7) Die Verheißung, welche uns Rechtschaffenheit offenbart

In meinem vorhergehenden Artikel sahen wir, daß Abraham einfach durch Glauben den unerläßlichen Rang als „Rechtschaffener“ erhielt. Dies ist durch den kurzen Satz aus 1.Mose 15,6 bezeugt:

„Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit“.

Glaube hat nichts mit Gottes Existenz zu tun

Ich will jetzt klarlegen, was es bedeutet „Abraham glaubte“. Viele Leute, mit denen ich rede, denken, daß „glauben“ heißt an die Existenz Gottes zu glauben. Oft habe ich gehört: „oh, ich glaube an Gott“, womit gemeint ist „ich glaube, daß Gott existiert“. Es sieht so aus, als ob wir denken, daß Gott beeindruckt und erfreut ist, wenn wir seine Existenz bestätigen.

Die Bibel ist da anderer Meinung. Jakobus 2, 19 “ Du glaubst, daß nur einer Gott ist? Du tust wohl daran: die Teufel glauben’s auch und zittern“. In der Bibel steht, daß wir mit einfachem Glauben an Gottes Existenz uns mit dem Teufel in einer Liga befinden. Man kann selbst entscheiden, wieviel Sicherheit davon erwartet werden kann. Natürlich ist es wahr, daß Abraham an Gottes Existenz glaubte, daber dies ist hier nicht die Hauptsache.

Die harsche Wirklichkeit für Abraham war, daß er mit über 80 Jahren noch keinen Sohn hatte. Gott versprach Abraham, daß er ihm einen Sohn schenken werde. Dieses Versprechen drängte Abraham auf den Scheideweg: zur Wahl stand nicht Glaube an Gottes Existenz, sondern die Frage ob er das ihm von Gott gegebene Versprechen glauben soll oder nicht. In diesem Fall entschied sich Abraham zu glauben. Er traute auf Gottes Versprechen. In diesem Sinn ist „Glaube“ synonym mit „Vertrauen“. Er traute Gott in der für ihn sehr wichtigen Sache, auch wenn – oberflächlich gesehen – sie nicht sehr hoffnungsvoll aussah.

Also, Abraham glaubte an das Versprechen für einen Sohn. Dafür schenkte ihm Gott zusätzlich zu seinem Versprechen die Rechtschaffenheit als Ehre. Schließlich erhielt Abraham beides: das eingelöste Versprechen (ein Sohn, von welchem eine große Nation abstammen wird,) und Rechtschaffenheit als zusätzliches Geschenk.

Rechtschaffenheit – nicht durch Verdienst oder Bemühung

Ich hatte die Gelegenheit, mich mit Leuten verschiedener Religionen und Philosophien zu unterhalten. Es hat mich beeindruckt, daß, obwohl ihre Theorien stark variieren können, fast jeder, mit dem ich rede oder von dem ich lese, annimmt, daß Rechtschaffenheit entweder durch Verdienst erhalten wird oder aber durch besondere Bemühungen asketischer Verneinung oder „gutes“ Benehmen verdient wird. Wir erörtern, daß mehr gute Taten als schlechte oder eine bestimmte Art oder Azahl religiöser Wohltaten es uns ermöglicht, Rechtschaffenheit zu gewinnen oder zu verdienen. Diese Logik habe ich unter buddhistischen Freunden in Thailand gefunden, auch unter Hindus in Indien, Mohammedanern in mohammedanischen Ländern, bei Katholiken, Protestanten, und sogar denen, die an eine „höhere Gewalt“ glauben. Wir alle, Menschen überall in der Welt, leben natürlichrweise in diesem Glauben.

Ich erinnere mich an ein Interview mit Theologiestudenten, die das Seminar beendeten. Von ihnen hörte ich, daß es die Waage zwischen unseren Verdiensten und Sünden ist, die unsere Rechtschaffenheit bestimmt.

Aber Abraham hat Rechtschaffenheit nicht verdient, sie wurde ihm als Ehrengeschenk gegeben. Also, worin liegt der Unterschied?

Es ist klar: wenn etwas verdient ist, hat man dafür gearbeitet, man hat Anspruch darauf. Es ist als ob man einen Arbeitslohn empfängt. Ein Geschenk ist eine Gabe. Wie jedes freiwillig gegebene Geschenk ist es nicht verdient, sondern wird einfach gegeben und angenommen.

Der Bericht über Abraham überstürzt unser allgemeines Verständnis, daß Rechtschaffenheit vom Glauben an Gottes Existenz komme, oder durch genügend gute oder religiöse Taten erhältlich sei. Das war nicht Abrahams Wahl. Er hat einfach an das ihm gegebene Versprechen geglaubt.

Abrahams Glaube: Er hat darauf mit seinem Leben gewettet

Es war vielleicht einfach, aber bestimmt nicht leicht, sich für Glauben an dieses Verprechen auf einen Sohn zu entscheiden. Abraham hätte einfach das Versprechen mißachten können, oder einwenden können, daß, wenn Gott wirklich Willen und Gewalt hätte, ihm einen Sohn zu schenken, er es schon lange vorher getan hätte.

Zu diesem Zeitpunkt waren nämlich beide, Abraham und Sarah (seine Frau) zu alt, weit über die fruchtbaren Jahre hinaus. Man bedenke, daß als ihm zuerst eine „große Nation“ versprochen wurde, er schon 75 Jahre alt war. Als Reaktion darauf verließ er seine Heimat und zog nach Kanaan. Seither sind viele Jahre vergangen. Abraham und Sarah sind sehr alt geworden und hatten nicht ein einziges Kind, geschweige denn eine Nation!

Er könnte gemeint haben: „Warum hat Gott mir nicht schon längst einen Sohn geschenkt, wenn er es könnte?“ Obwohl er sicherlich unbeantwortete Fragen über das Versprechen hatte, hat er doch an den versprochenen Sohn geglaubt. Er glaubte dem Gott, der ihm das Versprechen gab, auch wenn er nicht alles verstand was Gott damit im Sinn hatte.

Der Glaube an das Versprechen verlangte aktives Warten. Während er in Zelten im Gelobten Land Kanaan auf das Kommen der versprochenen Sohnes wartete, war – in gewissem Sinn – sein ganzes Leben unterbrochen. Es wäre viel einfacher gewesen, das Versprechen zu rationalisieren, und in die Zivilisation von Mesopotanien (heutiges Irak) zurückzuziehen. Sein Bruder lebte mit seiner Familie noch immer dort.

Abraham mußte Tag für Tag jahrelang wartend auf die Erfüllung des Versprechens mit den Schwierigkeiten des anhaltenden Glaubens an das Versprechen leben. Er hat das Versprechen so ernst genommen, daß es die normalen Lebensziele wie Sicherheit, Behaglichkeit und Gesundheit weit übertraf. Das Leben mit der Aussicht auf das Versprechen bedeutete wirklich das Ende für die normalen Lebensziele. Der Glaube an das Versprechen zeigte Vertrauen zu Gott, sowie auch Liebe für Gott. Er hätte sich ja gegen den Glauen entscheiden können, um in die Heimat (heutiges Irak) zurückzukehren. Er hätte das Versprechen mißachten können, während er glaichzeitig an Gottes Existenz glauben und beten und anderen Menschen helfen könnte.

