Jesus oder der Weihnachtsmann – Wer ergibt die bessere Weihnachtsgeschichte?

Weihnachten (mancherorts auch Christfest genannt) pflegte traditionell von der Geburt Jesu zu handeln. Die Evangeliumsberichte von der Jungfrauengeburt, von Engeln, die den Hirten erschienen, und von den Weisen, die weither gereist kamen, um das Baby Jesus in einer Krippe zu sehen, ergaben für unsere Urgroßeltern eine überzeugende Geschichte. Ihre Generation fügte dann noch weitere Symbole hinzu, wie Weihnachtskrippen, -bäume, -lichter, -musik und Krippenspiele, um der Weihnachtsfeier ein festliches Fundament zu geben – und das führte schließlich zu dem größten Riesenrummel aller Festlichkeiten, wie wir ihn heutzutage vorfinden.

Seither aber, und zwar vielleicht wegen der zunehmenden Verweltlichung und den damit einhergehenden Zweifeln an der Weihnachtsgeschichte (“Ach, komm!… eine Jungfrauengeburt – wirklich?”), hat sich die Kultur geändert und die Geschichte in ein Märchen vom Weihnachtsmann und  seiner Gabenmission an Buben und Mädchen verwandelt, denen es gelungen ist, nicht in die Liste der bösen Kinder eingetragen zu werden. Für Kinder ist das ja eine großartige Geschichte; und man kann sie letztendlich ohne Weiteres weglassen, da man sie ohnehin nicht für wahr gehalten hat – eben nur für ein schönes Hirngespinnst. Zudem scheint es ja eine bessere Geschichte in unserer moderen Welt zu sein, die uns von der harschen Wirklichkeit des Lebens ablenkt und es uns gestattet, mit unseren Kindern Spaß zu haben. Also herrscht der Weihnachtsmann im Radio oder Fernsehen vor, und “Frohe Feiertage!” oder “Frohes Fest!” klingt allemal unverfänglicher als “Fröhliche Weihnachten!” oder gar “Frohes Christfest!” Da kann man ja nicht falsch liegen in einer Welt voller Zweifel, in der man Angst haben muss, jemanden mit “politischer Unkorrektheit” zu beleidigen. So ist man froh, eine Jahreszeit zu haben, in der man so tun kann als ob.

Gute Geschichten haben mir schon immer gefallen. Ob Mythos (wie Der Herr der Ringe), Science-Fiction (wie Star Wars), oder historisch (wie Braveheart), eine Geschichte mit schier unüberwindlicher Herausforderung oder Bedrohung, ein echter Held, und eine Handlung, in welcher der Held den Bösewicht bezwingt, aber auf erstaunliche Weise, das habe ich gern. Durch ein Drama von großem Ausmaß haben gute Geschichten mich schon immer fasziniert.

Erst als ich mir nochmals die biblische Weihnachtsgeschichte angeschaut hatte, einschließlich der Zeit vor den Evangeliumsberichten über die Geburt Jesu, ging mir auf, dass diese auch eine großartige Geschichte war, mit einer Handlung und Tiefe, die sie mit allen Klassikern aufnehmen kann. Selbst wenn man sie als bloße Erzählung betrachtet, übertriifft die biblische Weihnachtsgeschichte das Ersatzmärchen vom Weihnachtsmann in jedweder Hinischt. Aber um das zu erkennen, muss man die biblische Weihnachtsgeschichte schon begreifen, wie sie gedacht war: nämlich als ein Kapitel aus einem langen Epos, das das Weltall und die gesamt Menschheit umfasst.

