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Was sind die Zehn Gebote? Was lehren sie uns?

Mose schrieb die ersten fünf Bücher der Bibel (den Pentateuch), die die Geburt des israelitischen Volkes vor Tausenden von Jahren beschreiben. Mose erhielt den Auftrag, die Israeliten zu befreien, damit sie für die umliegenden Völker ein Licht sein sollten. Er begann damit, die Israeliten (oder Juden) durch eine als Passah (oder Pessach) bezeichnete Rettungsaktion – in der Gott die Israeliten auf eine Art und Weise befreite, die auf eine zukünftige Befreiung der gesamten Menschheit hindeutete – aus der Sklaverei in Ägypten herauszuführen. Doch Mose hatte nicht nur das Ziel, die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei heraus-, sondern auch in eine neue Lebensweise hineinzuführen. So brachte Mose die Israeliten fünfzig Tage nach dem Passah zum Berg Sinai (oder Horeb), wo sie das Gesetz erhielten.

Also, welche Gebote erhielt Mose? Obwohl das gesamte Gesetz ziemlich lang war, erhielt Mose zunächst einen Satz spezifischer moralischer Gebote, genannt die Zehn Gebote (oder der Dekalog), die Gott auf Steintafeln geschrieben hatte. Diese Zehn Gebote bildeten sozusagen die Zusammenfassung des Gesetzes – die  moralischen Voraussetzungen für alle weiteren – und gelten heute als Gottes aktive Wirkungskraft, die uns zur Buße (Umkehr, Sinneswandlung) führt.

Die Zehn Gebote

Im Folgenden die Zehn Gebote, von Gott auf Stein geschrieben und dann von Mose im 2. Buch Mose (Exodus) verzeichnet.

1 Und Gott redete alle diese Worte und sprach:

2 Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft, herausgeführt habe. 3 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!

4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist.

5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, 6 der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

7 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen! Denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

8 Gedenke an den Sabbattag und heilige ihn!

9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun;

10 aber am siebten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun; weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der innerhalb deiner Tore lebt.

11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag; darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und geheiligt.

12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!

13 Du sollst nicht töten!

14 Du sollst nicht ehebrechen!

15 Du sollst nicht stehlen!

16 Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!

17 Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch irgendetwas, das dein Nächster hat! (2. Mose 20:1-17)

Der Anspruch der Zehn Gebote

Heuzutage vergessen wir manchmal, dass es sich hier um Gebote oder Befehle handelt. Es sind weder Vorschläge noch Empfehlungen. Aber inwieweit sollen wir diesen Befehlen gehorchen? Folgende Verse beziehen sich auf die Zeit gerade vor der Erteilung der Zehn Gebote:

Mose aber stieg hinauf zu Gott; denn der Herr rief ihm vom Berg aus zu und sprach… Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir. (2. Mose 19:3,5)

Nachstehender Vers gehört in die Zeit gleich nach Erteilung der Zehn Gebote:

Darauf nahm er das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und sie sprachen: Alles, was der Herr gesagt hat, das wollen wir tun und darauf hören! (2. Mose 24:7)

Denken wir einmal darüber nach. In meinen Schulexamen gab der Lehrer uns manchmal mehrere Fragen zur Wahl (z.B. 20), verlangte aber, dass nur einige  davon zu beantworten waren. So konnten wir uns z.B. irgendwelche 15 der 20 Fragen auswählen. Jeder Schüler suchte sich natürlich die für ihn oder sie am einfachsten zu beantwortenden Fragen aus. Auf diese Weise machte der Lehrer die jeweilige Prüfung leichter.

Viele Leute machen es mit den Zehn Geboten ebenso. Sie denken, dass Gott nach Erteilung der Zehn Gebote wahrscheinlich meinte: “Versuche beliebige sechs aus diesen Zehn einzuhalten.” Wir denken so, weil wir der Meinung sind, Gott rechne unsere „guten Taten” gegen unsere „schlechten Taten” auf. Wenn unsere guten Verdienste dann unsere schlechten Unvollkommenheiten aufwiegen oder aufheben, hoffen wir, dass dies genüge, Gottes Gunst zu verdienen oder eine Eintrittskarte für den Himmel zu bekommen. Aus demselben Grund versuchen viele von uns durch religiöse Aktivitäten geistliche Verdienste zu erlangen, sei es durch den Besuch von Gottesdiensten in der Kirche, in der Moschee oder dem Tempel, durch Gebet, durch Fasten oder Spenden für die Armen. So sollen diese guten Taten hoffentlich die Zeiten aufwiegen, in denen wir eines der Zehn Gebote missachtet haben.

Dennoch, wenn wir die Zehn Gebote ehrlich lesen, sehen wir, dass sie so nicht gegeben wurden. Wir Menschen sollen ALLE Gebote halten – jederzeit! Weil dies aber schier unmöglich ist, haben viele gegen die Zehn Gebote rebelliert. Der bekannte Atheist Christopher Hitchens griff aus diesem Grund die Zehn Gebote folgendermaßen an:

 „… sodann kommt es zu den vier berühmten ‚Du sollst nicht’, die rundheraus Töten, Ehebruch, Diebstahl und Falche Zeugenaussage verbieten. Letztendlich erfolgt ein Bann gegen Begehrlichkeit, der Gelüste nach ‚deines Nächsten´… Hab und Gut verbietet. … Statt der Verurteilung böser Taten, ergeht eine seltsam formulierte Verurteilung unreiner Gedanken. … Dies fordert das Unmögliche. … Man kann zwar zwangsweise von bösen Taten abgehalten werden…, aber jemandem zu verbieten, sie auch nur in Erwägung zu ziehen, ist zuviel verlangt. Wenn Gott wirklich gewollt hätte, dass die Menschen von solchen Gedanken frei wären, hätte er sich mehr um eine andere Art von Wesen bemühen sollen.” Christopher Hitchens.  2007; God is not great: How religion spoils everything.  S.99-100 (aus dem Englischen übersetzt).

Warum erließ Gott die Zehn Gebote?

Wer der Meinung ist, dass Gott entweder eine Anstrengung von wenisgtens 50% akzeptiert oder dass er sich in der Forderung des Unmöglichen wohl geirrt haben muss, missversteht den Sinn und Zweck der Zehn Gebote. Sie wurden erlassen, um unser Grundproblem aufzudecken.

Zur Illustration ein Beipiel: Angenommen, du fällst hart auf den Boden und dann schmerzt dein Arm – du bist dir aber nicht sicher, ob du dich innerlich verletzt hast. Liegt ein Knochenbruch vor oder nicht?  Du weißt nicht, ob es einfach besser wird oder ob du für den Arm einen Gipsverband brauchst. Also läßt du den Arm durchleuchhten, und das Röntgenbild offenbart, dass der Armknochen tatsächlich gebrochen ist. Heilt nun die Durchleuchtung deinen Arm? Geht es dem Arm wegen der Röntgenaufnahme besser? Nein, der Arm ist immer noch gebrochen aber jetzt weißt du, dass er gebrochen ist und dass du ihn zur Heilung in einen Gipsverband legen musst. Das Röntgenbild hat das Problem nicht gelöst, sondern es hat das Problem aufgezeigt, damit du es richtig behandeln lassen kannst.