Aber dann hätte er nur seine Religion behalten, nicht aber das Ehrengeschenk, die Rechtschaffenheit. Der Glaube an das Versprechen übertraf bei Weitem dessen geistige Annahme.

Abraham baute das Leben, Beruf, Sicherheit, Handlungen in der Gegenwart sowie Hoffnung für die Zukunft auf das Versprechen, er wartete unermüdlich und war gehorsam. Das war Abrahams Kurs.

Abraham: ein Vorbild für uns

Der Rest des Bibel betrachtet dieses Ereignis als Wegweiser für uns. Abrahams Glaube an Gottes Versprechen und das sich daraus ergebende Geschenk der Rechtschaffenheit wird für uns ein Muster zum Nachahmen. Das ganze Evangelium basiert auf Versprechen, die Gott jedem von uns anbietet. Diese sind nicht genau so wie das bestimmte Versprechen an Abraham für einen Sohn. Sie sind aber trotzdem Versprechen, und wie in Abrahams Fall bringen sie uns zum Scheideweg. Glauben wir diese Versprechen (d.h. trauen wir ihnen) oder nicht?

Um welche Versprechen handelt es sich? Hier sind einige Beispiele:

Johannes 1, 12 – 13: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes sondern von Gott geboren sind.

Johannes 5, 24 – 25: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören werden, die werden leben.

Johannes 10, 9 – 10: Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eingeht, der wird gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, daß er stehle, würge und umbringe. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen.

Matthäus 11, 28 – 30: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Römr 6, 23: Denn der Sünde Sold ist Tod; Gottes Gabe aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

Ich könnte fortfahren und mehr anführen. Die Hauptsache ist jedoch, daß diese echte Versprechen sind – für Sie und mich, und sie kommen von Jesus selbst oder wurden in seinem Namen gegeben. Wir können wie Abraham entscheiden, ob wir an sie glauben oder nicht. Der Glaube an diese Versprechen verpflichtet und – wie bei Abraham – erfordert das ganze Leben. Man muß normale Lebensziele und Anstrebungen diesen Versprechen unterordnen.

Dieses Angebot, vom Evangelium auf den Tisch gelegt, fragt weder nach geistlicher Zustimmung noch nach Glauben an Gottes Existenz oder tapferen und gut gemeinten Bemühungen, um Verdienst zu ernten. Wenn man diese Versprechen glaubt und sein Leben darauf baut, dann wird man auch das Geschenk der Rechtschaffenheit bekommen. Dadurch wird man auf Abrahams Glaubenspfad gebracht. Dabei bezahlt Gott den Preis, damit Sie und ich Leben erhalten.

Die folgende Abhandlung über Abrahams Opfer zeigt, daß dies schon vorausgesehen war. Obwohl Abraham in einem anderen Zeitraum mit anderen Bräuchen und Feierlichkeiten lebte, ist er unser Vorbild. Das an Abraham gegebene Versprechen, welches buchstäblich geschichtlich und nachweisbar erfüllt wurde, steht für uns als Leuchtfeuer. Es verkündet, daß wir keine Narren sind, wenn es darum geht, zwischen dem Leben, das wir am Ende doch nicht behalten können und dem ewigen Leben, das wir – nach dem Versprechen auf ewiges Leben – nicht verlieren können, zu wählen.

Das jüdische Zeugnis: War Jesus der Sohn einer Jungfrau aus dem Geschlecht Davids?

Wir haben bereits gesehen, woher der Titel “Christus”stammt. Nun wollen wir eine kontroverse Frage betrachten: War Jesus von Nazareth der im hebräischen Alten Testament geweissagte Messias? Es lohnt sich, über diese Frage nachzudenken, besonders in der Weihnachtszeit.

Aus dem Geschlecht Davids

Psalm 132 im Alten Testament, der lange vor Lebzeiten Jesu verfasst worden war, enthält eine sehr spezifische Prophezeiung. Darin heißt es:

10 Um Davids, deines Knechtes, willen, weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab!

11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen!« …

13 Denn der Herr hat Zion erwählt, hat sie zu seiner Wohnung begehrt: …

17 Dort will ich dem David ein Horn [ein Königtum] hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Gesalbten. (Psalm 132,10-17)

Wir erinnern uns: „der Gesalbte” = „Christus” = „Messias”. Somit sehen wir, dass die hebräisch-jüdischen Psalmen schon lange Zeit, ehe es überhaupt das Christentum gab, voraussagten, dass Gottes Gesalbter (= „Christus”) dem Geschlecht Davids entstammen sollte.

Dies lesen wir natürlich im Neuen Testament, wo die Geschlechtsregister Jesu anzeigen, dass er aus dem Geschlecht Davids kam – genau wie es in Psalm 132 geweissagt worden war.

Entstammte Jesus wirklich dem Geschlecht Davids?

Doch der Anspruch, den das Neue Testament auf die Erfüllung dieser Prophezeiung erhebt, scheint auf den ersten Blick verdächtig zu sein. Matthäus und Lukas führen das Geschlechtsregister Jesu in ihrem Evangeliumsbericht an, weil sie uns die Erfüllung dieser jüdischen Weissagung in Jesus aufzeigen wollen. Aber wie soll man erkennen, dass sie ihre Stammbäume (in Matthäus 1 durch Joseph und in Lukas 3 durch Maria) nicht einfach „erfunden” haben, um eine „Erfüllung” vorzutäuschen? Das wäre schließlich eine natürlichere Erklärung als eine „göttliche” Erfüllung. Viele von uns lassen es angesichts dieser Frage dabei bewenden und glauben es oder nicht; je nach unserer Voreingenommenheit. Aber warten Sie noch mit ihrem Urteil! Der Fall bedarf einer genaueren Anhörung – denn es gibt noch weitere Beweisführungen.

Um herauszufinden, was „wirklich” geschehen ist, können uns hier eben auch die Aussagen gegnerischer Zeugen helfen. Ein gegnerischer Zeuge ist jemand, der am „Tatort” zugegen war, aber unserer eigenen Ansicht oder Schlussfolgerung insgesamt nicht zustimmt. Er hat somit Motive, unserer Zeugenaussage, die uns zu einer bestimmten Schlussfolgerung führt, zu widersprechen oder sie zu widerlegen. Nehmen wir an, es gab einen Autounfall zwischen Person A und Person B. Sie beschuldigen sich gegenseitig. Nehmen wir weiter an, Person A behauptet, Person B habe kurz vor dem Unfall eine SMS getextet. Person B hat kein Motiv, mit Person A in diesem Punkt übereinzustimmen. Und sollte sie eingestehen, dass sie tatsächlich kurz vor dem Unfall eine SMS getextet hat, hätten der Richter und die Geschworenen guten Grund anzunehmen, dass Person B eine SMS getextet habe, da ja die gegnerischen Augenzeugen in diesem Punkt übereinstimmen. Person B hätte durch eine solche Übereinstimmung also nichts zu gewinnen.