Die biblische Weihnachtsgeschichte vom Anfang an

Diese Weihnachtsgeschicht fäng eigentlich mit einem Schöpfer an. Er erschafft alles, was existiert, einschließlich eines Wesens von großer Macht, Intelligenz und Schönheit, das der Schöpfer Morgenstern (hebr. Sohn der Morgenröte) oder auch Luzifer (Lichtträger) nannte. Luzifer tritt als der Widersacher des Schöpfers auf – und so entstand ein Machtkampf, der das Weltall umfasst. Zudem hat der Schöpfer die Menschheit in Seinem Ebenbild erschaffen, so dass wir Menschen emotional und intellektuell veranlagt sind und die Kraft haben, Entscheidungen zu treffen. Dem Widersacher gelingt in der Kopf-an-Kopf Rivalität ein erster Erfolg – und er setzt damit eine Ereigniskette in Bewegung, die in der Verderbtheit der Menschen resultiert, so dass sie emotional, geistig und willensmäßig nicht länger so funktionieren, wie sie es ursprünglich taten. So wie ein Komputervirus verheerenden Schaden in unserem Komputer anrichten kann, treibt nunmehr ein Virus sein Unwesen in der Menschheit, und so kommt es zur Sünde – einem Verfehlen des Ziels, das zu all dem Unheil führte, welches wir heute in der Welt vorfinden.

Was würde der Schüpfer nun tun? Seine unendliche Macht einsetzen und die Menschen vernichten oder den Widersacher gefangen setzen? Hier nimmt die Handlung eine überraschende Wendung. Anstatt wie ein kosmischer Supermann mit Gewalt und Macht zu reagieren, gibt der Schöpfer eine Verheißung in der Form eines Rätsels. Das Rätsel des Schöpfers spricht geheimnisvoll von „der Frau“ und „ihrem Samen“, der als „er“ beschrieben wird. Dieser „er“ sollte dem Widersacher „den Kopf zertreten“. Das war auch schon alles! Wer dieser „er“ sein sollte oder die „Frau“, und wie genau sich alles zutragen sollte – und wann, wurde nicht klar erwähnt. Der Widersacher musste sich nun den nächsten Schachzug überlegen, und die ersten Menschen mussten sich wohl wundern, wie – und ob überhaupt – das Rätsel sich lösen würde.

Die weitere Entwicklung der Geschichte – durch einen Mann und ein Volk

Das Drama spitzt sich zu, als Jahrhunderte später ein weiteres Rätsel hinzu kommt; diesmal an einen Reisenden. Dieses Rätsel war einzigartig in seiner Verheißung eines Segens für „alle Völker“. Wie beim Weihnachtsmann an Heiligabend sollte  diese Verheißung allen Völkern auf Erden zukommen – zu denen eben auch Sie und ich gehören. Danach, anders als eine Wortverkündigung, wurde auf einem abgelegenen Bergesgipfel ein merkwürdiges Drama aufgeführt. Einer Aufführung gleich, war dies Drama ein Vorausblick auf etwas, das sich erst in der „Zukunft“ auf diesem entlegenen Berg zutragen sollte. Das Was, Wann, Wie und mit Wem wurde jedoch auch hier nicht direkt gesagt. Diese Einzelheiten blieben weiterhin ein Geheimnis. Ungefähr 400 Jahre später geschah ein gleichermaßen merkwürdiges Drama mit einem Nachkommen desselben Mannes, diesmal in einem anderen Land, das einen Kalender einführte, der heute noch gilt und in seinem Jahreslauf bedeutungsträchtige Markierungen enthält.

Ein Königshaus erweitert die Geschichte

Nach weiteren 500 Jahren beginnt ein neues Kapitel in diesem Epos. Ein gewisser Titel – dem das heutige Wort Christfest zugrunde liegt – bezog sich auf ein königliches Herrscherhaus. Obschon der Titel sich auf Generationen erstreckt, wie  bei der jetzigen britischen Monarchie, betrifft er bei diesem Herrscherhaus doch nur eine zukünftige spezifische Person von weltweiter Bedeutung.

Diese königliche Dynastie, obwohl sie so verheißungsvoll begann, wurde leider  zerstört. Wie ein Baum, der von seinen Wurzeln abgeschlagen wird, wurde dieses Herrscherhaus zerschmettert, so dass lediglich ein Stumpf übrig blieb. Nun, dieser Stumpf war jedoch nicht ganz tot. In der Tat gab es ein weiteres Rätsel, das die Verheißung von einem Spross enthielt, der eines Tages diesem scheinbar toten Stumpf entspringen sollte.