Die Gebote offenbaren Sünde

In gleicher Weise wurden die Zehn Gebote erlassen, damit das tief in uns liegende Grundproblem, nämlich unsere Sünde, offenbart wird. Sündigen bedeutet buchstäblich „verfehlen“ – man verfehlt das Ziel, das Gott von uns in unserem Umgang mit anderen, mit uns selbst und mit Gott erwartet. Die Bibel sagt:

Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, allesamt verdorben; es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen! (Psalm 14:2-3)

Wir sind alle von diesem inneren verderblichen Sündenproblem betroffen. Dies ist so ernst, dass Gott von unseren  guten Taten (von denen wir uns erhoffen, dass sie unsere Sünden aufwiegen) sagt:

Wir sind ja allesamt geworden wie Unreine und alle unsere Gerechtigkeit wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsere Sünden trugen uns fort wie der Wind. (Jesaja 64:5)

Unsere gerechten Verdienste in der Ausübung religiöser Konventionen oder in Wohltätigkeit für andere sind, in Abwägung mit unseren Sünden, wie ein beflecktes Kleid.

Anstatt aber unser Problem zu erkennen, neigen wir dazu, uns entweder mit anderen zu vergleichen (wobei wir die falschen Maßstäbe anlegen), uns noch strenger um religiöse Verdienste zu bemühen, oder einfach aufzugeben und uns dem Vergnügen hinzugeben. Deswegen gab Gott uns die Zehn Gebote:

 …weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. (Römer 3:20)

Wenn wir unser Leben am Maßstab der Zehn Gebote messen, ist es wie bei einem Röntgenbild, das uns das innere Problem aufzeigt. Die Zehn Gebote lösen nicht unser Problem, sondern offenbaren es so deutlich, damit wir Gottes Heilmittel dafür annehmen. Anstatt im Selbstbetrug zu verharren, erlaubt uns das Gesetz, uns so zu sehen, wie wir in Wahrheit sind.

Gottes Gabe erhalten wir in der Buße (Sinneswandlung)

Das Heilmittel, das Gott für uns bereithält, ist das Geschenk der Sündenvergebung durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Dies Geschenk des Lebens wird uns ohne weiteres zuteil, wenn wir unser Vertrauen und unseren Glauben auf Christi vollbrachtes Werk setzen.

Weil wir erkannt haben, dass der Mensch nicht aus Werken des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden… (Galater 2:16)

So wie Abraham vor Gott gerechtfertigt wurde, können auch wir gerechtfertigt werden. Das setzt jedoch unsere Buße voraus. Buße wird oft missverstanden. Buße tun bedeutet einfach Umkehr oder Sinneswandlung, d.h. die Abkehr von der Sünde und die Hinkehr zu Gott sowie die Annahme der von ihm angebotenen Gabe. Die Bibel erklärt dies wie folgt:

So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommenund er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus… (Apostelgeschichte 3:19)

Die Verheißung, die dir und mir gilt, ist die Freisprechung von der Sünde und das Geschenk des ewigen Lebens, wenn wir in dieser Weise Buße tun.

Die Zehn Gebote im Kalender

Neben dem ersten Passah und Abrahams Prüfung, die sozusagen Gottes Beglaubigung für diesen Plan darstellen, so dass wir gewiss sein dürfen, dass es sich wirklich um seinen Plan handelt, weist auch der spezifische Tag, an dem Mose die Zehn Gebote erhielt, auf das Kommen des Heiligen Geistes hin. Das jüdische Wochenfest (oder Schawuot) ist zeitlich mit der Erteilung der Zehn Gebote abgestimmt, und deckt sich auch genau mit dem Tag der Pfingsten aus Apostelgeschichte 2, also mit dem Kommen des Heiligen Geistes.

Die Grafik verdeutlicht die Erteilung der Zehn Gebote in Beziehung zum Wochenfest und dem Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Wochenfest, Zehn Gebote und das Kommen des Heiligen Geistes betreffen alle denselben Kalendertag.

Dass der Tag, an dem der Heilige Geist kam, um seine Wohnung in bußfertigen Menschen aufzunehmen, auf denselben Kalendertag fiel, an dem die Zehn Gebote erlassen wurden, ist Gottes Antwort auf die Beanstandung des Atheisten Christopher Hitchens. Gott ist tatsächlich um eine andere Art von Wesen bemüht  – nämlich Menschen, in denen sein Geist wohnt, so dass wir fähig sind, ein anderes Leben zu führen. Die präzise Zeitdeckung, um es nochmals zu sagen, ist Gottes Beglaubigung, seine Unterschrift auf dem Pergament der Zeit, so dass wir gewiss sein dürfen, dass sowohl das Gesetz wie auch der Geist wirklich von ihm her kommen.

[NB: Sämtliche Bibelstellen sind der Schlachter-2000-Übersetzung entnommen; die Verse können bei Luther und anderen Übersetzungen anders beziffert sein]

15) Die zeitliche Genauigkeit und Machtwirkung von Pfingsten

Pfingsten fällt immer auf einen Sonntag. Es ist ein bemerkenswerter Feiertag; aber es geht dabei nicht um das Was?, sondern vielmehr um das Wann? und Warum?, das die Hand Gottes und seine mächtige Gabe an dich und mich offenbart.

Was geschah zu Pfingsten?

Wem Pfingsten geläufig ist, hat wahrscheinlich gehört, dass an jenem Tag der Heilige Geist auf die Nachfolger Jesu herabkam und seither jedem an Christus Gläubigen innewohnt. Das war der eigentliche Geburtstag der Gemeinde Jesu (griech. ekklesia – die „Herausgerufenen”). Die Bibel berichtet über dieses Ereignis in der Apostelgeschichte, Kapitel 2. An jenem Tag wurde der Geist Gottes auf die ersten 120 Jesusnachfolger ausgegossen, die daraufhin laut hörbar in anderen Weltsprachen zu reden begannen. Das verursachte einen solchen Aufruhr, dass Tausende von Menschen, die sich zu der Zeit in Jerusalem aufhielten, neugierig herbei eilten. Vor der versammelten Menge hielt Petrus dann die erste Evangeliumsbotschaft, „… und es wurden an jenem Tag etwa 3 000 Seelen [zur Gemeinde Jesu] hinzugetan” (Apostelgeschichte 2,41). Die Zahl der Evangeliumsnachfolger hat seit jenem Pfingstsonntag stetig zugenommen.

Das geschah 50 Tage nach der Auferstehung Jesu. Während dieser 50 Tage wurden die Jünger Jesu davon überzeugt, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Am Pfingstsonntag traten sie an die Öffentlichkeit und der Lauf der Geschichte änderte sich. Ob du an die Auferstehung glaubst oder nicht, dein Leben ist von den Geschehnissen jenes Pfingstsonntags beeinflusst worden.

Diese Auffassung von Pfingsten ist zwar korrekt, aber nicht vollständig. Viele Menschen wünschen sich eine ähnliche Wiederholung dieses Pfingstsonntags. Da die ersten Jünger Jesu eine Pfingserfahrung hatten, indem sie auf „die Gabe des Heiligen Geistes” warteten, meinen manche Christen heutzutage, dass der Geist Gottes durch ihr „Warten” in ähnlicher Weise über sie kommt. Somit flehen und warten sie, dass Gott ein weiteres Pfingsten herbeiführen möge. Wer so denkt, setzt voraus, dass der Geist Gottes damals durch menschliches Warten und Beten gekommen war. Wer so denkt, missachtet jedoch das zeitlich genaue Eintreffen des Pfingsfestes – denn das in Apostelschichte Kapitel 2 erwähnte Pfingsten war nicht das erste!