Auf gleiche Weise kann es uns helfen, mehr über die tatsächlichen Kontroversen und Ereignisse im Leben Jesu herauszufinden, wenn wir gegnerische geschichtliche Quellen näher untersuchen. In dieser Hinsicht war es für mich interessant, das Werk des renommierten und angesehenen Gelehrten F. F. Bruce – Jesus and Christian Origins outside the New Testament (London 1974; Hodder and Stoughton; auf Deutsch: Außerbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum [Hrsg. E. Güting]; Gießen, Basel 1992) – zu studieren. In dieser Studie identifiziert und analysiert der Verfasser jüdisch-rabbinische Hinweise auf Jesus im Talmud und in der Mischna. Er notierte insbesondere folgende rabbinische Kommentare über Jesus (folgende Übersetzungen jeweils direkt aus dem englischen Original):

Ulla sagte: Wer hätte geglaubt, dass man sich für ihn (d.h. Jesus) so eifrig um eine Verteidigung bemühen würde? Er war ein Betrüger, und der Allbarmherzige sagt: „Du sollst ihn nicht verschonen, … noch ihn verbergen” [5. Mose 13,9] Bei Jesus war es jedoch anders, denn er stand dem Königtum nahe (nach dem englischen Original, S. 56).

F. F. Bruce macht folgende Bemerkung zu dieser rabbinischen Aussage:

Dies wird so dargestellt, als trachte man danach, ihn zu verteidigen (hier lässt sich ein apologetischer Ton gegen die Christen herauslesen). Warum versuchte man, jemanden, dem ein solches Verbrechen nachgesagt wurde, zu verteidigen? Weil es weiter heißt: „… er stand dem Königtum (d.h. dem Haus Davids) nahe” (ibid., S. 57).

Mit anderen Worten, gegnerische jüdische Rabbiner widersprachen nicht der Behauptung der Evangeliumsverfasser, dass Jesus tatsächlich Teil der königlichen Abstammungslinie Davids war. Obschon sie den allgemeinen Anspruch Jesu, der „Christus” zu sein, nicht akzeptierten und auch den Aussagen der Evangelien entgegenstanden, bestätigten sie dennoch, dass Jesus dem königlichen Geschlecht Davids entstammte. Somit wissen wir, das die Evangelienschreiber es nicht einfach erfunden hatten, um eine „Erfüllung” vorzutäuschen. Die gegnerischen Zeugen stimmen in diesem Punkt mit ihnen überein.

 Wie steht es mit der Jungfrauengeburt?

Vielleicht reagiert so mancher gar nicht einmal so stark gegen den Anspruch, dass Jesus aus dem Geschlecht Davids kam. Denn es besteht ja durchaus die statistische Möglichkeit eines solchen „Zufalls”. Aber „von einer Jungfrau geboren”?! Da gibt es keine „zufällige“ Möglichkeit. Es kann sich dabei nur um ein Missverständnis, eine vorsätzliche Vortäuschung oder ein göttliches Eingreifen handeln – andere Möglichkeiten existieren nicht.

Lukas und Matthäus sagen unzweideutig aus, dass Maria Jesus empfing, als sie noch eine Jungfrau war. Und Matthäus setzt noch einen drauf und behauptet durch ein Zitat, dass dies die Erfüllung einer Prophzeiung Jesajas sei (um 750 v. Chr.), in der es heißt:

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel [d.h. „Gott mit uns”] geben (Jesaja 7,14; zitiert in Matthäus 1,23 als Erfüllung).

Genau an diesem Punkt kommen einem alle möglichen natürlichen Erklärungen in den Sinn. Gräbt man ein bisschen tiefer (wie manche es tun), erfährt man z.B., dass das hebräische Wort (הָעַלְמָ֗ה transkibiert als haalmah), das mit „Jungfrau” übersetz wird, auch mit „Mädchen”, „junge Frau”, „Jungfer”, d.h unverheiratete junge Frau, wiedergegeben werden kann. Sollte es das sein, was Jesaja damals um 750 v. Chr. gemeint hat? Und nur weil auf Seiten des Matthäus und Lukas die Notwendigkeit bestand, sich „fromm” zu geben und Jesus zu ehren, hätten sie eben Jesaja missverstanden und „Jungfrau” geschrieben, obwohl er doch „junge Frau” meinte? Zudem war Maria ja zur Unzeit (aber dennoch für eine Prophezeiung so zweckdienlich) vor der Eheschließung schwanger geworden, so dass sich alles sauber in das Kernstück einer „göttlichen Erfüllung” der Geburtsgeschichte Jesu einbauen ließ.

Viele Personen haben mir die Jahre über diese oder ähnliche Erklärungen weismachen wollen; und einerseits kann ich diese Erklärung nicht widerlegen; – denn Beweise dafür, ob jemand Jungfrau ist oder nicht, lassen sich schwerlich, wenn überhaupt, erbringen. Tatsache ist jedoch, dass diese Geschichte nicht so einfach ist. Die Septuaginta (auch LXX) ist eine jüdische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments ins Griechische, erstellt um 250 v.Chr. – ca. 250 Jahre vor der Geburt Jesu. Wie haben die jüdischen Rabbiner denn nun Jesaja 7,14 aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt? Als „junge Frau” oder als „Jungfrau”? Was mich erstaunt ist, dass Dutzende Personen, mit denen ich über diese Sache gesprochen habe, darüber Bescheid zu wissen schienen, dass das Wort im hebräischen Urtext entweder „junge Frau” oder „Jungfrau” heißen kann; aber kein Einziger von ihnen hat jemals das Zeugnis der Septuaginta zur Sprache gebracht. Schaut man jedoch dort nach, so sieht man, dass es unzweideutig und kategorisch mit παρθένος (transkribiert als parthenos) wiedergegeben wurde, also als „Jungfrau”. Mit anderen Worten, die führenden jüdischen Rabbiner von 250 v.Chr. waren überzeugt, dass die hebräische Jesaja-Prophezeiung „Jungfrau” bedeutete und nicht „junge Frau” – fast 250 Jahre ehe Jesus überhaupt die Weltbühne betrat. Dieser Begriff war nicht von den Evangelienschreibern oder im frühen Christentum erfunden worden; er war vielmehr schon lange vor der Geburt Jesu ein jüdischer Begriff.

Wieso sollte also eine Gruppe jüdischer Gelehrter 250 v. Chr. (und zwar siebzig von ihnen der Überlieferung nach) eine scheinbar so lächerliche und weit hergeholte Weissagung machen, dass eine Jungfrau einen Sohn gebären würde? Wenn jemand meint, sie wären zur damaligen Zeit halt abergläubisch und unwissenschaftlich gewesen, der sollte es sich noch einmal überlegen. Sie wussten genau über Fortpflanzung Bescheid. Sogar Hunderte von Jahren vor der Septuaginta wussten Abraham und Sara bereits, dass man nach einem gewissen Alter in die Wechseljahre kommt und Schwangerschaften unmöglich werden. Nein, die Gelehrten von 250 v.Chr. wussten zwar noch nichts von einem Periodensystem der Elemente oder vom kompletten elektromagnetischen Spektrum; aber sie verstanden sehr wohl, wie Menschen und Tiere sich fortpflanzen. Sie hätten auch gewusst, dass es naturalistisch unmöglich war, eine Jungfrauengeburt vorherzusagen. Aber sie scheuten nicht davor zurück, sie gingen nicht auf Nummer Sicher und gaben das Wort in der Septuaginta mit „junge Frau´ wieder. Nein, sie schrieben es schwarz auf weiß, dass eine Jungfrau einen Sohn haben würde.