Hinweise auf die einzigartige Person, um die es in der Weihnacht (oder im Christfest) geht

Mit der Ausschaltung des Königshauses begann der Strom der Verheißungen, die alle geichermaßen geheimnisvoll waren, noch rascher zu fließen, und zwar durch mehrere Personen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, Ländern und Kulturen. Es kam zu Zeitangaben über das Aufkeimen des Sprosses, und sogar ein Name wurde angekündigt, wenn auch bildhaft verschleiert. Was jedoch nicht verborgen wurde, war ein besonderes „Zeichen“, das den Sproß begleiten sollte. Dies kristallklare Zeichen lautete:

„Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.“ (Jesaja 7,14; ca. 750 v.Chr)

Obgleich diese Verheißung zwar klar und unmissverständlich zu sein schien (und scheinbar unerfüllbar), war die Notwendigkeit eines solchen Zeichens doch nicht klar. Warum sollte es nötig sein, einen menschlichen Vater auszuschalten? War der Schöpfer etwa gegen Sex? In der Erläuterung über die Auswirkung dieser Geburt wies das Rätsel zurück auf das Sündenvirus, das die gesamte Menschheit verseucht hatte. Die Gattung Mensch brauchte einen Neustart, um dieses Virus auszumerzen.

Aber das vertiefte das Geheimnis nur noch. Denn gleich nach Ankündigung der Jungfrauengeburt fuhr der Seher mit weiteren merkwürdigen Voraussagen in Bezug auf das Erscheinen des Sohnes fort:

23„… so wird er in der letzten Zeit den Weg am See zu Ehren bringen, jenseits des Jordan, das Gebiet (wörtl. Galiläa) der Heiden—

1Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen…

5Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.“ (Jesaja 8,23 und 9,1+5; Schlachter 2000)

Wie sollte das möglich sein, dass dieser „Sohn“ mit den Namen und dem Wesen des Schöpfers, der doch unendlich über der Menschheit steht, identisch sein würde? Sollte Gott denn tatsächlich Einer von uns werden? Ehe diese verwirrende Frage überhaupt erwägt werden konnte, wurde in einem Grabgesang der ganzen Geschichte noch ein grausames Ende verpasst. Oder war es wirklich ein Ende?

Das Drama, die Rätsel und Verflechtungen wurden allesamt vor tausenden von Jahren niedergeschrieben. Wer Hebräisch kann, vermag sie alle in einem der ältesten erhaltenen Schriftwerke nachzulesen – den Schriftrollen vom Toten Meer – erst vor ein paar Jahrzehnten aus der tiefen Antike aus ihrem Aufbewahrungsort zu Tage gefördert. Mit der letzten schriftlichen Botschaft begann eine lange Zeit der Erwartung. Würde sich das Drama entfalten wie beschrieben? War es denn tatsächlich möglich, dass sich alle diese rätselhaften Verflechtungen zur gleichen Zeit erfüllen könnten? Sowohl Gelehrte wie Ungelehrte grübelten die Jahrhunderte hindurch über diese Rätsel nach.

Wenn man das alles überspringt und gleich bei dem biblischen Weihnachtsgeschehen mit Jesus, den Hirten und den Weisen beginnt, verpasst man das Drama, die Spannung und Entwicklung der gesamten Handlung. Dann sieht man nicht die kosmische Geschichte. Stattdessen bleibt einem nur die antiquierte Überlieferung unserer Urgroßeltern. In Wirklichkeit war die Geburt Jesu jedoch der Anfang der Erfüllung und Auflösung der die Jahrhunderte überspannenden Rätsel. Diese Rätsel ließen den Widersacher im Ungewissen, und viele Menschen in hoffnungsvoller Erwartung.