Pfingsten gemäß dem Gesetz Moses

Das „Pfingstfest” war ursprünglich ein jährliches alttestamentliches Fest. Mose (1500 v.Chr.) hatte mehrere Feste eingesetzt, die jährlich zu begehen waren. Das Passahfest war das erste Fest im jüdischen Kalender. Jesus ist an einem Passahfest gekreuzigt worden. Die präzise Zeitfestlegung seines Todes auf die Opferungen der Passahlämmer war als ein Zeichen gedacht.

Das zweite Fest war das Fest der Erstlingsfrüchte (auch „Fest der Ernte” oder „Fest der Wochen”), und im mosaischen Gesetz heißt es, dass es „am Tag nach dem Sabbat” (also am Sonntag; 3. Mose 23,11) stattfinden sollte. Jesus war am Sonntag auferstanden, so dass seine Auferstehung genau am Fest der Erstlingsfrüchte geschah. Da seine Auferstehung zum Fest der  „Erstlingsfrüchte” stattfand, gilt dies als Verheißung, dass unsere Auferstehung später erfolgen sollte (für all, die auf ihn vertrauen). Seine Auferstehung ist buchstäblich eine „Erstlingsfrucht” in Überseinstimmung mit der prophetischen Benennung des Festes.

Genau 50 Tage nach dem Sonntag der „Erstlingsfrüchte” feierten die Juden das Pfingstfest (Griech. pentecostepente = 50; auch „Fest der Wochen” genannt, da es sich um den ersten Tag nach sieben Wochen handelte). Die Juden hatten demnach bereits seit 1500 Jahren das Pfingstfest gefeiert, ehe „der Tag der Pfingsten” in Apostelgeschichte 2 erwähnt wird. Der Grund, weshalb sich Menschen aus aller Welt zum Tag der Pfingsten in Jerusalem einfanden und dort die Botschaft des Petrus hörten, war genau der, das alttestamentliche Pfingstfest zu feiern. Heutzutage feiern die Juden immer noch Pfingsten, nennen das Fest jedoch Schawuot.

Im Alten Testament lesen wir, wie das Pfingstfest zu feiern war:

16 bis zu dem Tag, der auf den siebten Sabbat folgt, nämlich 50 Tage sollt ihr zählen, und dann dem Herrn ein neues Speisopfer darbringen.[h]

17 Ihr sollt nämlich aus euren Wohnungen zwei Webebrote bringen, von zwei Zehntel [Epha] Feinmehl [zubereitet]; die sollen gesäuert gebacken werden als Erstlinge für den Herrn.

(3. Mose 23,16-17)

Die Genauigkeit von Pfingsten zeugt von einem persönlichen Verstand

Das Pfinstfest in Apostelgeschichte 2 ist eine genaue Zeitvorgabe, da es an demselben Jahrestag wie das alttestamentliche Fest der Ernstlingsfrüchte (Fest der Wochen) stattfand. Die Kreuzigung Jesu erfolgte zum Passahfest (Pessach); die Auferstehung Jesu geschah am Fest der Erstlingsfrüchte, und das Pfingstfest in Apostelgeschichte 2 deckt sich mit dem Fest der Wochen – das alles zeugt von einem persönlichen Verstand, der diese Feste geschichtlich koordiniert hat. Das Jahr hat ja viele Tage – warum also sollten die Kreuzigung Jesu, seine Auferstehung und dann das Kommen des Heiligen Geistes genau an dem jeweiligen Tag der drei Frühjahrsfeste des Alten Testaments stattfinden, außer sie seien mit Absicht so geplant? Eine solche Genauigkeit ergibt sich nur, wenn ein persönlicher Verstand dahinter steht.

Alttestamentliche Frühjahrsfeste im Vergleich zu den Ereignissen in den Evangelien

Alttestamentliche Frühjahrsfeste im Vergleich zu den Ereignissen in den Evangelien

 

Hat Lukas sich Pfingsten „zurecht gelegt”?

Nun könnte man argumentieren, Lukas (der Verfasser der Apostelgeschichte) habe sich die Ereignisse in Apostelgeschichte 2 so „ausgedacht”, dass sie am Pfingstfest stattfanden. Somit stünde sein Verstand hinter der Zeitvorgabe.  Aber sein Bericht sagt nichts darüber aus, dass Apostelgeschichte 2 die „Erfüllung” des alttestamentlichen Festes der Erstlingsfrüchte sei – er erwähnt es nicht einmal. Warum sollte er sich solche Mühe machen, diese dramatischen Ereignisse diesem Tag „anzupassen”, ohne dem Leser zu helfen, sie als „Erfüllung” des Pfingsfestes im Alten Testament zu verstehen? In Wirklichkeit berichtet Lukas so unvoreingenommen über diese Geschehnisse, anstatt sie zu interpretieren, dass die meisten Menschen heutzutage nicht einmal wissen, dass die Ereignisse von Apostelgeschichte 2 sich genau am alttestamentlichen Pfingstfest zutrugen. Viele meinen eben, Apostelgeschichte 2 berichte lediglich vom ersten Pfingstfest. Da die meisten Leser sich der Verbindung zwischen beiden Festen gar nicht bewusst sind, befände Lukas sich in der unmöglichen Lage, als Erfinder dieser Verbindung zwar ein Genie, aber in der Weitervermittlung ein völliger Versager zu sein.

Pfingsten: Eine neue Machtwirkung

Statdessen weist Lukas uns auf eine alttestamentlich Weissagung aus dem Buch Joel hin (Joel 3,1-2), die prophezeit, dass eines Tages der Geist Gottes über alle Menschen ausgegossen werde. Dies erfüllte sich am Tag der Pfingsten in Apostelgeschichte 2.

Ein Grund, weshalb das Evangelium „gute Nachricht” oder „Frohe Botschaft” ist, liegt in seiner Machtwirkung, dass uns ein anderes – besseres – Leben ermöglicht. Dieses Leben besteht im Einssein Gottes mit uns Menschen und geschieht durch die Innewohnung des Geistes Gottes in uns. Das begann am Sonntag des in Apostelgeschichte 2 berichteten Pfingsfestes. Die gute Nachricht bedeutet, dass wir unser Leben nunmehr auf einer anderen Ebene  führen können: in der persönlichen Beziehung zu Gott durch seinen Geist. Die Bibel drückt dies folgendermaßen aus:

13 In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt — in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt[f] worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung,

14 der das Unterpfand[g] unseres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Lob seiner Herrlichkeit

(Epheser 1,13-14)

11 Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt

(Römer 8,11)

23 und nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes.

Römer 8,23)

Der innewohnende Geist Gottes ist eine weitere Erstlingsfrucht, denn er ist sozusagen ein Vorgeschmack – eine Garantie – unserer zukünftigen vollständigen Umwandlung zu „Kindern Gottes”.

Das Evangelium bietet uns ein überfließendes Leben – nicht durch materiellen Besitz, Vergnügen, gesellschaftlichen Stand, Reichtum oder den vergänglichen Tand – alles Dinge, denen die Welt nachjagt, und die Salomo als eitle Seifenblase empfand, sondern durch den uns innewohnenden Geist Gottes. Wenn dem so ist – dass Gott uns anbietet, in uns zu wohnen und durch seine Kraft zu befähigen – dann ist das gewiss eine frohe Botschaft! Das alttestamentliche Pfingstfest, das mit feingebackenem Brot aus Sauerteig zu feiern war (3. Mose 23,17), ist ein Bild des zukünftigen  überfließenden Lebens. Die Genauigkeit zwischen dem alttestamentlichen und dem neutestamentlichen Pfingstfest ist ein vollkommener Hinweis darauf, dass Gottes Verstand und Vorhaben hinter diesen Ereignissen und dieser Machtwirkung zum überfließenden Lebens stehen.

