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14) Das Rätsel der Prophezeiungen im 22. Psalm

Vor ein paar Jahren schlenderte J, einer meiner Freunde und Arbeitskollegen, zu meinem Schreibtisch herüber. J war gescheit und gebildet – und glaubte absolut nicht an das Evangelium. Dennoch war er irgendwie wissbegierig, was zwischen uns zu einigen offenen und ehrlichen Gesprächen führte. Er hatte sich nie richtig mit der Bibel beschäftigt, und so ermutigte ich ihn, sie sich einmal näher anzusehen.

Eines Tages kam er mit einer offenen Bibel in mein Büro, um mir zu zeigen, dass er sie sich tatsächlich näher ansehen wollte. Er hatte sie wahllos in der Mitte geöffnet. Ich fragte ihn, was er dort lese. Draufhin entwickelte sich unser Gespräch etwa wie folgt:

„Ich lese Psalm 22”, sagte er.

„Wirklich?“ erwiderte ich. „Und – verstehst du, worum es sich da handelt?”

„Ich denke, es geht um die Kreuzigung Jesu,” antwortete J.

„Das ist eine gute Vermutung,” lachte ich. „Aber da befindest du dich ungefähr1000 Jahre vor dem Geschehen. David schrieb den 22. Psalm um 1000 v.Chr. Die Kreuzigung Jesu fand jedoch erst um 30 n.Chr. statt.”

Da er sich mit der Bibel nicht auskannte, wusste J nicht, dass die Psalmen keine Berichte von Zeitgenossen Jesu über dessen Leben waren. J hatte lediglich ein paar Geschichten über Jesus gehört, einschließlich seiner Kreuzigung, und deshalb die Bibel wahllos geöffnet und das Gelesene von seiner Perspektive aus für die Beschreibung der Kreuzigung Jesu gehalten, weil er es nicht besser wusste. Wir mussten beide über seinen ersten Fehltritt beim Bibellesen lachen.

Dann fragte ich J, was er denn in Psalm 22 gelesen habe, das ihn vermuten ließ, es handele sich um die Kreuzigung Jesu. So begann unsere kleine Nachforschung. Ich lade Sie nun ein, einige der Parallelen zu betrachten, die auch J aufgefallen waren, indem wir die Bibelstellen in einer Tafel gegenüberstellen. Zur Hilfestellung habe ich die zu einander passenden Stellen in der gleichen Farbe wiedergegeben.

Vergleich der Kreuzigungsberichte in den Evangelien mit den Details aus Psalm 22

 Einzelheiten der Kreuzigung in den Evangelien  Psalm 22 – um 1000 v.Chr.
(Matthäus 27,31-48) 31 Und sie führten ihn (Jesus) ab, um ihn zu kreuzigen. …39 Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf 40 und sprachen: „… rette dich selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab!” 41 Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten! Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben! 43 Er hat auf Gott vertraut; der befreie ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat; … 46 Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: … »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm (Jesus) zu trinken.Markus 15,16-20+37 16 Da führten ihn (Jesus) die Kriegsknechte hinein in den Hof, … 17 legten ihm einen Purpur[mantel] um, flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf. 18 Und sie fingen an, ihn zu grüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! 19 Und sie schlugen sein Haupt mit einem Rohr, spuckten ihn an, beugten die Knie und fielen vor ihm nieder. 20 Und nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur[mantel] aus und legten ihm seine eigenen Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen…37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verstarb.(Johannes 19,33-34) 33 Als… er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,…

33 sondern einer der Kriegsknechte stach mit einem Speer in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.

(Markus 15,24) … sie kreuzigten ihn…

(Johannes 20,25) [Thomas] Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe…

(Johannes 19,23-24) 23 Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil, und dazu das Untergewand. …

24 Da sprachen sie zueinander: Lasst uns das nicht zertrennen, sondern darum losen, wem es gehören soll!

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, und du antwortest nicht, und auch bei Nacht, und ich habe keine Ruhe.…8 Alle, die mich sehen, spotten über mich;
sie reißen den Mund auf und schütteln den Kopf.
9 »Er soll doch auf den Herrn vertrauen; der soll ihn befreien; der soll ihn retten, er hat ja Lust an ihm!«
10 Ja, du hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen, du warst meine Zuversicht schon an meiner Mutter Brust.11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterschoß an; vom Leib meiner Mutter her bist du mein Gott.12 Sei nicht fern von mir! Denn Drangsal ist nahe, und kein Helfer ist da.13 Es umringen mich große Stiere,
mächtige [Stiere] von Baschan umzingeln mich.