Wenden wir uns nun dem Erfüllungsteil in dieser Geschichte zu. Zwar kann man es nicht beweisen, dass Maria eine Jungfrau war; sie war bemerkenswerter Weise in der einzigen und kurzen Lebensphase, in der es zumindest eine offene Frage bleiben musste. Es war ein Zeitalter der Großfamilie. Familien mit zehn Kindern waren keine Seltenheit. Angesichts dieser Gegebenheit fragen wir uns, ob Jesus das älteste Kind einer Familie hätte sein können. Denn wenn er einen älteren Bruder oder eine ältere Schwester gehabt hätte, wüssten wir sofort, dass Maria keine Jungfrau sein konnte. Heutzutage, mit Familien, in denen es ungefähr zwei Kinder gibt, stünden die Chancen fünfzig zu fünfzig. Damals aber wäre das Verhältnis eins zu zehn gewesen. Mit anderen Worten, es bestand eine 90-prozentige Chance, dass eine „Erfüllung” gar nicht in Frage kam, weil Jesus sehr wohl einen oder mehrere ältere Geschwister hätte habne können – aber (entgegen aller Wahrscheinlichkeit) er hatte keine.

Fügen wir nun diesem allen noch die auffällige Verlobungszeit Marias hinzu. Wäre sie auch nur ein paar Tage verheiratet gewesen, könnte man die „Jungfrau-Erfüllung” ebenfalls vergessen. Andererseits, wenn sie noch nicht verlobt und dennoch schwanger gewesen wäre, hätte sie keinen Verlobten gehabt, der sich um sie kümmerte. In der damaligen Kultur hätte sie sich als Schwangere, aber Unverlobte, selbst durchschlagen müssen – falls man sie am Leben gelassen hätte.

Marias Kontext

Ich finde gerade diese Anhäufung von „Zufällen”, die eine Widerlegung der Begründung der Jungrauengeburt unmöglich macht, so außergewöhnlich bemerkenswert. Diese „Zufälligkeiten” sind unerwartet, zeugen aber von einer Ausgewogenheit und zeitlichen Feinstimmung, wie sie nur eine übernatürliche Weisheit planen und vorhersehen kann.

Wenn Maria schon vor der Geburt Jesu verheiratet gewesen wäre, oder wenn Jesus bereits ältere Geschwister gehabt hätte, so hätten die gegnerischen jüdischen Zeugen gewiss darauf hingewiesen. Stattdessen sieht es wohl wieder einmal so aus, als schlössen sie sich in diesem Punkt ganz den Evangelienverfassern an. F. F. Bruce hebt dies in seiner Erläuterung hervor, wie Jesus in den rabbinischen Schriften beschrieben wird:

Jesus wird in der rabbinischen Literatur als Jesus ben Pantera oder Ben Pandira bezeichnet. Das könnte soviel wie „Sohn des Panthers” bedeuten. Die wahrscheinlichste Erklärung ist jedoch eine Verfälschung von „parthenos”, dem griechischen Wort für „Jungfrau”, was sich aus den christlichen Hinweisen auf ihn als Sohn einer Jungfrau ergibt (ibid., S. 57-58).

Heute gibt es, wie zu Zeiten Jesu, genug gegnerische Stimmen gegen Jesus und das Zeugnis des Evangeliums. Damals, wie heute, herrschte geradezu eine bedeutende Feindseligkeit ihm gegenüber. Der Unterschied in den feindseligen Gegenstimmen besteht jedoch darin, dass sie damals auch Zeugen waren und sich als solche nicht gegen etliche grundlegende Aussagen stellten; was ihnen sehr wohl möglich gewesen wäre, wenn diese erdichtet oder irrtümlich gemacht worden wären.

 

6) Die Zeitlose Verheißung an einen Unbeachteten Mann – Diskret aber Unvergänglich

Heute, wo ich diesen Artikel schreibe, ist die Aufmerksamkeit der Welt auf mehrfache sportliche Meisterschaften gerichtet. Die NBA (National Basketball Association) und die NHL (National Hockey League) befinden sich in den letzten Runden ihrer Ausscheidungsspiele. Die Hockey und Basketball Meister werden in Kürze entschieden werden. Und während Nordamerikanische Fans von diesen Schauspielen gefesselt sind, ist die Aufmerksamkeit eines großen Teils der restlichen Welt auf die Cricket World Cup und das Französische Open Grand Slam Tennis Turnier gerichtet. Und dazu kommen auch noch Fußballmeisterschaften und Pokale.

Es ist erstaunlich zu bedenken, dass mit all der Aufmerksamkeit die auf diese Meisterschaften gerichtet ist, dieselben innerhalb von ungefähr sechs Monaten größtenteils in Vergessenheit geraten sein werden. Das wovon die Welt heute Notiz nimmt ist schnell in Vergessenheit geraten, während man zu anderen Vergnügen, Meisterschaften oder politischen Begebenheiten übergeht. Der letzte Schrei von heute ist morgen vergessene Historie.

In unserem vorherigen Artikel haben wir gesehen, dass dieselbe Tendenz auch auf die uralte Zeit Abrahams zutraf. Die wichtigen und spektakulären Wettkämpfe, Errungenschaften und Schauspiele welche die Fantasie von Menschen, die vor 4000 Jahren lebten, ergriffen hatten, sind heute total vergessen. Aber eine feierliche Verheißung, unauffällig an eine einzige Person gegeben und von der damaligen Welt vollkommen übersehen, wächst und entfaltet sich vor unseren Augen. Ich wies auf die offensichtliche aber oft übersehene Tatsache hin, dass die vor 4000 Jahren an Abraham gegebene Verheißung sich wörtlich, geschichtlich, und nachweisbar erfüllt hat. Dies sollte uns zu Erkennen geben, dass diese Verheißung an Abraham zumindest ein Anfangsargument für die Existenz des Gottes der Bibel bietet.

Der Bericht über Abraham fährt fort mit einigen weiteren Begegnungen mit diesem Verheißungsmachenden Gott. Abraham, (und wir die wir seine Reise verfolgen) sehen sogar noch viel mehr – nämlich, wie diese Verheißung sich vom historischen in den Bereich des Ewigen bewegt. Die Geschichte von Abraham ist nicht ein modisches aber schnell in Vergessenheit geratenes Ereignis wie die Sportmeisterschaften der Gegenwart; vielmehr handelt es sich hier um einen unbeachteten Mann der ein Fundament legt für das Verständnis wie man die Ewigkeit erlangen kann, und somit wäre es weise wenn wir davon Notiz nehmen würden.