14) Das Rätsel der Prophezeiungen im 22. Psalm

Vor ein paar Jahren schlenderte J, einer meiner Freunde und Arbeitskollegen, zu meinem Schreibtisch herüber. J war gescheit und gebildet – und glaubte absolut nicht an das Evangelium. Dennoch war er irgendwie wissbegierig, was zwischen uns zu einigen offenen und ehrlichen Gesprächen führte. Er hatte sich nie richtig mit der Bibel beschäftigt, und so ermutigte ich ihn, sie sich einmal näher anzusehen.

Eines Tages kam er mit einer offenen Bibel in mein Büro, um mir zu zeigen, dass er sie sich tatsächlich näher ansehen wollte. Er hatte sie wahllos in der Mitte geöffnet. Ich fragte ihn, was er dort lese. Draufhin entwickelte sich unser Gespräch etwa wie folgt:

„Ich lese Psalm 22”, sagte er.

„Wirklich?“ erwiderte ich. „Und – verstehst du, worum es sich da handelt?”

„Ich denke, es geht um die Kreuzigung Jesu,” antwortete J.

„Das ist eine gute Vermutung,” lachte ich. „Aber da befindest du dich ungefähr1000 Jahre vor dem Geschehen. David schrieb den 22. Psalm um 1000 v.Chr. Die Kreuzigung Jesu fand jedoch erst um 30 n.Chr. statt.”

Da er sich mit der Bibel nicht auskannte, wusste J nicht, dass die Psalmen keine Berichte von Zeitgenossen Jesu über dessen Leben waren. J hatte lediglich ein paar Geschichten über Jesus gehört, einschließlich seiner Kreuzigung, und deshalb die Bibel wahllos geöffnet und das Gelesene von seiner Perspektive aus für die Beschreibung der Kreuzigung Jesu gehalten, weil er es nicht besser wusste. Wir mussten beide über seinen ersten Fehltritt beim Bibellesen lachen.

Dann fragte ich J, was er denn in Psalm 22 gelesen habe, das ihn vermuten ließ, es handele sich um die Kreuzigung Jesu. So begann unsere kleine Nachforschung. Ich lade Sie nun ein, einige der Parallelen zu betrachten, die auch J aufgefallen waren, indem wir die Bibelstellen in einer Tafel gegenüberstellen. Zur Hilfestellung habe ich die zu einander passenden Stellen in der gleichen Farbe wiedergegeben.

Vergleich der Kreuzigungsberichte in den Evangelien mit den Details aus Psalm 22

 Einzelheiten der Kreuzigung in den Evangelien  Psalm 22 – um 1000 v.Chr.
(Matthäus 27,31-48) 31 Und sie führten ihn (Jesus) ab, um ihn zu kreuzigen. …39 Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf 40 und sprachen: „… rette dich selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab!” 41 Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten! Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben! 43 Er hat auf Gott vertraut; der befreie ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat; … 46 Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: … »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm (Jesus) zu trinken.Markus 15,16-20+37 16 Da führten ihn (Jesus) die Kriegsknechte hinein in den Hof, … 17 legten ihm einen Purpur[mantel] um, flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf. 18 Und sie fingen an, ihn zu grüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! 19 Und sie schlugen sein Haupt mit einem Rohr, spuckten ihn an, beugten die Knie und fielen vor ihm nieder. 20 Und nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur[mantel] aus und legten ihm seine eigenen Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen…37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verstarb.(Johannes 19,33-34) 33 Als… er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,…

33 sondern einer der Kriegsknechte stach mit einem Speer in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.

(Markus 15,24) … sie kreuzigten ihn…

(Johannes 20,25) [Thomas] Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe…

(Johannes 19,23-24) 23 Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil, und dazu das Untergewand. …

24 Da sprachen sie zueinander: Lasst uns das nicht zertrennen, sondern darum losen, wem es gehören soll!

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, und du antwortest nicht, und auch bei Nacht, und ich habe keine Ruhe.…8 Alle, die mich sehen, spotten über mich;
sie reißen den Mund auf und schütteln den Kopf.
9 »Er soll doch auf den Herrn vertrauen; der soll ihn befreien; der soll ihn retten, er hat ja Lust an ihm!«
10 Ja, du hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen, du warst meine Zuversicht schon an meiner Mutter Brust.11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterschoß an; vom Leib meiner Mutter her bist du mein Gott.12 Sei nicht fern von mir! Denn Drangsal ist nahe, und kein Helfer ist da.13 Es umringen mich große Stiere,
mächtige [Stiere] von Baschan umzingeln mich.

14 Sie sperren ihr Maul gegen mich auf wie ein reißender und brüllender Löwe.

15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, und alle meine Gebeine sind ausgerenkt.
Mein Herz ist geworden wie Wachs,
zerschmolzen in meinem Innern.

16 Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes.

17 Denn Hunde umringen mich,
eine Rotte von Übeltätern umgibt mich;
sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.
18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie schauen her und sehen mich [schadenfroh] an.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.

Die Tatsache, dass J zu dem logischen, wenngleich irrigen Schluss gelangte, dass Psalm 22 ein Augenzeugenbericht der Karfreitagskreuzigung sei, sollte bei uns eine Frage aufwerfen: Wie erklären wir die Gemeinsamkeiten zwischen den Evangeliumsberichten und Psalm 22? Handelt es sich nur um zufällig genau übereinstimmende Details, sowohl bei der Teilung der Kleidung (d.h, gesäumte Kleidung wurde an den Nähten getrennt und unter die Kriegsknechte verteilt) als auch im Auslosen (das saumlose Gewand wäre durch Zerreißen unbrauchbar geworden, also warf man das Los darum)? Psalm 22 wurde verfasst, als es noch gar keine Kreuzigung gab, beschreibt aber dennoch die verschiedenen Einzelheiten (Hände und Füße durchbohrt, Gelenke ausgerenkt – indem der Leib des hängenden Opfers ausgestreckt wird). Hinzu kommt, dass das Johannesevangelium erwähnt, wie Blut und Wasser aus der Speerwunde in der Seite des Oberkörpers Jesu herausflossen, was auf eine Flüssigkeitsanstauung im Herzbeutel Jesu hindeutet. Jesus starb somit an Herzschlag. Das entspricht der Beschreibung in Psalm 22, 15: „Mein Herz ist geworden wie Wax.” Das hebräische Wort, das in Vers 17 mit „durchgraben” übersetzt wurde, bedeutet buchstäblich „wie ein Löwe”. Mit anderen Worten, Jesu Hände und Füße wurden durch die Nägel zerfleischt oder übel zugerichtet. Was will uns das sagen?

Jesus weist durch die Evangeliumsverfasser darauf hin, dass es sich hier um prophetische Übereinstimmungen handelt. Gott inspirierte die alttestamentlichen Propheten hunderte von Jahren vor dem Erdenleben Jesu, Einzelheiten von seinem Leben und Sterben vorauszusagen, um uns wissen zu lassen, dass sich alles nach dem Plan Gottes zugetragen hat. Die prophetische Erfüllung gleicht somit einer göttlichen Unterschrift unter die Ereignisse von Karfreitag; denn kein Mensch kann in dieser Weise die Zukunft voraussehen. Das wäre also ein Beweis des Wirkens Gottes und seines Eingreifens in der Weltgeschichte.