14 Sie sperren ihr Maul gegen mich auf wie ein reißender und brüllender Löwe.

15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, und alle meine Gebeine sind ausgerenkt.
Mein Herz ist geworden wie Wachs,
zerschmolzen in meinem Innern.

16 Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes.

17 Denn Hunde umringen mich,
eine Rotte von Übeltätern umgibt mich;
sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.
18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie schauen her und sehen mich [schadenfroh] an.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.

Die Tatsache, dass J zu dem logischen, wenngleich irrigen Schluss gelangte, dass Psalm 22 ein Augenzeugenbericht der Karfreitagskreuzigung sei, sollte bei uns eine Frage aufwerfen: Wie erklären wir die Gemeinsamkeiten zwischen den Evangeliumsberichten und Psalm 22? Handelt es sich nur um zufällig genau übereinstimmende Details, sowohl bei der Teilung der Kleidung (d.h, gesäumte Kleidung wurde an den Nähten getrennt und unter die Kriegsknechte verteilt) als auch im Auslosen (das saumlose Gewand wäre durch Zerreißen unbrauchbar geworden, also warf man das Los darum)? Psalm 22 wurde verfasst, als es noch gar keine Kreuzigung gab, beschreibt aber dennoch die verschiedenen Einzelheiten (Hände und Füße durchbohrt, Gelenke ausgerenkt – indem der Leib des hängenden Opfers ausgestreckt wird). Hinzu kommt, dass das Johannesevangelium erwähnt, wie Blut und Wasser aus der Speerwunde in der Seite des Oberkörpers Jesu herausflossen, was auf eine Flüssigkeitsanstauung im Herzbeutel Jesu hindeutet. Jesus starb somit an Herzschlag. Das entspricht der Beschreibung in Psalm 22, 15: „Mein Herz ist geworden wie Wax.” Das hebräische Wort, das in Vers 17 mit „durchgraben” übersetzt wurde, bedeutet buchstäblich „wie ein Löwe”. Mit anderen Worten, Jesu Hände und Füße wurden durch die Nägel zerfleischt oder übel zugerichtet. Was will uns das sagen?

Jesus weist durch die Evangeliumsverfasser darauf hin, dass es sich hier um prophetische Übereinstimmungen handelt. Gott inspirierte die alttestamentlichen Propheten hunderte von Jahren vor dem Erdenleben Jesu, Einzelheiten von seinem Leben und Sterben vorauszusagen, um uns wissen zu lassen, dass sich alles nach dem Plan Gottes zugetragen hat. Die prophetische Erfüllung gleicht somit einer göttlichen Unterschrift unter die Ereignisse von Karfreitag; denn kein Mensch kann in dieser Weise die Zukunft voraussehen. Das wäre also ein Beweis des Wirkens Gottes und seines Eingreifens in der Weltgeschichte.

Bart Ehrmans Deutung

Bart Ehrman, ein bekannter Bibelgelehrter und Evangeliumskritiker, hält dagegen jegliche prophetischen Begründungen für falsch; denn in der Evengeliumsgeschichte gehe es ja darum, dass der „Messias” oder „Christus” als Opfer hingegeben werde, während der 22. Psalm gar nicht vom „Messias” als Opfer spreche. So stellt er fest:

„Was aber tun wir angesichts der Tatsache, dass es keine jüdischen Prophezeiungen darüber gab, dass der Messias leiden und sterben würde?” (Bart Ehrman, Jesus Interrupted; S. 234 [übersetzt])

Aber das führt zu einem weiteren Streitpunkt. Es ist ja nicht so, als gäbe es nur eine Prophezeiung (wie Psalm 22), die Jesus zu erfüllen hatte; sondern es gibt derer Dutzende. Es handelt sich dabei um Voraussagen, die von verschiedenen Autoren zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Bevölkerungsschichten der alttestamentlichen Ära verfasst wurden – und sie lassen sich nachprüfen, ob sie erfüllt wurden oder nicht. So z.B., um Ehrmans Herausforderung aufzugreifen, lebte Daniel um 550 v.Chr. im babylonischen Exil und hatte dort eine Vision, in der ihm folgendes prophetische Rätsel aufgegeben wurde:

„So wisse und verstehe: Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen* und 62 Wochen*; Straßen und Gräben werden wieder gebaut, und zwar in bedrängter Zeit. Und nach den 62 Wochen* wird der Gesalbte ausgerottet werden, und ihm wird nichts zuteil werden;…”