Ein freies und gesichertes Weihnachtsgeschenk

Wenn man dies alles aber von Anfang an untersucht und versteht, erkennt man das große Geschehen. Doch was noch besser ist, Sie und ich erhalten die Gelegenheit, in der Entwicklung und Entfaltung dieser Geschichte eine perönliche Rolle zu spielen. So wie es zu Weihnachten ja um das Erhalten wie auch ums Geben von Geschenken von und an unsere Lieben geht, gipfelt diese Geschichte im Angebot einer Gabe an Sie und an mich. Um dieses Geschenk anzunehmen, bedarf es des Vertrauens in den Geber, derselben Art von Vertrauen, wie Abraham es hatte, als ihm Gott ein Geschenk anbot.

Was aber noch viel besser ist, gibt es jede Menge von Bestätigungen, dass es sich bei dieser biblischen Geschichte um begründete Tatsachen handelt. Anders als beim Weihnachtsmann, bei dem wir es gar nicht erst versuchen, Beweise herbei zu holen – etwa vom Nordpol oder für seinen am Himmel dahinfahrenden Rentierschlitten oder von Zeugen, die ihn in irgendeinem Schornstein festgesteckt gesehen haben. Nein, für die Geschichtlichkeit Jesu gibt es historische Bestätigungen – selbst für seine Jungfrauengeburt. Außerbiblische römische und jüdische Geschichtsschreiber beziehen sich auf ihn. Die Orte, an denen alle diese Rätsel aufgegeben wurden und an denen Jesus sich aufhielt, sind terra-firma Wirklichkeit. Es gibt Bethlehem, Jerusalem und den Berg Morija. Und da uns diese Geschichte vor ihrer Erfüllung niedergeschrieben wurde, haben wir auch die Bestätigung des einen Verfassers dieser Geschichte. Die Tatsache, dass Abraham, Mose, Jesaja, Daniel und die anderen Autoren bereits hunderte von Jahren vorher die Ereignisse der Geburt, des Lebens und Sterbens Jesu im Einzelnen beschreiben konnten, ist ein Beweis dafür, dass der Schöpfer – der allein die Zukunft kennt – der eigentliche Verfasser dieser Geschichte ist, samt seiner Einladung an Sie und an mich, persönlich mit Ihm daran teilzunehmen.

Wer sich in dieser Beziehung nicht die Mühe macht, wird auch diese Weihnachten lediglich verschiedene Geschichten vom Weihnachtsmann sehen und hören. Aber schon allein wegen einer guten Geschichte empfehle ich jedem die biblische Weihnachtsgeschichte. Sie ist um Vieles besser. Hier finden Sie die Geschichte (auf Englisch) aus den Evangelien von Matthäus und Lukas chronologisch zusammengestellt. Das sind weniger als 1300 Wörter, die man leicht in 5 Minuten überschauen kann. Man kann die darin enthaltenen Links öffnen, um festzustellen, wie der jeweilige Bericht auf dem tiefer liegenden Drama aufgebaut ist. Die bessere Erkenntnis lohnt sich allemal!

Möge es Ihnen ein frohes Weihnachts- oder Christfest bescheren!

Das Rätsel der Prophezeiungen im 22. Psalm

Vor ein paar Jahren schlenderte J, einer meiner Freunde und Arbeitskollegen, zu meinem Schreibtisch herüber. J war gescheit und gebildet – und glaubte absolut nicht an das Evangelium. Dennoch war er irgendwie wissbegierig, was zwischen uns zu einigen offenen und ehrlichen Gesprächen führte. Er hatte sich nie richtig mit der Bibel beschäftigt, und so ermutigte ich ihn, sie sich einmal näher anzusehen.

Eines Tages kam er mit einer offenen Bibel in mein Büro, um mir zu zeigen, dass er sie sich tatsächlich näher ansehen wollte. Er hatte sie wahllos in der Mitte geöffnet. Ich fragte ihn, was er dort lese. Draufhin entwickelte sich unser Gespräch etwa wie folgt:

„Ich lese Psalm 22”, sagte er.

„Wirklich?“ erwiderte ich. „Und – verstehst du, worum es sich da handelt?”

„Ich denke, es geht um die Kreuzigung Jesu,” antwortete J.