Abraham’s Beschwerde

Etliche Jahre sind in dem Leben Abrahams verlaufen seit ihm die Verheißung in 1. Mose 12 gegeben worden ist. Abraham ist im Gehorsam der Verheißung gegenüber, nach Kanaan (das Verheißene Land), dem heutigen Israel gezogen. Dann geschahen andere erinnerungswerte Ereignisse – nur nicht das eine dass er erwartete – die Geburt des Sohnes durch den sich die Verheißung erfüllen würde. Mit Abrahams Beschwerde greifen wir den Bericht wieder auf:

Nach diesen Geschichten, begab sich’s, dass zu Abram das Wort des Herrn kam in einer Offenbarung: „Fürchte dich nicht, Abram? Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.“ Abram sprach aber: „Herr, mein Gott, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder, und mein Knecht Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen.“ (1. Moses15:1-3)

Gottes Verheissung

Abraham hatte in dem Land gezeltet und den Anfang der ‚Großen Nation‘, die ihm verheißen worden war, erwartet. Aber nichts war geschehen, und nun war er um die 85 Jahre alt. Er beschwert sich, dass Gott die Verheißung die er ihm gegeben hatte, nicht einhielt. Ihr Gespräch geht so weiter:

Und siehe, der Herr sprach zu ihm: „Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein.“ Und er hieß ihn hinaus gehen und sprach: „Sieh gen Himmel und zähle die Sterne: kannst du sie zählen?“ Und sprach zu ihm: „So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!“ (1. Mose 15:4-5)

Also in diesem Wortwechsel wiederholt Gott praktisch seine ursprüngliche Verheißung indem er verkündet dass er (Abraham) einen Sohn bekommen würde, der eine Nation bilden würde die so unzählbar sein würde wie die Sterne am Himmel – viele, auf jeden Fall, aber schwer zu zählen.

Abrahams Erwiderung: Ewiges Ergebnis

Jetzt war Abraham wieder dran. Wie würde er auf diese Wiederholung der Verheißung reagieren? Was folgt ist ein Satz den die Bibel selbst als einen der wichtigsten Sätze der Bibel behandelt (da dieser Satz später mehrfach zitiert wird). Er legt das Fundament für das Verständnis des Evangeliums und offenbart den Weg zum Ewigen. Es heißt:

Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. (1. Mose 15:6)

Es ist wahrscheinlich leichter diesen Satz zu entpacken, wenn wir die Fürwörter mit Namen ersetzen. Dann würde es so lauten:

Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete Gott Abram zur Gerechtigkeit. (1. Mose 15:6)

Es ist nur ein kleiner und unscheinbarer Satz. Weil er ohne die Fanfare einer Meisterschaft auf und wieder abtritt, kann man ihn leicht übersehen. Aber er ist wirklich wichtig – und enthält den Samen des Ewigen. Warum? Weil in diesem kleinen Satz Abraham Gerechtigkeit erhält. Dies ist die einzig und alleinige Eigenschaft die wir benötigen um als gerecht vor Gott zu erscheinen.

Rueckschau auf unser Problem: Verdorbenheit

Obwohl wir im Bildnis Gottes geschaffen worden sind, ist von Gottes Standpunkt aus gesehen etwas geschehen dass dieses Bild verdorben hat. Das biblische Urteil ist jetzt dieses:

„Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Psalm 14:2-3)

Die Bilder die mir geholfen haben dies besser zu verstehen, sind die Korruption der Elfen zu Orken in der ‚Lord of the Rings‘ Geschichte, sowie der von der Bibel benötigte Vergleich eines Fehltreffers. Als Endergebnis von all diesem finden wir uns getrennt von einem gerechten Gott, weil wir keine Gerechtigkeit haben. Unsere Verdorbenheit hat uns ergriffen und in eine von Gott unabhängige ‚Brave New World‘ versetzt, mit einer Neigung zum Nichttun des Guten, mit Sinnlosigkeit und Tod in ihrem Gefolge. Falls Sie dies bezweifeln sollten, schauen Sie nur auf die Nachrichten und das was Menschen in den letzten 24 Stunden geleistet haben.

In der Tatsache hat unsere Verdorbenheit uns bei Gott abstoßend gemacht in derselben Weise, wie wir den Körper einer verwesenden Ratte als abstoßend empfinden würden. Wir würden uns einem solchen Ding nicht nähern wollen. Der Anblick und Gestank würde uns zwingen uns fernzuhalten. Wir stehen getrennt von dem Schöpfer des Lebens, und somit bewahrheiten sich die Worte Jesajas –

Aber nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter, und unsere Sünden Tragen uns davon wie der Wind. (Jesaja 64:5)

 Abraham und Gerechtigkeit

Aber hier, eingeschoben in die Unterhaltung zwischen Abraham und Gott, finden wir die Aussage, dass Abraham Gerechtigkeit erlangt hat – und zwar die Art die Gott annimmt. Was hat Abraham nun ‚getan‘ um diese Gerechtigkeit zu erwerben? Wiederum so unscheinbar, dass wir dies Sache fast verpassen könnten, heißt es über Abraham, dass er ‚glaubte‘. Das ist alles?! Wir haben dieses unüberwindbare Hindernis unseres verdorbenen Wesen eines ‚Orken‘, und somit ist die natürliche, ja, ich wage es kaum zu sagen, universelle Tendenz der Menschheit durch die Jahrhunderte, nach kultivierten und komplizierten Religionen, Bemühungen, Ethik, asketischen Disziplinen, Lehren usw., zu suchen, – um Gerechtigkeit zu erwerben. Aber dieser Mensch, Abraham, erwarb diese hochgeschätzte Gerechtigkeit einfach durch ‚glauben‘.

Aber was bedeutet das? Und was hat das mit Ihrer und meiner Gerechtigkeit zu tun? Alles! Wir werden das in unserem nächsten Artikel aufgreifen.

5) Das uralte Versprechen, das noch immer einen Widerhall in der Welt verursacht

Diese Woche ist etwas geschehen, das nicht gerade zu den wichtigsten Schlagzeilen in der internationalen Presse zählen würde. Nur ein paar Schlagzeilen von oben hat der Nachrichtendienst berichtet, daß der Israelische Premier eine Holocaust-Ausstellung in Auschwitz eröffnet hat. Nationale Wahlen, riesige Funde von Naturgas, bevorstehender Krieg mit Iran, Raketenangriffe auf Syrien, ein heiß/kalter Friedensprozess mit Palestina und nun die Holocaustausstellung – diese sind nur einige der Schlagzeilen dieses Jahres, in denen Israel eine Rolle spielt. Es scheint, daß dauernd etwas passiert, wobei Israel in den Nachrichten erwähnt wird.

Die Tatsache, daß Ereignisse in dem modernen Israel einen Widerhall in der ganzen Welt verursachen, sollte eine Frage bei interessierten Menschen aufkommen lassen, nämlich: wie ist es zu diesem eigenartigen Zustand gekommen? Um das zu verstehen, müssen wir die ersten Seiten des 1. Buches Mose in der Bibel aufschlagen. Dort wird berichtet, daß vor etwa 4000 Jahren ein einsamer und unwichtiger Mensch eine nie-endende Zeltreise antrat; heute ist sein Name weltbekannt. Das allein ist bemerkenswert und im Zusammenhang mit dieser Geschiche mehr als nur als den historischen Wert zu erkennen. In diesem Buch wird erwähnt, daß der Ablauf dieser Geschiche unser ewiges Schicksal beeinflussen wird. Selbst wenn das nur eine geringe Möglichkeit von Wahrheit hat, dann sollten wir das sorgfältig untersuchen.

Dieser uralte Mann ist Abraham (auch Abram genannt). Der Bericht ist so alt, daß es kaum ein Zeugnis gibt, das das Geschehen bestätigt oder abweist. Aber einiges ist vorhanden. Die 17000 Ebla Tafeln, die 1975/6 in Nord Syrien gefunden wurden, sind etwa 4200 Jahre alt. Auf diesen Tafeln wird Sodom, Gomorrah, Admah, Zeboim und Zoar als die Städte auf einer Ebene genannt. Das sind dieselben Namen und Beschreibungen, die im 1. Buch Mose 13,2 und 1. Buch Mose 14,2 genannt wurden, Stellen, an denen Abraham gezeltet hat. So haben wir nun einigen Hinweis, daß der Bericht ernst genommen werden muß.