(Daniel 9,25-26; *Wochen = Einheiten von sieben, ohne nähere Angabe eines Zeitraums)

Hmm… Dem neutestamentlichen Gelehrten gebührt zwar meine höchste Anerkennung, aber er hat hier im Alten Testament wohl etwas verpasst. Denn hier, genau wie er es ja fordert, haben wir eine Prophezeiung, dass der  „Gesalbte” (= Christus = Messias) „ausgerottet” wird. The Zeitbestimmung dazu und die Details zu „ausgerottet”, die die Bedeutung des Todes Jesu voraussahen, widerlegen rundheraus Ehrmans Behauptung, es gäbe keine alttestamentliche Prophezeiung über das Leiden und Sterben des „Christus”.

Spongs Deutung

Andere, wie Shelby Spong (in That Hebrew Lord), argumentieren, dass die Übereinstimmungen aus Psalm 22 mit den Ereignissen der Karfreitagskreuzigung einfach darauf zurückzuführen seien, dass die Evangeliumsverfasser lediglich versucht hätten, diese den Prophezeiungen „anzupassen”. Er gibt uns eine detaillierte Vers-für-Vers-Analyse der Ähnlichkeiten zwischen Psalm 22 und den Kreuzigungsberichten über Jesus in den Evangelien, um seine Theorie zu beweisen, dass die Evangeliumsverfasser die Keuzigungsgeschehnisse anhand der Angaben in Psalm 22 erfunden hätten. Wenigstens bedeutet Spongs Theorie, dass diese Ähnlichkeiten einer Erklärung bedürfen. Aber seine Deutung ignoriert total das Zeugnis außerbiblischer Historiker der damaligen Zeit. Josephus und Tacitus sagen uns Folgendes darüber:

„Zu der Zeit gab es einen weisen Mann … Jesus … gut und … tugendhaft. Und viele Menschen aus den Juden und anderen Völkern wurden zu seinen Jüngern. Pilatus verurteilte ihn, gekreuzig zu werden und zu sterben” (übers. aus Josephus. 90 n. Chr.. Antiquities xviii. 33; Josephus war jüdischer Historiker).

„Christus, der Begründer des Namens, wurde durch Pontius Pilate, Statthalter von Judäa unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius hingerichtet” (übers. aus Tacitus. 117 n.Chr. Annals XV. 44. Tacitus war römischer Historiker).

Ihr Zeugnis stimmt in breitem Umfang mit den Evangelien überein, dass Jesus gekreuzigt wurde.  Dies ist wichtig, weil es sich bei vielen Aussagen in Psalm 22 schlicht um Einzelangaben über eine Kreuzigung handelt. Wenn die Evangeliumsschreiber bemüht gewesen wären, die eigentlichen Vorgänge zu erfinden, um sie dem 22. Psalm „anzupassen”, hätten sie im Grunde die gesamte Kreuzigung erfinden müssen. Doch niemand aus der damaligen Zeit leugnete die Kreuzigung Jesu, und der jüdische Historiker Josephus berichtet, dass Jesus auf genau diese Weise hingerichtet wurde.

Psalm 22 und das Vermächtnis Jesu

Zudem endet Psalm 22 nicht mit Vers 19 wie in der obigen Gegenüberstellung – er geht vielmehr noch weiter. Beachten wir, wie triumphierend die Stimmung am Ende des Psalms ist – nach dem Tod der betreffenden Person!

27 Die Elenden sollen essen und satt werden; die den Herrn suchen, werden ihn loben; euer Herz soll ewiglich leben!

28 Daran werden gedenken und zum Herrn umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden anbeten alle Geschlechter der Heiden.

29 Denn das Königreich gehört dem Herrn, und er ist Herrscher über die Nationen.

30Es werden essen und anbeten alle Großen der Erde; vor ihm werden ihre Knie beugen alle, die in den Staub hinabfahren, und wer seine Seele nicht lebendig erhalten kann.

31 Ein Same wird ihm dienen, wird dem Herrn als Geschlecht zugezählt werden.

32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit verkündigen dem Volk, das geboren wird, dass er es vollbracht hat.