Bart Ehrmans Deutung

Bart Ehrman, ein bekannter Bibelgelehrter und Evangeliumskritiker, hält dagegen jegliche prophetischen Begründungen für falsch; denn in der Evengeliumsgeschichte gehe es ja darum, dass der „Messias” oder „Christus” als Opfer hingegeben werde, während der 22. Psalm gar nicht vom „Messias” als Opfer spreche. So stellt er fest:

„Was aber tun wir angesichts der Tatsache, dass es keine jüdischen Prophezeiungen darüber gab, dass der Messias leiden und sterben würde?” (Bart Ehrman, Jesus Interrupted; S. 234 [übersetzt])

Aber das führt zu einem weiteren Streitpunkt. Es ist ja nicht so, als gäbe es nur eine Prophezeiung (wie Psalm 22), die Jesus zu erfüllen hatte; sondern es gibt derer Dutzende. Es handelt sich dabei um Voraussagen, die von verschiedenen Autoren zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Bevölkerungsschichten der alttestamentlichen Ära verfasst wurden – und sie lassen sich nachprüfen, ob sie erfüllt wurden oder nicht. So z.B., um Ehrmans Herausforderung aufzugreifen, lebte Daniel um 550 v.Chr. im babylonischen Exil und hatte dort eine Vision, in der ihm folgendes prophetische Rätsel aufgegeben wurde:

„So wisse und verstehe: Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen* und 62 Wochen*; Straßen und Gräben werden wieder gebaut, und zwar in bedrängter Zeit. Und nach den 62 Wochen* wird der Gesalbte ausgerottet werden, und ihm wird nichts zuteil werden;…”

(Daniel 9,25-26; *Wochen = Einheiten von sieben, ohne nähere Angabe eines Zeitraums)

Hmm… Dem neutestamentlichen Gelehrten gebührt zwar meine höchste Anerkennung, aber er hat hier im Alten Testament wohl etwas verpasst. Denn hier, genau wie er es ja fordert, haben wir eine Prophezeiung, dass der  „Gesalbte” (= Christus = Messias) „ausgerottet” wird. The Zeitbestimmung dazu und die Details zu „ausgerottet”, die die Bedeutung des Todes Jesu voraussahen, widerlegen rundheraus Ehrmans Behauptung, es gäbe keine alttestamentliche Prophezeiung über das Leiden und Sterben des „Christus”.

Spongs Deutung

Andere, wie Shelby Spong (in That Hebrew Lord), argumentieren, dass die Übereinstimmungen aus Psalm 22 mit den Ereignissen der Karfreitagskreuzigung einfach darauf zurückzuführen seien, dass die Evangeliumsverfasser lediglich versucht hätten, diese den Prophezeiungen „anzupassen”. Er gibt uns eine detaillierte Vers-für-Vers-Analyse der Ähnlichkeiten zwischen Psalm 22 und den Kreuzigungsberichten über Jesus in den Evangelien, um seine Theorie zu beweisen, dass die Evangeliumsverfasser die Keuzigungsgeschehnisse anhand der Angaben in Psalm 22 erfunden hätten. Wenigstens bedeutet Spongs Theorie, dass diese Ähnlichkeiten einer Erklärung bedürfen. Aber seine Deutung ignoriert total das Zeugnis außerbiblischer Historiker der damaligen Zeit. Josephus und Tacitus sagen uns Folgendes darüber:

„Zu der Zeit gab es einen weisen Mann … Jesus … gut und … tugendhaft. Und viele Menschen aus den Juden und anderen Völkern wurden zu seinen Jüngern. Pilatus verurteilte ihn, gekreuzig zu werden und zu sterben” (übers. aus Josephus. 90 n. Chr.. Antiquities xviii. 33; Josephus war jüdischer Historiker).

„Christus, der Begründer des Namens, wurde durch Pontius Pilate, Statthalter von Judäa unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius hingerichtet” (übers. aus Tacitus. 117 n.Chr. Annals XV. 44. Tacitus war römischer Historiker).

Ihr Zeugnis stimmt in breitem Umfang mit den Evangelien überein, dass Jesus gekreuzigt wurde.  Dies ist wichtig, weil es sich bei vielen Aussagen in Psalm 22 schlicht um Einzelangaben über eine Kreuzigung handelt. Wenn die Evangeliumsschreiber bemüht gewesen wären, die eigentlichen Vorgänge zu erfinden, um sie dem 22. Psalm „anzupassen”, hätten sie im Grunde die gesamte Kreuzigung erfinden müssen. Doch niemand aus der damaligen Zeit leugnete die Kreuzigung Jesu, und der jüdische Historiker Josephus berichtet, dass Jesus auf genau diese Weise hingerichtet wurde.

Psalm 22 und das Vermächtnis Jesu

Zudem endet Psalm 22 nicht mit Vers 19 wie in der obigen Gegenüberstellung – er geht vielmehr noch weiter. Beachten wir, wie triumphierend die Stimmung am Ende des Psalms ist – nach dem Tod der betreffenden Person!

27 Die Elenden sollen essen und satt werden; die den Herrn suchen, werden ihn loben; euer Herz soll ewiglich leben!

28 Daran werden gedenken und zum Herrn umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden anbeten alle Geschlechter der Heiden.

29 Denn das Königreich gehört dem Herrn, und er ist Herrscher über die Nationen.

30Es werden essen und anbeten alle Großen der Erde; vor ihm werden ihre Knie beugen alle, die in den Staub hinabfahren, und wer seine Seele nicht lebendig erhalten kann.

31 Ein Same wird ihm dienen, wird dem Herrn als Geschlecht zugezählt werden.

32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit verkündigen dem Volk, das geboren wird, dass er es vollbracht hat.

(Psalm 22,27-32)

Hier ist zu beachten, dass es sich nicht mehr um Einzelheiten über den Tod dieser Person handelt. Diese Details wurden im ersten Teil des Psalms erwähnt. Hier befasst der Psalmist sich mit den Auswirkungen des Todes dieser Person auf einen „Samen” (Nachkommen) und ein zukünftiges „Geschlecht” (Vers 31). Um wen könnte es sich da handeln? Um uns, die wir 2000 Jahre nach der Kreuzigung leben! Der Psalmist sagt uns, dass der „Same”, der diesem auf so ungeheuerliche Art “in den Staub des Todes” gelegten Mann folgt, ihm “dienen” und „als Geschlecht zugezählt” werden sollte. Vers 28 sagt zudem die geographische Ausdehnung dieser Auswirkungen voraus – nämlich bis an „alle Enden der Erde” und auf „alle Geschlechter der Heiden”, die “zum Herrn umkehren”. Vers 29 prophezeit, dass jeder, der „seine Seele nicht lebendig erhalten kann” (und das betrifft ja einen jeden von uns sterblichen Menschen), eines Tages die Knie vor ihm beugen wird. Die Gerechtigkeit dieses Mannes wird zur Zeit seines Todes den Menschen verkündigt werden, die noch nicht leben (ein „Volk, das [noch] geboren wird).

Man könnte keine bessere Vorhersage vom Vermächtnis Jesu durch seinen Tod machen, als es die Schlussverse von Psalm 22 wiedergeben. Zweitausend Jahre nach Christus, unter jährlichen weltweiten Karfreitagsfeiern, werden die Auswirkungen des Todes Jesu immer noch hervorgehoben; wobei sich die Schlussverse von Psalm 22 genaus so präzise erfüllen wie die vorhergehenden Verse, die die Einzelheiten seines Sterbens vorhersagten. Wer könnte in dieser Welt sonst noch behaupten, dass Einzelheiten seines Todes sowie das Vermächtnis seines Lebens für die ferne Zukunft bereits 1000 Jahre vor seinem Erdendasein vorausgesagt worden seien?