Die Versprechen an Abraham

Der biblische Bericht über Abraham fängt damit an, daß Gott Abraham folgende Versprechen macht.

„Ich will dich zum großen Volk machen, ich will dich segnen Ich will dir einen großen Namen machen. Du sollst ein Segen sein! Ich will segnen, die dich segnen; und will verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ 1. Mose 12, 2-3

….erfüllte, daß Abrahams Name groß wurde

Viele von uns fragen sich heute ob es einen Gott gibt und zweifeln daran, daß er sich wirklich geoffenbart hat wie es in der Bibel berichtet wird. Hier haben wir vor uns das Versprechen, von dem Teile davon bestätigt sind. Dieser Bericht zeichnet genau Gottes Versprechen an Abraham auf: Ich will dir einen großen Namen machen. Wir leben im 21 Jahrhundert, und der Name Abraham/Abram ist einer der meist erkannten Namen in der Geschichte. Dieses Versprechen hat sich buchstäblich und historisch bestätigt. Die früheste Kopie von dem Buch Mose ist von den Schriftrollen vom Toten Meer, die 200 – 100 v.Chr. datiert sind. Das heißt, daß dieses Versprechen seit dem in der Schrift festgehalten worden ist. Damals war weder die Person noch der Name Abraham bekannt, nur wenige Juden, die der Torah folgten, kannten ihn. Nun sehen wir, daß die Erfüllung dieses Versprechens erst nach der Schrift erfolgte, nicht vorher. Das ist nicht ein Fall der Erfüllung nach dem Geschehen.

 …..zum großen Volk

Nicht weniger erstaunlich ist, daß Abraham wirklich nichts besonderes in seinem Leben vollbrachte, um seinem Namen groß zu machen. Er hat nichts besonderes geschrieben (wie Homers ‚Iliad/Odyssee“ oder Hammurabis Gesetz), er hat kein Königreich regiert (wie die Pharaohs von Ägypten), er hat keine großen Feldzüge gemacht (wie Hannibal oder Alexander, der Große), noch hat er irgendetwas erfunden. Er hat wirklich nichts gemacht, außer in Zelten zu wohnen und neue Stämme zu zeugen. Wenn Sie Spaß am Wetten hätten, dann würden Sie Ihr Geld auf die Namen von vielen Königen, Generälen, Krieger oder auch Hofdichter setzen, die damals schon ihre großen Namen hatten. Aber ihre Namen sind längst vergessen, während der Name eines Mannes, der es gerade geschafft hat, in der Wildnis einige Söhne zu haben, in aller Welt bekannt ist. Sein Name ist nur deshalb groß, weil die Stämme, die er gezeugt hat, von ihm berichtet haben; und so wurden Einige und Nationen groß, die von ihm abstammten. Genau so wurde das Versprechen gemacht in Mose 12 (ich will dich zum großen Volk machen… ich will dir einen großen Namen machen). Mir fällt kein anderer Name in der Geschichte ein, der so berühmt für seine Nachkommen ist, statt durch irgendwelche Errungenschaft.

 Der Wille Eines, der Versprechen macht

Die Volksgruppe, die von Abraham stammt – die Juden-, war eigentlich nie eine Nation, die man meistens mit Größe bezeichnet. Juden haben keine großen Gebäude gebaut wie die Pyramiden der Ägypter, sie schrieben kaum über Philosophie wie die Griechen, noch haben sie regiert wie die Römer. Das waren alles Weltmächte, die durch militärische Feldzüge ihre Grenzen erweiterten. Die Größe der Juden besteht hauptsächlich darin, daß einige bemerkenswerte Menschen aus ihrer Nation das Gesetz und das Buch geschrieben haben, Über Tausende von Jahren sind sie eine besondere Volksgruppe geblieben. Ihre Größe hat nichts mit besonderen Errungenschaften zu tun, sondern mit dem, was an ihnen und durch sie geschah. Nun wollen wir den Grund untersuchen, auf dem das Versprechen steht.  Da steht – schwarz auf weiß – wiederholt: „ich will..“ Die einmalige Größe dieses Volkes wird wieder durch das Versprechen Gottes bestätigt. Sie ist nicht durch irgendein angeborenes Talent, einen Sieg oder eine besondere Macht dieser Nation geschehen. Das allgemeine Interesse an dem täglichen Geschehen in Israel beweist auch die Wichtigkeit dieses Volkes. Wir hören kaum regelmäßige Nachrichten aus Ungarn, Norwegen, Papua Neuguinea, Bolivien oder die Mittelafrikanische Republik, – alles Länder, die ziemlich die gleiche geographische Landfläche wie Israel haben.

Es ist nichts in der Geschichte, das dieser Proklamation gleichkommt. Das alte Versprechen, genau so wie es diesem alten Mann verkündet wurde, hat sich buchstäblich erfüllt. Er traute diesem Versprechen. Wie leicht könnte dieses Versprechen fehlschlagen? Statt dessen hat es sich entwickelt und entsickelt sich noch immer so wie es vor Tausendeen von Jahren prophezeit wurde. Tatsächlich läßt sich nichts dagegen einwenden, daß dieses nur durch die Kraft und Authorität des Einen ist, der das Versprechen gemacht hat.

 Der Trek, mit dem die Welt noch immer zu tun hat

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Diese Karte zeigt den Weg an, den Abraham gereist ist. Die Bibel berichtet, „da brach Abraham auf, wie der Herr ihm geboten hatte“ (1. Mose 12, 4). Er fing seine Reise an wie sie auf der Karte angezeichnet ist. Noch heute ist dieses Land im Vordergrund des täglichen Geschehens.

Der Segen für uns

Das ist aber nicht das Ende. Es liegt noch mehr in dem Versprechen. Der Segen war nicht nur für Abraham, denn es heißt “ in dir sollen gesegnet werdenalle Geschlechter auf Erden“ (1. Mose 12, 3), das heißt: durch Abraham. Hier sollten wir aufmerken! Sie und ich sind ein Teil der „alle Geschlechter auf Erden“, ganz gleich welcher Religion, Herkunft, Wohnort, Stellung in der Gesellschaft haben oder welche Sprache wir sprechen. Der Bereich des Versprechens von einem Segen schließt alle ein, die heute leben. Wie? Wann? Welche Art von Sgen? Das ist nicht ganz klar, aber das ist der Anfang von etwas, das uns alle angeht. Da wir nun wissen, daß die ersten Teile der Verheißung sich erfüllt haben, können wir mit Gewißheit annehmen, daß auch der letzte Teil in Erfüllung gehen wird. Wir brauchen nur den Schlüssel, um diese Verheißung zu erschließen. Wir werden den Schlüssel finden, wenn wir der Reise Abrahms weiter folgen werden. Den Schlüssel zur „Gerechtigkeit“, den so viele in der Welt suchen, finden wir in dem nächsten Artikel, der den weiteren Weg dieses bemerkenswerten Mannes beschreibt.

* Alle genannten Bibelstellen sind nach der Übersetzung von Martin Luther zitiert.