(Psalm 22,27-32)

Hier ist zu beachten, dass es sich nicht mehr um Einzelheiten über den Tod dieser Person handelt. Diese Details wurden im ersten Teil des Psalms erwähnt. Hier befasst der Psalmist sich mit den Auswirkungen des Todes dieser Person auf einen „Samen” (Nachkommen) und ein zukünftiges „Geschlecht” (Vers 31). Um wen könnte es sich da handeln? Um uns, die wir 2000 Jahre nach der Kreuzigung leben! Der Psalmist sagt uns, dass der „Same”, der diesem auf so ungeheuerliche Art “in den Staub des Todes” gelegten Mann folgt, ihm “dienen” und „als Geschlecht zugezählt” werden sollte. Vers 28 sagt zudem die geographische Ausdehnung dieser Auswirkungen voraus – nämlich bis an „alle Enden der Erde” und auf „alle Geschlechter der Heiden”, die “zum Herrn umkehren”. Vers 29 prophezeit, dass jeder, der „seine Seele nicht lebendig erhalten kann” (und das betrifft ja einen jeden von uns sterblichen Menschen), eines Tages die Knie vor ihm beugen wird. Die Gerechtigkeit dieses Mannes wird zur Zeit seines Todes den Menschen verkündigt werden, die noch nicht leben (ein „Volk, das [noch] geboren wird).

Man könnte keine bessere Vorhersage vom Vermächtnis Jesu durch seinen Tod machen, als es die Schlussverse von Psalm 22 wiedergeben. Zweitausend Jahre nach Christus, unter jährlichen weltweiten Karfreitagsfeiern, werden die Auswirkungen des Todes Jesu immer noch hervorgehoben; wobei sich die Schlussverse von Psalm 22 genaus so präzise erfüllen wie die vorhergehenden Verse, die die Einzelheiten seines Sterbens vorhersagten. Wer könnte in dieser Welt sonst noch behaupten, dass Einzelheiten seines Todes sowie das Vermächtnis seines Lebens für die ferne Zukunft bereits 1000 Jahre vor seinem Erdendasein vorausgesagt worden seien?

Die Endverse von Psalm 22 haben nichts damit zu tun, ob die Evengelienberichte sie übernommen oder die Kreuzigungsgeschehnisse „erfunden” haben; denn sie handeln von einer viel späteren Zeit – nämlich der unsrigen. Die Evangeliumsverfasser aus dem ersten Jahrhundert n.Chr. konnten wohl kaum die Auswirkungen des Todes Jesu bis in unsere Zeit hinein „erfinden”. Wie kann Spong dieser Tatsache in seiner Deutung Rechnung tragen? Er kann es nicht und tut es nicht! Er ignoriert geflissentlich den letzten Teil des 22. Psalms.

Vielleicht werden Sie nun ebenfalls, wie mein Freund J, die Gelegenheit ergreifen und Psalm 22 im Lichte der Kreuzigung Jesu betrachten. Das erfordert zwar eine geistige Anstrengung, aber lassen Sie sich dadurch nicht davon abbringen. Die Mühe lohnt sich allemal, denn der Mann, von dem Psalm 22 spricht, hat verheißen:

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben. (Johannes 10,10)

Das würde die alljährlichen Osterfeiern mit Sicherheit erfüllen. Lesen Sie hier den ganzen Psalm 22 sowie die Kreuzigungsberichte nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Mögen Sie etwas davon erfahren – nicht nur am Karfreitag, sondern jeden Tag in diesem Jahr!

13) Die Voraussage, daß Christus „abgehauen“ wird

In unserem letzten Artikel haben wir gesehen wie Daniel den „Christus“ vorausgesagt hat und daß er nach einigen Jahren „abgehauen“ wird. Die Voraussage Daniels wurde in dem triumphierenden Einzug Jesu in Jerusalem erfüllt. Dort wurde er als Israels Christ eingeführt – genau 173.880 Tage nach dem Persischen Gebot, das den Aufbau Jerusalems anordnete. Das Wort „abgehauen“ deutet auf Jesajas Vorstellung hin, indem er sich einen scheinbar toten Baumstumpf vorstellte, aus dem ein Zweig schoß. Doch was hat er sich dabei gedacht?

Historische Zeitlinie mit Jesaja und anderen Propheten des Alten Testaments

Historische Zeitlinie mit Jesaja und anderen Propheten des Alten Testaments

Jesaja schrieb auch über andere Prophezeiungen in seinem Buch, indem er andere Themen gebrauchte als den Zweig. Ein solches war das Bild des kommenden Dieners. Wer war dieser „Diener„? Was wird er machen? Wir werden jetzt einen langen Abschnitt aus dem Buch des Jesaja durchnehmen. Ich gebrauche den vollen und genauen Text der Lutherbibel, hier und da mit meinen Kommentaren eingeflochten.

