt es, wie zu Zeiten Jesu, genug gegnerische Stimmen gegen Jesus und das Zeugnis des Evangeliums. Damals, wie heute, herrschte geradezu eine bedeutende Feindseligkeit ihm gegenüber. Der Unterschied in den feindseligen Gegenstimmen besteht jedoch darin, dass sie damals auch Zeugen waren und sich als solche nicht gegen etliche grundlegende Aussagen stellten; was ihnen sehr wohl möglich gewesen wäre, wenn diese erdichtet oder irrtümlich gemacht worden wären.

 

Der endgültige Countdown läuft– eingebettet in den Anfang

In meinen letzten Ausführungen gab ich einen Einblick in die Art und Weise, wie sich der Sündenfall der Menschheit aus ihrem anfänglichen Schöpfungszustand ereignet hat. Doch die Bibel führt uns weiter in den Plan Gottes ein. Der Brennpunkt dieses Vorhabens Gottes ist eine Verheißung.

Die Bibel – eigentlich eine Bibliothek

Um die Bedeutung dieser Verheißung erfassen zu können, müssen uns einige grundlegende Dinge über die Bibel bekannt sein. Obwohl sie ein Buch ist, wie wir sie gewöhnlich betrachten, ist es tatsächlich zutreffender, sie als eine mobile Bibliothek zu sehen. Dies deswegen, weil sie eine Sammlung von Büchern ist, von unterschiedlichen Autoren über einen Zeitraum von über 1500 Jahren verfasst und heute eingebunden in einen Band. Schon dies allein macht die Bibel einzigartig unter den großen Büchern der Welt. Die verschiedenen Bücher der Bibel machen Aussagen, Erklärungen und Voraussagen, die spätere Schreiber dann weiter ausführen. Wenn die Bibel von nur einem Verfasser geschrieben worden wäre, oder von einer Gruppe von Verfassern, die sich gegenseitig gekannt hätten, wäre das kaum der Rede wert. Aber die Verfasser der Bibel sind durch Hunderte und sogar Tausende von Jahren voneinander getrennt, schreiben in unterschiedlichen Zivilisationen, Sprachen, Gesellschaftsschichten und Literaturgattungen – und dennoch werden ihre Botschaften, Andeutungen und Vorhersagen nahtlos von späteren Autoren aufgegriffen oder durch extrabiblisch verifizierbare geschichtliche Fakten erfüllt. Die Einzigartigkeit der Bibel wird dadurch auf eine ganz andere Ebene gehoben – und diese Erkenntnis sollte uns dazu motivieren, ihre Botschaft zu verstehen. Die noch existierenden Abschriften von alttestamentlichen Manuskripten (den Büchern also, die vor der Zeit Jesu geschrieben wurden) datieren um 200 v.Chr. Somit ist die Textgrundlage der Bibel weitaus besser als die aller anderen Bücher der antiken Welt. Wie im Artikel über textliche Zuverlässigkeit beschrieben, fangen die Abschriften der neutestamentlichen Manuskripte um 125 v.Chr. an.

Die Evangeliumsverheißung im Garten Eden

Wir können diese vorausdeutende Fähigkeit deutlich im Bericht über die Schöpfung und den Sündenfall gleich am Anfang vom 1. Buch Mose in der Bibel. (1. Mose oder Genesis wurde durch Moses um 1500 v.Chr. zusammengestellt.) Mit anderen Worten, es beschreibt zwar die Anfänge, hat aber das Ende im Blick. Wir sehen hier eine Verheißung Gottes in der Konfrontation mit Satan (oder auch Luzifer bzw. Teufel), indem Gott in einem Rätsel zu ihm spricht:

„Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.” (1. Mose 3:15)

Dies ist eine Verheißung in Form eines Rätsels – sie ist aber zu verstehen. Beim sorgfältigen Durchlesen erkennen wir fünf verschiedenen Charaktere und dass es sich um eine Prophezeiung (also um einen Blick in die Zukunft) handelt (ersichtlich am wiederholten Gebrauch von “wird”). Die erwähnten Hauptfiguren sind:

1. Gott
2. Satan
3. Die Frau
4. Der Same der Frau
5. Der Same Satans

Und das Rätsel sagt voraus, welche Beziehung diese Charaktere in der Zukunft zieinader haben werden. Die folgende Grafik macht dies deutlich:

das Versprechen von Gott zu der Schlange Adam und Eva in der Anfang der Bibel im Garten


Beziehungen der in der Verheißung genannten Charaktere zueinander

Gott wird dafür sorgen, dass sowohl Satan als auch die Frau einen „Samen” haben werden. Zwischen diesen Nachkommen sowie der Frau und Satan wird „Feindschaft” bestehen. Satan wird dem Nachkommen der Frau „in die Ferse stechen”, während der Nachkommen der Frau Satan „den Kopf zertreten” wird.

Folgerungen bezüglich des Samens – ein „Er”

Bis jetzt haben wir nur direkte Beobachtungen vom Text her angestellt. Nun zu einigen logischen Folgerungen. Weil der Same der Frau mit „er” und „ihn” bezeichnet wird, wissen wir, dass es sich um eine einzelne männlichen Person handelt. Dadurch können wir einige mögliche Auslegungen ausscheiden. Als „Er” ist der Same keine „Sie”, kann also keine Frau sein – dennoch stammt der „Er” von einer Frau ab. Als „Er” ist der Same keine Mehrzahl „Sie”, was leicht hätte der Fall sein können – vielleicht eine Gruppe von Menschen, ein Geschlecht, ein Team oder ein Volk. Zu verschiedenen Zeiten und auf verschiedene Weise hat man vermutet, dass Mehrzahl „sie” gemeint sein könnte. Aber der Nachkomme ist ein „Er” und kann daher keine Menschengruppe sein, sei es ein Volk oder Anhänger einer Religion wie die Juden, Christen oder Muslime usw. Als „Er” ist der Same kein „Es” (d.h. der Nachkomme ist eine Person). Das schließt die Möglichkeit aus, dass es sich beim „Samen” um eine bestimmte Philosophie, Lehre, Technologie, ein politisches System oder eine Religion handelt. Ein „Es” dieser Art wäre wahrscheinlich als Mittel der Weltverbesserung gewählt worden, genau wie man es heutzutage versucht. Wir meinen, dass irgendein „Es” unsere Situation in Ordnung bringen könne; und so haben die besten Denker der Menschheit die Jahrhunderte über verschiedene politische Systeme, Bildungssysteme, Technologien, Religionen usw. befürwortet. Doch in dieser Verheißung weist der Kompass in eine völlig andere Richtig. Gott dachte an etwas ganz anderes, nämlich an einen „Er”. Und dieser „Er” sollte den Kopf der Schlange zertreten.

Eine weitere interessante Beobachtung ergibt sich aus dem Nicht-Gesagten. Gott verspricht dem Mann keinen Samen wie der Frau. Dies ist ziemlich ungewöhnlich, wo doch sonst der gesamten Bibel hindurch die Betonung auf Söhnen als Nachkommen der Väter liegt. Tatsache ist, dass in der modernen abendlädischen Kritik an den biblischen Stammbäumen für gewöhnlich das Ignorieren der Blutsverwandtschaft durch die Frau bemängelt wird. Man sieht dies als „sexistisch” oder frauenfeindlich an, weil moistens nur die Söhne der Männer berücksichtigt werden. In diesem Fall aber ist es anders – es gibt keine Verheißung eines Samens (eines „Er”), der von einem Mann abstammt. Es ist lediglich die Rede von einem Nachkommen der Frau, ohne Erwähnung eines Mannes.