Die Endverse von Psalm 22 haben nichts damit zu tun, ob die Evengelienberichte sie übernommen oder die Kreuzigungsgeschehnisse „erfunden” haben; denn sie handeln von einer viel späteren Zeit – nämlich der unsrigen. Die Evangeliumsverfasser aus dem ersten Jahrhundert n.Chr. konnten wohl kaum die Auswirkungen des Todes Jesu bis in unsere Zeit hinein „erfinden”. Wie kann Spong dieser Tatsache in seiner Deutung Rechnung tragen? Er kann es nicht und tut es nicht! Er ignoriert geflissentlich den letzten Teil des 22. Psalms.

Vielleicht werden Sie nun ebenfalls, wie mein Freund J, die Gelegenheit ergreifen und Psalm 22 im Lichte der Kreuzigung Jesu betrachten. Das erfordert zwar eine geistige Anstrengung, aber lassen Sie sich dadurch nicht davon abbringen. Die Mühe lohnt sich allemal, denn der Mann, von dem Psalm 22 spricht, hat verheißen:

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben. (Johannes 10,10)

Das würde die alljährlichen Osterfeiern mit Sicherheit erfüllen. Lesen Sie hier den ganzen Psalm 22 sowie die Kreuzigungsberichte nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Mögen Sie etwas davon erfahren – nicht nur am Karfreitag, sondern jeden Tag in diesem Jahr!

13) Die Voraussage, daß Christus „abgehauen“ wird

In unserem letzten Artikel haben wir gesehen wie Daniel den „Christus“ vorausgesagt hat und daß er nach einigen Jahren „abgehauen“ wird. Die Voraussage Daniels wurde in dem triumphierenden Einzug Jesu in Jerusalem erfüllt. Dort wurde er als Israels Christ eingeführt – genau 173.880 Tage nach dem Persischen Gebot, das den Aufbau Jerusalems anordnete. Das Wort „abgehauen“ deutet auf Jesajas Vorstellung hin, indem er sich einen scheinbar toten Baumstumpf vorstellte, aus dem ein Zweig schoß. Doch was hat er sich dabei gedacht?

Historische Zeitlinie mit Jesaja und anderen Propheten des Alten Testaments

Historische Zeitlinie mit Jesaja und anderen Propheten des Alten Testaments

Jesaja schrieb auch über andere Prophezeiungen in seinem Buch, indem er andere Themen gebrauchte als den Zweig. Ein solches war das Bild des kommenden Dieners. Wer war dieser „Diener„? Was wird er machen? Wir werden jetzt einen langen Abschnitt aus dem Buch des Jesaja durchnehmen. Ich gebrauche den vollen und genauen Text der Lutherbibel, hier und da mit meinen Kommentaren eingeflochten.

Der kommende Diener – Der vollkommene Text aus dem Buch des Jesaja, 52, 13 – 53,12

52,13. Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.  Wie sich viele über ihn entsetzten. weil seine Gestalt häßlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Meschenkinder, so wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken.

Wir wissen, daß dieser Diener ein Mensch sein wird, denn Jesaja nennt ihn einen Diener, einen „er“, „ihn“, „sein“, und daß er von einer Zukunft spricht (er wird— handeln, auferstehen u.s.w.). Also ist dieses eine Prophezeiung.  Aber worum handelt sie sich?

Blutopfer

Wenn die jüdischen Priester fuer die Israeliten opferten, dann haben sie die Israeliten mit dem Blut des geopferten Tieres besprengt. Diese Tat symbolisierte die Vergebung ihrer Sünde, die ihnen nicht mehr vorgehalten wurde. Aber in dem genannten Text steht, daß der Diener „viele Nationen“ besprengen wird. Also sagt Jesaja, daß in gleicher Weise dieser Diener auch Nicht-Juden die Vergebung der Sünde gewährt wie es die Priester im Alten Testament den jüdischen Anbetern gewährten. Dieses zieht eine Parallele zu der Voraussage Zacharias, daß der Zweig ein Priester sein würde, der die Rollen des Königs und des Priesters vereint, da es nur den Prietsern erlaubt war, mit dem Blut zu besprengen. Der weltweite Bereich von „viele Nationen“ folgt dem historischen und beweisbaren Versprechen, das vor vielen Jahrhunderten Abraham gemacht wurde, daß „alle Nationen“ durch seinen Nachkommen gesegnet sein werden.

In der Voraussage wird der Diener, der „keine Gestalt und Hoheit“ hatte und der „Allerverachtetste und Unwerteste“ war, die vielen Nationen besprengen. Und obwohl es nicht ganz klar ist was der Diener machen wird, werden die Nationen es eines Tages verstehen.

53,1. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart?  Er (der Diener) schoß auf vor ihm (dem Herrn) wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste.,voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Obwohl der Diener viele Nationen besprengen wird. wird er auch als „verachtet“ und „wertlos“ beschrieben, voller „Leiden: und „an Schmerzen gewöhnt„.

4.Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jesu Opfer im Vergleich zu dieser Diener Opfer

Der Diener wird „unsere“ Schmerzen auf sich nehmen. Dieser Diener wird auch zur Strafe „verwundet“ und „zerschlagen“. Diese Strafe wird uns (den vielen Nationen) „Frieden“ bringen und uns „heilen“. Weltliche und biblische Quellen bestätigen uns, daß am Karfreitag vor etwa 2000 Jahren (und mehr als 700 Jahre nach der Prophezeiung Jesajas) Jesus gekreuzigt wurde. Er wurde buchstäblich durch die Nägel bei der Kreuzigung verwundet wie es Jesaja von dem Diener vorausgesagt hatte.

6. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

In „Verdorben und das Ziel verfehlt“ haben wir gesehen, daß eine biblische Erklärung für Sünde das eigentliche Ziel verfehlt. Wie ein verbogener Pfeil gehen wir unseren eigenen Weg. Dieser Diener wird diese Sünde tragen, die wir verursacht haben.

7. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

Der Diener wird wie ein Lamm sein, das zur „Schlachtbank“ geführt wird. Aber er wird weder protestieren noch seinen „Mund auftun“. Wir sahen in „Das Zeichen von Abrahams Opfer„, daß ein Widder als Ersatz für Abrahams Sohn geopfert wurde. Dieser Widder – ein Schaf – wurde geschlachtet. Jesus wurde auf der selben Stelle (Berg Moriah in Jerusalem) hingerichtet. Wir haben gesehen, daß ein Lamm zum Passahfest geschlachtet wurde. Jesus wurde auch kurz vor dem Passahfest hingerichtet.

8. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Misssetat meines Volks geplagt war.

Der Diener ist „weggerissen“ aus dem „Land der Lebendigen„.  Dieselben Worte hat Daniel gebraucht, als er prophezeite was mit Christus geschehen wird, nachdem er Israel als der Messias vorgestellt wird. Jesaja ging in mehr Einzelheiten, als er im Voraus erklärte, daß „weggerissen“ das „weggerissen aus dem Land der Lebendigen“ bedeutet.. d.h. der Tod. Also, als Jesus am Karfreitag gestorben ist, ist er buchstäblich „aus dem Land der Lebendigen“ gerissen worden, und das nur ein paar Tage, nachdem er als der Messias seinen triumphierenden Einzug feierte.

9. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

Obwohl Jesus hingerichtet wurde und als ein Verbrecher gestorben ist (sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern), so berichten uns die Evangelisten, daß ein reicher Mann, ein Ratsherr, Joseph von Arimathia, den Leichnam Jesu nahm und ihn in seiner eigenen Gruft unterbringen ließ (Matth.27, 60). Jesus hatte buchstäblich beide Seiten der gegenseitigen Voraussage erfüllt, nämlich daß obwohl „sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern“ war, er auch ein gerechter Mensch war, der „niemand Unrecht getan hat.“

10. So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen

Dieser grausame Tod war kein fürchterlicher Zufall oder Mißgechick. Es war klar „des HERRN Plan“, ihn zu zerschlagen. Aber warum? So wie Lämmer in dem Moseischen Opfersystem das Opfer für Sünde waren, damit der opfernde Mensch dadurch schuldlos wird, so ist hier das „Leben“ dieses Dieners ein     „Opfer für Sünde“. Für wessen Sünde? Wenn wir daran denken, daß „viele Nationen“ besprengt werden (siehe oben), dann ist es die Sünde der Menschen der „vielen Nationen“. Diese „alle“, die in die „Irre“ gingen, und „ein jeder sah auf seinen Weg“. Jesaja spricht von Ihnen und mir.

11. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte den Vielen Gerechtigeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

Obwohl der Abschnitt über den Diener grausam ist, ändert sich hier der Ton, und es kommt ein optimistisches und sogar triumphierendes Ende. Nach diesem schrecklichen Leiden (gerissen aus dem Lande der Lebendigen“ und „man ihm sein Grab gab“) wird dieser Diener „das Licht schauen„. Er wird wieder lebendig? Ich habe die Sache mit der Auferstehung überprüft. Hier wird prophezeit. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit, daß derselbe Mensch, dessen Auferstehung man begründen kann, dieselbe Peron ist, für die die Prophezeiung gilt, sowie die anderen Prophezeiungen, die wir besprochen haben. Und so wie er „das Licht schauen“ wird, wird dieser Diener „Vielen Gerechtigkeit schaffen“. Gerechtfertigen bedeutet dasselbe wie Gerechtigkeit schaffen. Sie erinnern sich, daß Abraham gerechtfertigt wurde.  Auf eine ähnliche Weise wird dieser Diener Viele gerechtfertigen.

12.Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Jesus ist der Diener prophezeit

Der Abschnitt von dem Diener weist zu der Kreuzigung hin, sowie auf die Auferstehung Jesu – und manche Kritiker wollen argumentieren, daß die Schreiber der Evangelien dieses Ereignis dem Diener angepaßt haben. Doch in seiner Zusammenfassung widersetzt er sich diesen Kritikern. Die Zusammenfassung ist keine Voraussage über die Kreuzigung und Auferstehung als solche, sondern die Wucht seines Todes nach so vielen Jahren. Und was prophezeit Jesaja? Dieser Diener, obwohl er als ein Verbrecher stirbt. wird er eines Tages unter „den Starken“ sein. Die Schreiber der Evangelien konnten diese Voraussage nicht anpassen, denn die Evangelien sind einige Jahre nach der Kreuzigung geschrieben worden, als die Einwirkung noch bezweifelt wurde. Als die Evangelien geschrieben wurden, war die Welt noch der Meinung, daß Jesus der hingerichtete Führer eines verderblichen Aberglaubens war. Jetzt, 2000 Jahre später, sehen wir die Wirkung seines Todes und stellen fest, daß er in der Geschichte der Starke wurde. Die Schreiber der Evangelien konnten das nicht voraussehen, Aber Jesaja konnte es. Der Diener, der gleichzeitig „der Zweig“ ist. zieht durch sein freiwilliges Opfer Menschen zu sich aus vielen Nationen, damit er sie besprengen kann. Über viele starke Männer sind Nachrufe und Biographien über ihr Leben geschrieben worden von Historikern und Bewunderern, die viele Jahrhunderte später gelebt haben. Bei Jesus ist es anders: über sein Leben und Tod wurde viele Jahre vor seiner Geburt geschrieben. Das sollte uns Grund genug geben, ihm zu vertrauen . Weshalb sollte sein Opfer nicht auch Sie besprengen?

12) Daniels Rätsel in Bezug auf den Spross

Der Spross: Er erscheint gerade rechtzeitig, um … „abgeschnitten“ zu werden.

Wir haben bereits das Spross-Thema erforscht, das sich durch die Schriften mehrerer alttestamentlicher Propheten hinzieht. Wie wir sahen, hatte Jeremia 600 v.Chr. das Thema aufgegriffen, das Jesaja 150 Jahre zuvor begonnen hatte. Jesaja hatte davon geredet, dass dieser Spross ein König sein werde. Im vorigen Beitrag sahen wir, wie Sacharja in Bezug auf Jeremias Darlegung vorausgesagt hatte, dass dieser Spross „Jesus“ genannt und die Königs- und Priesterwürde in sich vereinigen sollte – was noch nie zuvor in der Geschichte Israels geschehen war.

Daniels Rätsel von der planmäßigen Ankunft des Gesalbten

Aber es blieb nicht dabei. Daniel, im Zeitbereich zwischen Jeremia und Sacharja, griff direkt den Titel des „Gesalbten“ auf (der, wie wir sahen, gleichbedeutend mit „Christus“ oder „Messias“ ist), bezog sich in einem faszinierenden Rätsel auf den Spross und sagte die zeitliche Offenbarung des Messias voraus. Um 538 v.Chr. schrieb er Folgendes:

          „Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen und 62 Wochen; … Und nach den 62 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, und ihm wird nichts zuteilwerden …” (Daniel 9,25-16).

Da der „Gesalbte“ = Christus = Messias ist, wissen wir, dass Daniel dies in Bezug auf den kommenden Christus geschrieben hat. Dabei spezifizierte er eine Anfangszeit („Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems“) und bestimmte Zwischenzeiten („7 Wochen und 62 Wochen [im Hebr. „Heptaden“ oder „Siebenergruppen“]), die in der Offenbarung des Christus (des Gesalbten) gipfeln, der daraufhin auf rätselhafte Weise „ausgerottet“ (abgeschnitten) wird. Insgesamt scheint dieser prohetische Ausblick deutlich genug zu sein. Können wir aber auch die spezifischen Einzelheiten erkennen, die uns zum eigentlichen Erscheinen des Christus führen? Schauen wir uns einmal an, was die prophetische Uhr zum Ticken brachte.

Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems

Ungefähr 100 Jahre nach Daniel war Nehemiah Mundschenk des persischen Großkönigs Artasata (Artaxerxes I.). Als solcher hatte er Zugang zu höchsten Herrschaftskreisen im Persischen Reich. In diesem Zusammenhang erbittet und empfängt er einen königlichen Erlass zur Wiederherstellung und zum Wiederaufbau Jerusalems. Er formuliert es folgendermaßen:

… im Monat Nisan, im zwanzigsten Jahr des Königs Artasasta… sagte ich zu dem    König: Wenn es dem König gefällt und wenn dein Knecht wohlgefällig vor dir ist, so  sende mich nach Juda, zu der Stadt, wo meine Väter begraben liegen, damit ich sie wieder aufbaue! …

          Und ich sprach zu dem König: Wenn es dem König gefällt, so gebe man mir Briefe an       die Statthalter. … Und der König gab sie mir. … Als ich nun zu den Statthaltern… kam, gab ich ihnen die Briefe des Königs. Und der König hatte Oberste des Heeres und    Reiter mit mir gesandt. (Nehemia 2,1-9)