Die Bezeichnung „Christus” in „Jesus Christus”

Manchmal frage ich die Leute, wie Jesus ihrer Meinung nach mit Nachnamen hieß. Für gewöhnlich lautet die Antwort ungefähr so: „Ich denke, sein Nachname war ‚Christus’, bin mir aber nicht sicher.” Dann frage ich: „Demnach haben also Joseph Christus sowie Maria Christus den kleinen Jesus Christus z.B. zum Einkaufen auf dem Markt mitgenommen?” Bei dieser Frage wird den meisten jedoch klar, dass „Christus” nicht der Nachname Jesu sein kann. Also was bedeutet dann die Bezeichnung „Christus” (oder „Christi”)? Woher kommt sie? Das möchte ich in diesem Artikel untersuchen.

Übersetzung oder Transliteration bzw. Transkription?

An erster Stelle ist es notwendig, einige grundsätzliche Dinge beim Übersetzen zu berücksichtigen. Übersetzer versuchen, die beste Bedeutung der Wörter zu erlangen. Daher reicht eine wortwörtliche Übersetzung oft nicht aus. So gebrauchen Übersetzer manchmal die Methode der Transliteration (die schriftbasierte, buchstabengetreue, bei Bedarf wieder umkehrbare Umsetzung eines Wortes aus einer Schrift in eine andere) oder der Transkription (die aussprachebasierte Darstellung von Sprache mit Hilfe eines anderen Basisalphabets als Lautschriftersatz), besonders bei Namen oder Titeln. So ist z.B. der deutsche Name Peter eine Wiedergabe des griechischen Namens Πέτρος (Petros) und bedeutet Fels(block). Der Name basiert also auf der (ähnlichen) Aussprache und nicht auf der Bedeutung. Im Französischen hingegen lautet der Name Pierre und bedeutet Stein oder Gestein (Fels), ist also mehr eine Übersetzung (ähnliche Bedeutung) aus dem Griechischen als eine Transliteration (ähnliche Aussprache). In Bezug auf die Bibel mussten die Übersetzer sich bei verschiedenen Wörtern (besonders bei Namen und Titeln) entweder für eine Übersetzung (gemäß der Bedeutung) oder eine Transliteration bzw. Transkription (gemäß der Aussprache) entscheiden. Dabei gab es keine spezifischen Regeln; manchmal ist eine Übersetzung besser, manchmal eine Transliteration (buchstabengetreu) oder Transkription (aussprachegetreu).

Die Septuaginta

Übertragen wir nun diese Grundsätze auf die Geschichte der Bibelübersetzungen. Die erste Bibelübersetzung betraf das Alte Testament, als es um 250 v. Chr. ins Griechische übersetzt wurde. Diese Übersetzung ist als Septuaginta (oder LXX) bekannt und war für die westliche Welt von enormem Einfluss. Dabei ist es überaus wichtig zu beachten – da ja das Neue Testament auf Griechisch geschrieben wurde – dass die neutestamentlichen Verfasser sich bei ihren häufigen Zitaten aus dem Alten Testament der Septuaginta bedienten und nicht so sehr des hebräischen Alten Testaments.

Übersetzung und Transliteration bzw. Transkription in der Septuaginta

Das nachstehende Schaubild verdeutlicht in den verschiedenen Unterteilungen, wie sich dies alles auf moderne Bibelübersetzungen auswirkte.

 Dies zeigt die Übersetzung Flow aus der Original heutigen von hebraische - griechisch - deutschBibel

Dies zeigt die Übersetzung Flow aus der Original heutigen Bibel

In Unterteilung 1 steht das hebräische Alte Testamen, das heute im Masoretischen Text und den Rollen vom Toten Meer vorliegt. Das griechische Neue Testament steht in Unterteilung 2. Weil jedoch die Septuaginta eine hebräisch  griechische Übersetzung ist, wird dies als Pfeil von Unterteilung 1 nach 2 angezeigt, sodass Unterteilung 2 sowohl das Alte wie das Neue Testament zum Inhalt hat. In der unteren Hälfte (Unterteilung 3) haben wir moderne Sprachen, wie z.B. Deutsch, in die die Bibel übersetzt wurde. Die Übersetzer mussten sich, wie bereits gesagt, entscheiden, ob es besser sei, die Wörter durch Übersetzung oder durch Transliteration bzw. Transkription in die Empfängersprache zu übersetzen. Die jeweilige Methode wird mit den grünen Pfeilen einerseits durch „Übersetzung” und andererseits durch „Transliteration” und „Transkription” angezeigt. Insgesamt verdeutlicht das Schaubild den Verlauf der Bibelübersetzungen aus dem Hebräischen und Griechischen in heutige moderne Sprachen.

Der Ursprung von „Christus”

Im nächsten Schaubild verfolge ich wiederum den Übersetzungsverlauf wie zuvor, diesmal aber in Bezug auf die Bezeichnung „Christus”, wie sie in unserem heutigen deutschen Neuen Testament erscheint.

gesalbte=messias=christus=christi von bibel Übersetzung

Woher kommt „Christus“ (oder „Christi“) von in der Bibel kommen?

Wir sehen also, dass im ursprünglichen hebräischen Alten Testament der Begriff Mashíach steht, der im hebräischen Lexikon mit „Gesalbter” (Person) definiert wird. Hebräische Priester und Könige des Alten Testaments wurden gesalbt (zeremoniell mit Öl eingerieben), ehe sie ihr Amt übernahmen; und somit galt die jeweilige Person als Gesalbter oder Mashíach. Gewisse alttestmentliche Prophezeiungen sprechen aber auch von einem spezifischen Mashíach (mit dem bestimmten Artikel „der”), der noch kommen sollte. Als die Septuaginta um 250 v.Chr. entstand, wählten die Übersetzer ein griechisches Wort mit ähnlicher Bedeutung: Χριστός (ausgesprochen Christos) vom Stammverb chrio, das soviel wie „zeremoniell mit Öl einreiben” bedeutet. Daher wurde das Wort Christos vom ursprünglichen hebräischen Mashíach in die griechische Septuaginta übernommen – d.h. gemäß seiner Bedeutung übersetzt (und nicht der Aussprache nach transliteriert) – und bezog sich auf diese spezifische Person. Die Verfasser des Neuen Testaments wussten, dass es sich bei dieser in der Septuaginta erwähnten Person eben um Jesus handelte und so benutzten sie in ihren Schriften weiterhin das Wort Christos, welches Jesus als diesen Mashíach bezeichnet.

Als die Bibel ins Deutsche übersetzt wurde, fand sich jedoch kein greifbares Wort mit ähnlicher Bedeutung, und so wurde Christos einfach über das latinisierte Christus ins Deutsche übernommen (transliteriert). Somit ist das deutsche Wort „Christus” ein ganz spezifischer Titel mit alttestmentlichen Wurzeln, übernommen aus der griechischen Übersetzung Christos über das lateinisierte Christus. Das hebräische Alte Testament wurde direkt ins Deutsche übersetzt, wobei weitere Übersetzer das ursprünglich hebräische Mashíach unterschiedlich in anderen Sprachen wiedergeben. Darum hat Schlachter in der Schlachter-2000-Übersetzung Mashíach gemäß der Bedeutung als „Gesalbten”, nennt aber in den Fußnoten alternative Übersetzungen als „Messias” oder „Christus”. Weil wir im deutschen Alten Testament nirgendwo das Wort „Christus” finden, ist vielen diese Verbindung zum Alten Testament unbekannt. Aus unserer Analyse erkennen wir jedoch Folgendes: der biblische „Christus” = „der Messias” = „der Gesalbte”; und dass es sich dabei um spezifische Titel handelt. Die ursprünglichen griechischen Leser des Neuen Testaments konnten natürlich das Wort Christos von der Septuaginta her sehen und damit auch die direkte Verbindung erkennen; während wir das Ganze erst einmal nachforschen müssen, um uns dies zu verdeutlichen.