Von allen Menschen, die meines Wissens je existiert haben, sei es in der Geschichte oder in den Mythen, haben nur zwei keinen leiblichen Vater gehabt (einschließlich der griechischen Halbgötter, gezeugt von „Göttern” wie Zeus mit sterblichen Frauen usw.). Der erste war Adam, der direkt von Gott erschaffen wurde. Der zweite war Jesus, der (dem Neuen Testament gemäß) von einer Jungfrau geboren wurde – also ebenfalls ohne menschlichen Vater. Wird Jesu Geburt in diesem Rätsel im Voraus angedeutet? Das passt zu unserer Feststellung, dass der Same weder ein „Er” noch eine „Sie” und auch keine Mehrzahl „Sie” oder ein „Es” sein kann. Liest man das Rätsel mit dieser Perspektive, so fügt sich Einiges an diesem Bild zusammen.

„Ihn in die Ferse stechen”??

Was aber soll es bedeuten, dass die Schlange „ihn in die Ferse stechen” wird? Das konnte ich mir nie erklären, bis ich im Dschungel von Kamerun arbeitete. In der feuchten Hitze mussten wir dicke Gummistiefel tragen – weil die Schlangen dort im hohen Gras versteckt lagen und uns in den Fuß – d.h. die Ferse – beißen würden; und das konnte tödlich sein. Gleich am ersten Tag wäre ich beinahe auf eine Schlange getreten, und das hätte für mich tödlich ausgehen können. Danach verstand ich den Sinn des Rätsels: Der „Er” sollte die Schlange verderben; aber der Preis, der von ihm zu zahlen war, bedeutete seinen eigenen Tod. Auf diese Weise wurde der durch das Sterben Jesu errungene Sieg im Voraus angedeutet.

Der Same der Schlange?

Wer aber ist die andere Hauptfigur – dieser Same Satans? Wir haben zwar hier nicht den Platz, dies ausführlich zu untersuchen, aber die späteren Schriften sprechen von einer zukünftigen Person. Beachten wir die Beschreibungen:

„… wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben, wird ein frecher und listiger König auftreten. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht in eigener Kraft; und er wird ein erstaunliches Verderben anrichten, und sein Unternehmen wird ihm gelingen; und er wird Starke verderben und das Volk der Heiligen. Und wegen seiner Klugheit und weil ihm der Betrug in seiner Hand gelingt, wird er sich in seinem Herzen erheben und viele in ihrer Sorglosigkeit verderben; und er wird gegen den Fürsten der Fürsten auftreten, aber ohne Zutun von Menschenhand zerschmettert werden” (Daniel 8,23-25; um 550 v.Chr. von Daniel in Baylon geschrieben).

Ein Mensch, mit einer unsichtbaren Kraft hinter sich, wird gegen den „Fürsten der Fürsten” Krieg führen, aber sein Kopf wird „zertreten” werden.

„… wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, … Laßt euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muß unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt” (2. Thessalonicher 2,2-4; um 50 n.Chr. von Paulus in Griehcenland geschrieben).

Und das letzte Buch der Bibel, viele Seiten und Tausende von Jahren von der Verheißung im 1. Buch Mose entfernt, sagt voraus:

„Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist. Hier ist der Verstand [nötig], der Weisheit hat!” (Offenbarung 17,8-9; um 90 n.Chr. geschrieben von Johannes auf einer Insel nahe der heutigen Türkei).

Diese späteren Bücher (beachten wir wiederum die Verschiedenheit der Verfasser, der Hintergründe und der Zeiten, in denen sie geschrieben wurden) reden immer deutlicher von einem Countdown, der zum Krieg zwischen dem Samen der Frau und dem Samen Satans führt. Die erste Erwähnung erfolgt jedoch bereits im Keim in dieser Verheißung im 1. Buch Mose, ganz am Anfang der biblischen Geschichte, mit Einzelheiten, die noch auf ihre Erfüllung warten. Der geschichtliche Höhepunkt, der Countdown zum Endkampf zwischen Satan und Gott, der vor so langer Zeit im Garten Eden angefangen hat, wird am dortigen Anfang – im frühesten Buch der Bibel – bereits vorausgesehen. Dies führt uns zu der Überzeugung, dass alle Geschichte zugleich Gottesgeschichte, ja Heilsgeschichte ist.