Der kommende Diener – Der vollkommene Text aus dem Buch des Jesaja, 52, 13 – 53,12

52,13. Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.  Wie sich viele über ihn entsetzten. weil seine Gestalt häßlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Meschenkinder, so wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken.

Wir wissen, daß dieser Diener ein Mensch sein wird, denn Jesaja nennt ihn einen Diener, einen „er“, „ihn“, „sein“, und daß er von einer Zukunft spricht (er wird— handeln, auferstehen u.s.w.). Also ist dieses eine Prophezeiung.  Aber worum handelt sie sich?

Blutopfer

Wenn die jüdischen Priester fuer die Israeliten opferten, dann haben sie die Israeliten mit dem Blut des geopferten Tieres besprengt. Diese Tat symbolisierte die Vergebung ihrer Sünde, die ihnen nicht mehr vorgehalten wurde. Aber in dem genannten Text steht, daß der Diener „viele Nationen“ besprengen wird. Also sagt Jesaja, daß in gleicher Weise dieser Diener auch Nicht-Juden die Vergebung der Sünde gewährt wie es die Priester im Alten Testament den jüdischen Anbetern gewährten. Dieses zieht eine Parallele zu der Voraussage Zacharias, daß der Zweig ein Priester sein würde, der die Rollen des Königs und des Priesters vereint, da es nur den Prietsern erlaubt war, mit dem Blut zu besprengen. Der weltweite Bereich von „viele Nationen“ folgt dem historischen und beweisbaren Versprechen, das vor vielen Jahrhunderten Abraham gemacht wurde, daß „alle Nationen“ durch seinen Nachkommen gesegnet sein werden.

In der Voraussage wird der Diener, der „keine Gestalt und Hoheit“ hatte und der „Allerverachtetste und Unwerteste“ war, die vielen Nationen besprengen. Und obwohl es nicht ganz klar ist was der Diener machen wird, werden die Nationen es eines Tages verstehen.

53,1. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart?  Er (der Diener) schoß auf vor ihm (dem Herrn) wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste.,voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Obwohl der Diener viele Nationen besprengen wird. wird er auch als „verachtet“ und „wertlos“ beschrieben, voller „Leiden: und „an Schmerzen gewöhnt„.

4.Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jesu Opfer im Vergleich zu dieser Diener Opfer

Der Diener wird „unsere“ Schmerzen auf sich nehmen. Dieser Diener wird auch zur Strafe „verwundet“ und „zerschlagen“. Diese Strafe wird uns (den vielen Nationen) „Frieden“ bringen und uns „heilen“. Weltliche und biblische Quellen bestätigen uns, daß am Karfreitag vor etwa 2000 Jahren (und mehr als 700 Jahre nach der Prophezeiung Jesajas) Jesus gekreuzigt wurde. Er wurde buchstäblich durch die Nägel bei der Kreuzigung verwundet wie es Jesaja von dem Diener vorausgesagt hatte.

6. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

In „Verdorben und das Ziel verfehlt“ haben wir gesehen, daß eine biblische Erklärung für Sünde das eigentliche Ziel verfehlt. Wie ein verbogener Pfeil gehen wir unseren eigenen Weg. Dieser Diener wird diese Sünde tragen, die wir verursacht haben.

7. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

Der Diener wird wie ein Lamm sein, das zur „Schlachtbank“ geführt wird. Aber er wird weder protestieren noch seinen „Mund auftun“. Wir sahen in „Das Zeichen von Abrahams Opfer„, daß ein Widder als Ersatz für Abrahams Sohn geopfert wurde. Dieser Widder – ein Schaf – wurde geschlachtet. Jesus wurde auf der selben Stelle (Berg Moriah in Jerusalem) hingerichtet. Wir haben gesehen, daß ein Lamm zum Passahfest geschlachtet wurde. Jesus wurde auch kurz vor dem Passahfest hingerichtet.

8. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Misssetat meines Volks geplagt war.

Der Diener ist „weggerissen“ aus dem „Land der Lebendigen„.  Dieselben Worte hat Daniel gebraucht, als er prophezeite was mit Christus geschehen wird, nachdem er Israel als der Messias vorgestellt wird. Jesaja ging in mehr Einzelheiten, als er im Voraus erklärte, daß „weggerissen“ das „weggerissen aus dem Land der Lebendigen“ bedeutet.. d.h. der Tod. Also, als Jesus am Karfreitag gestorben ist, ist er buchstäblich „aus dem Land der Lebendigen“ gerissen worden, und das nur ein paar Tage, nachdem er als der Messias seinen triumphierenden Einzug feierte.

9. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

Obwohl Jesus hingerichtet wurde und als ein Verbrecher gestorben ist (sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern), so berichten uns die Evangelisten, daß ein reicher Mann, ein Ratsherr, Joseph von Arimathia, den Leichnam Jesu nahm und ihn in seiner eigenen Gruft unterbringen ließ (Matth.27, 60). Jesus hatte buchstäblich beide Seiten der gegenseitigen Voraussage erfüllt, nämlich daß obwohl „sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern“ war, er auch ein gerechter Mensch war, der „niemand Unrecht getan hat.“

10. So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen

Dieser grausame Tod war kein fürchterlicher Zufall oder Mißgechick. Es war klar „des HERRN Plan“, ihn zu zerschlagen. Aber warum? So wie Lämmer in dem Moseischen Opfersystem das Opfer für Sünde waren, damit der opfernde Mensch dadurch schuldlos wird, so ist hier das „Leben“ dieses Dieners ein     „Opfer für Sünde“. Für wessen Sünde? Wenn wir daran denken, daß „viele Nationen“ besprengt werden (siehe oben), dann ist es die Sünde der Menschen der „vielen Nationen“. Diese „alle“, die in die „Irre“ gingen, und „ein jeder sah auf seinen Weg“. Jesaja spricht von Ihnen und mir.

11. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte den Vielen Gerechtigeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

Obwohl der Abschnitt über den Diener grausam ist, ändert sich hier der Ton, und es kommt ein optimistisches und sogar triumphierendes Ende. Nach diesem schrecklichen Leiden (gerissen aus dem Lande der Lebendigen“ und „man ihm sein Grab gab“) wird dieser Diener „das Licht schauen„. Er wird wieder lebendig? Ich habe die Sache mit der Auferstehung überprüft. Hier wird prophezeit. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit, daß derselbe Mensch, dessen Auferstehung man begründen kann, dieselbe Peron ist, für die die Prophezeiung gilt, sowie die anderen Prophezeiungen, die wir besprochen haben. Und so wie er „das Licht schauen“ wird, wird dieser Diener „Vielen Gerechtigkeit schaffen“. Gerechtfertigen bedeutet dasselbe wie Gerechtigkeit schaffen. Sie erinnern sich, daß Abraham gerechtfertigt wurde.  Auf eine ähnliche Weise wird dieser Diener Viele gerechtfertigen.

12.Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Jesus ist der Diener prophezeit

Der Abschnitt von dem Diener weist zu der Kreuzigung hin, sowie auf die Auferstehung Jesu – und manche Kritiker wollen argumentieren, daß die Schreiber der Evangelien dieses Ereignis dem Diener angepaßt haben. Doch in seiner Zusammenfassung widersetzt er sich diesen Kritikern. Die Zusammenfassung ist keine Voraussage über die Kreuzigung und Auferstehung als solche, sondern die Wucht seines Todes nach so vielen Jahren. Und was prophezeit Jesaja? Dieser Diener, obwohl er als ein Verbrecher stirbt. wird er eines Tages unter „den Starken“ sein. Die Schreiber der Evangelien konnten diese Voraussage nicht anpassen, denn die Evangelien sind einige Jahre nach der Kreuzigung geschrieben worden, als die Einwirkung noch bezweifelt wurde. Als die Evangelien geschrieben wurden, war die Welt noch der Meinung, daß Jesus der hingerichtete Führer eines verderblichen Aberglaubens war. Jetzt, 2000 Jahre später, sehen wir die Wirkung seines Todes und stellen fest, daß er in der Geschichte der Starke wurde. Die Schreiber der Evangelien konnten das nicht voraussehen, Aber Jesaja konnte es. Der Diener, der gleichzeitig „der Zweig“ ist. zieht durch sein freiwilliges Opfer Menschen zu sich aus vielen Nationen, damit er sie besprengen kann. Über viele starke Männer sind Nachrufe und Biographien über ihr Leben geschrieben worden von Historikern und Bewunderern, die viele Jahrhunderte später gelebt haben. Bei Jesus ist es anders: über sein Leben und Tod wurde viele Jahre vor seiner Geburt geschrieben. Das sollte uns Grund genug geben, ihm zu vertrauen . Weshalb sollte sein Opfer nicht auch Sie besprengen?