Der Christus – erwartet im 1. Jahrhundert n.Chr.

Gewappnet mit diesem Einblick können wir einige Beobachtungen aus den Evangeliumsberichten anstellen. Nachstehend folgt die Reaktion des Königs Herodes, als die Weisen aus dem Osten nach dem König der Juden suchten – eine gut bekannte Episode aus der Weihnachtsgeschichte. Beachten Sie: „der” ist „Christus” vorangestellt, obschon hier nicht spezifisch auf Jesus hingewiesen wird.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm. Und er rief alle obersten Priester und Schriftgelehrten des Volkes zusammen und erfragte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte” (Matthäus 2,3-4; Schlachter 2000).

Hier sehen wir, dass „der Christus” bei Herodes und seinen religiösen Ratgebern bereits ein allgemein akzeptierter Begriff war – sogar schon vor der Geburt Jesu – und der Begriff wird hier ohne spezifischen Bezug auf Jesus verwendet. Und das deshalb, weil „Christus” aus dem Alten Testament stammt, das im 1. Jahrhundert allgemein von den Juden (wie auch Herodes und den Oberpriestern seiner Zeit) in der griechischen Septuaginta-Übersetzung gelesen wurde. „Christus” war (und ist immer noch) ein Titel und kein Name. Somit dürfen wir ohne Weiteres die lächerliche Vorstellung (popularisiert in Filmen wie The Da Vinci Code – Sakrileg), dass „Christus” eine Erfindung der Christen oder eines Menschen wie Kaiser Konstantin (um 300 v.Chr.) gewesen sei, von der Hand weisen. Der Begriff existierte bereits hunderte von Jahren, ehe es überhaupt Christen gab, geschweige denn Konstantin an die Macht gelangte.

„Der Christus” – alttestamentliche Prophezeiungen

Faktisch wird der Begriff schon in den Psalmen verwendet, als deren Verfasser David gilt (um 1000 v.Chr.) – lange Zeit vor der Geburt Jesu. Betrachten wir einmal diese ersten Erscheinungen:

„Die Könige der Erde lehnen sich auf… gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten… Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Dann wird er zu ihnen reden…: »Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!« — Ich will den Ratschluß des Herrn verkünden; er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt… Wohl allen, die sich bergen bei ihm!” (Psalm 2,2-7.12)

Die griechische Septuaginta war im ersten Jahrhundert viel weiter verbreitet als das hebräische Alte Testament (sowohl unter Juden wie Nichtjuden). Psalm 2 in der Septuaginta las sich folgenderweise (ich gebe im Deutschen den Messiastitel, transliteriert vom griechischen Christos, als „Christus” wieder, damit der Christus-Titel wie für die Leser der Septuaginta ersichtlich ist): „Die Könige der Erde lehnen sich auf… gegen den Herrn und gegen seinen Christus… Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Dann wird er zu ihnen reden…” (Psalm 2).

Nun „sehen” wir Christus in dieser Bibelstelle wie die Leser des ersten Jahrhunderts. Aber die Psalmen enthalten noch weitere Hinweise auf diesen kommenden Christus. Nachstehend setze ich die Transliteration mit „Christus” an die Seite der Schlachter-2000-Bibelstelle, damit es direkt „sichtbar” wird:

Psalm 132- aus dem Hebräischen (Schlachter) Psalm 132 – aus der Septuaginta
„… o Herr, …10 Um Davids, deines Knechtes, willen weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab! 11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen! …17 Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Gesalbten. 18 Seine Feinde will ich mit Schande bekleiden; aber auf ihm soll seine Krone glänzen!«” „… o Herr, …10 Um Davids, deines Knechtes, willen weise das Angesicht deines Christus nicht ab! 11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen! …17 Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Christus. 18 Seine Feinde will ich mit Schande bekleiden; aber auf ihm soll seine Krone glänzen!«”

Wie wir sehen, spricht Psalm 132 spezifisch in der Zukunftsform („Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen…”), wie an so vielen Stellen im Alten Testament. Es ist wichtig, dies bei der Betrachtung der Prophezeiungen im Auge zu behalten. Es ist ja nicht so, als hätten die Verfasser des Neuen Testaments einfach ein paar Ideen aus dem Alten Testament herausgerissen, um sie “anzupassen”. Vielmehr sind die Worte so deutlich, wie Worte es nur sein können, dass das Alte Testament – auch ganz und gar ohne Bezug auf das Neue Testament – die Zukunft betreffende Aussagen und Weissagungen geltend macht. Herodes jedenfalls war sich bewusst, dass die alttestamentlichen Propheten einen kommenden „Christus” vorhersagten; daher brauchte er nur noch die spezifischen Angaben seiner Ratgeber. Bekanntlich haben die Juden ja schon immer ihren Messias (oder Christus) erwartet. Dieser Umstand, dass sie sehnlichst auf das Kommen ihres Messias warten, hat erst einmal nichts mit Jesus und dem Neuen Testament zu tun (da sie ja Beides ignorieren), sondern vielmehr mit den ausdrücklichen zukunftsorientierten Voraussagen und Prophezeiungen im Alten Testament.

Die alttestamentlichen Prophezeiungen: präzise wie ein Schlüssel-Schloss-System

Die Tatsache, dass die alttestmentlichen Schriften sich ausdrücklich (vorhersagend) auf die Zukunft beziehen, stellt sie in einen sehr kleinen Kreis inmitten des großen Literaturmeeres in der gesamten Menschheitsgeschichte. Es ist wie bei einem Türschloss. Ein Schloss ist ja so konstruiert, dass nur eine spezifische Form des „Schlüssels” zu der spezifischen Form des Schlosses passt, damit man es aufschließen kann. In der gleichen Weise ist das Alte Testament wie ein Schloss. Wie wir gesehen haben, stehen die präzisen Angaben ja nicht nur in den beiden hier zitierten Psalmen, sondern auch im Zusammenhang mit Abrahams Opfer, den Anfängen Adams und dem Passahfest Moses (bitte meine entsprechenden Artikel nachlesen, falls sie Ihnen noch nicht bekannt sein sollten). Psalm 132 fügt die spezifische Angabe hinzu, dass „der Christus” dem Geschlecht Davids entstammen wird. Das „Schloss” enthält demnach spezifische Konstruktionen, die sichtlich bei der Untersuchung der prophetischen Angaben im gesamten Alten Testament präziser werden. Ich werde mich noch weiter mit diesen „Schlüssel-Schloss-Angaben” beschäftigen. An dieser Stelle möchte ich jedoch eine andere Frage stellen: Ist Jesus der passende „Schlüssel”, der dieses „Steckschloss” der Prophezeiungen aufschließt? Ich darf nur hoffen, dass Sie durch diese Untersuchungen besser in der Lage sein werden, das Evangelium für sich in Betracht zu ziehen.