Somit haben wir hier einen königlichen Erlass, unterstützt mit Briefen und vom Militär des Persischen Reiches, zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems. Da der persische Großkönig aus der weltlichen Geschichte bekannt ist, und da dieser Erlass den Anfang dieses Zeitraums mit der Regierungszeit des persischen Großkönigs Artaxerxes I. verbindet (das 20. Regierungsjahr im Monat Nissan), können wir den Zeitpunkt genau bestimmen. Artaxerxes bestieg den Thron Persiens gleich nach dem Tode seines Vaters Xerxes I. im Dezember 465 v.Chr.1) – und da dieser Erlass am 1. Nissan (März/April) 465 v.Chr. erging, käme das Datum des Erlasses auf den 5. März 444 v.Chr.1)

Sieben „Wochen“ und zweiundsechzig „Wochen“

Was aber sind diese „Siebener“ („Jahrwochen“ oder „Heptaden“), die Daniel für die Zeitabschnitte gebrauchte? Im Gesetz Moses gab es einen Zyklus von sieben Jahren, in dem das Ackerland jedes siebte Jahr nach der Bebauung ruhen oder brachliegen sollte. Das wurde folgendermaßen ausgedrückt:

          Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, so soll das Land dem Herrn    einen Sabbat feiern. Sechs Jahre lang sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre lang deinen Weinberg beschneiden und den Ertrag [des Landes]einsammeln. Aber   im siebten Jahr soll das Land seinen Sabbat der Ruhe haben, einen Sabbat für den         Herrn, an dem du dein Feld nicht besäen noch deinen Weinberg beschneiden sollst. (3. Mose 25,2-4)

Im textlichen Zuzammenhang schreibt Daniel von „Jahren“; und nach diesem Gedankengang kann es sich bei den erwähnten „Siebener“-Zeiträumen („Wochen“ oder „Heptaden“) nur um Zyklen von je sieben Jahren (also „Jahrwochen“) handeln. Sieben „Heptaden“ und 62 „Heptaden“ lassen sich demnach rechnerisch als (7+62) x 7 = 483 Jahre darstellen.

Ein Jahr von 360 Tagen

Die Sache wird etwas kompliziert, wenn es um die Länge der angegebenen Jahr geht. Heutzutage gebrauchen wir das Sonnenjahr (=  365,24219879 Tage pro Jahr), weil wir den Erdumlauf um die Sonne genau messen können. Damals aber war es üblich, ein Jahr nach Mondumläufen (um die Erde) zu berechnen (der Mondkalender wird heute noch im Islam verwendet), mit 354 Tagen pro Jahr, oder unter Verwendung von zwölf 30-Tage-Monaten, was 360 Tage pro Jahr ergibt. In allen Fällen werden Korrekturen angebracht, um die Unterschiede der Umläufe auszugleichen. (In unserem westlichen gregorianischen Kalender wird zum Ausgleich der Tagesbruchteile ein Schaltjahr von 366 Tagen eingeschoben, wobei einige Schaltjahre ausgelassen werden.) In der antiken Zivilisation von Ägypten, Babylonien, Indien und Griechenland war der 360-Tage-Kalender üblich. Das war auch Daniels Jahrslänge.

Die planmäßige Ankunft des Christus

Auf dem Hintergrund dieser Informationen ist es nun ziemlich einfach zu berechnen, wann der Christus gemäß Daniels Rätsel erscheinen sollte. 483 Jahre von je 360 Tagen ergeben: 483 Jahre x 360 Tage pro Jahr = 173.880 Tage.

Gemessen nach unserem westlichen Kalender ergibt das 476 Sonnenjahre, wobei noch 25 Tage übrig bleiben (173.880 geteilt durch 365,24219879 = 476, Rest 25).

Der Ausgangspunkt für diese Berechnung war der Erlass des Artaxerxes vom 5. März 444 v.Chr. Zählt man 476 Sonnenjahre zu diesem Datum hinzu, kommt man auf den 5. März 33 n.Chr. (Es gibt kein Jahr 0, da man von 1 v.Chr. bis 1 n.Chr. nur ein Jahr berechnet; also rechnerisch: -444 + 476 + 1 = 33.) Zählt man dann die 25 übrigen Tage zum 5. März 33 n.Chr. Hinzu, gelangt man auf den 30. März 33 n.Chr., wie die unten angegebene Illustration verdeutlicht. Oder, wie Hoehner es angibt (dessen Berechnungen ich übernommen habe):

„Zählt man 25 Tage zum 5. März (444 v.Chr.) hinzu, kommt man auf den 30. März (33 n.Chr.), der auf den 10. Nissan fiel. Das war der Tag des triumphalen Einzugs Jesu in  Jerusalem…“

Hoehner, Chronological Aspects of the Life of Christ, Teil VI, S. 16, 1977

 

Zeitlnie von Daniels „Siebener“-Prophezeiung, mit Höhepunkt im triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem

Zeitlnie von Daniels „Siebener“-Prophezeiung, mit Höhepunkt im triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem

 

Triumphaler Einzug Jesu in Jerusalem – Der Tag

Das war am Palmsonntag, genau an dem Tag, an dem wir den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem feiern. Unter Annahme der obigen Angaben und einiger einfacher Berechnungen sehen wir, dass dies der Tag ist, zu dem uns Daniels „Siebener“-Rätsel hinführt. Das war der Tag, an dem Jesus dem jüdischen Volk als König oder Christus dargestellt wurde. Das wissen wir aus Sacharja (der den Namen des Christus vorausgesagt hatte), als er schrieb:

Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel,   und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. (Sacharja 9,9)

Der langersehnte König sollte offenbart werden in seinem Einzug in Jerusalem – auf einem Eselsfüllen, begleitet von einer laut jubelnden Menschenmenge. Am Tag des triumphalen Einzugs Jesu in Jerusalem – also genau an dem Tag, der von Daniel in seinem „Siebener“-Rätsel vorausgesagt worden war – ritt Jesus auf einem Eselsfüllen in die  Stadt ein. Lukas berichtet über dieses Ereignis:

Und als er sich schon dem Abhang des Ölberges näherte, fing die ganze Menge der    Jünger freudig an, Gott zu loben mit lauter Stimme wegen all der Wundertaten, die sie  gesehen hatten, und sie sprachen: Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Ehre in der Höhe!…

          Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch   auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem      Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen. (Lukas 19,37-42)

In diesem Bericht weint Jesus, weil das Volk den Tag, wie er gemeinsam von Sacharja und Daniel vorausgesagt worden war, nicht erkannte. Und weil sie diesen Tag der Offenbarung Christi nicht erkannten, sollte etwas ganz Unerwartetes geschehen. Daniel sagte in genau demselben Abschnitt, in dem er sein „Siebener“-Rätsel darlegte, Folgendes voraus:

    … Und nach den 62 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet [oder: abgeschnitten]   werden, und ihm wird nichts zuteil werden. (Daniel 9,26)

Anstatt den Herrschaftsthron zu besteigen, sollte der Christus „abgeschnitten werden, und ihm wird nichts zuteil werden“. Unter Verwendung dieses Ausdrucks „abgeschnitten werden“ (oder: ausgerottet, weggetan, umgebracht werden, nicht mehr sein; oder einfach „wird sterben“) bezieht Daniel sich auf das Thema des Sprosses, jenes „Schösslings aus dem Baumstumpf Isais, das Jesaja schon lange zuvor angefangen und Jeremiah weiter ausgeführt hatte; dessen Name Sacharja vorausgesagt hatte und dessen Zeit und Beglaubigung gemeinsam von Daniel und Sacharja vorhergesehen wurde. Dieser Spross sollte demnach „abgeschnitten“ werden. Doch wie sollte das geschehen? In unserem nächsten Beitrag kehren wir zu Jesaja zurück, der uns eine anschauliche Beschreibung dazu gibt.