„Das ist eine gute Vermutung,” lachte ich. „Aber da befindest du dich ungefähr1000 Jahre vor dem Geschehen. David schrieb den 22. Psalm um 1000 v.Chr. Die Kreuzigung Jesu fand jedoch erst um 30 n.Chr. statt.”

Da er sich mit der Bibel nicht auskannte, wusste J nicht, dass die Psalmen keine Berichte von Zeitgenossen Jesu über dessen Leben waren. J hatte lediglich ein paar Geschichten über Jesus gehört, einschließlich seiner Kreuzigung, und deshalb die Bibel wahllos geöffnet und das Gelesene von seiner Perspektive aus für die Beschreibung der Kreuzigung Jesu gehalten, weil er es nicht besser wusste. Wir mussten beide über seinen ersten Fehltritt beim Bibellesen lachen.

Dann fragte ich J, was er denn in Psalm 22 gelesen habe, das ihn vermuten ließ, es handele sich um die Kreuzigung Jesu. So begann unsere kleine Nachforschung. Ich lade Sie nun ein, einige der Parallelen zu betrachten, die auch J aufgefallen waren, indem wir die Bibelstellen in einer Tafel gegenüberstellen. Zur Hilfestellung habe ich die zu einander passenden Stellen in der gleichen Farbe wiedergegeben.

Vergleich der Kreuzigungsberichte in den Evangelien mit den Details aus Psalm 22

 Einzelheiten der Kreuzigung in den Evangelien Psalm 22 – um 1000 v.Chr.
(Matthäus 27,31-48) 31 Und sie führten ihn (Jesus) ab, um ihn zu kreuzigen. …39 Aber die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf 40 und sprachen: „… rette dich selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab!” 41 Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten! Ist er der König Israels, so steige er nun vom Kreuz herab, und wir wollen ihm glauben! 43 Er hat auf Gott vertraut; der befreie ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat; … 46 Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: … »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm (Jesus) zu trinken.Markus 15,16-20+37 16 Da führten ihn (Jesus) die Kriegsknechte hinein in den Hof, … 17 legten ihm einen Purpur[mantel] um, flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf. 18 Und sie fingen an, ihn zu grüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! 19 Und sie schlugen sein Haupt mit einem Rohr, spuckten ihn an, beugten die Knie und fielen vor ihm nieder. 20 Und nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur[mantel] aus und legten ihm seine eigenen Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen…37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verstarb.(Johannes 19,33-34) 33 Als… er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,…

33 sondern einer der Kriegsknechte stach mit einem Speer in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.

(Markus 15,24) … sie kreuzigten ihn…

(Johannes 20,25) [Thomas] Wenn ich nicht an seinen Händen das Nägelmal sehe…

(Johannes 19,23-24) 23 Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil, und dazu das Untergewand. …

24 Da sprachen sie zueinander: Lasst uns das nicht zertrennen, sondern darum losen, wem es gehören soll!

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, und du antwortest nicht, und auch bei Nacht, und ich habe keine Ruhe.…8 Alle, die mich sehen, spotten über mich;
sie reißen den Mund auf und schütteln den Kopf.
9 »Er soll doch auf den Herrn vertrauen; der soll ihn befreien; der soll ihn retten, er hat ja Lust an ihm!«
10 Ja, du hast mich aus dem Leib meiner Mutter gezogen, du warst meine Zuversicht schon an meiner Mutter Brust.11 Auf dich bin ich geworfen vom Mutterschoß an; vom Leib meiner Mutter her bist du mein Gott.12 Sei nicht fern von mir! Denn Drangsal ist nahe, und kein Helfer ist da.

13 Es umringen mich große Stiere,
mächtige [Stiere] von Baschan umzingeln mich.

14 Sie sperren ihr Maul gegen mich auf wie ein reißender und brüllender Löwe.

15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, und alle meine Gebeine sind ausgerenkt.
Mein Herz ist geworden wie Wachs,
zerschmolzen in meinem Innern.

16 Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in den Staub des Todes.

17 Denn Hunde umringen mich,
eine Rotte von Übeltätern umgibt mich;
sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.
18 Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie schauen her und sehen mich [schadenfroh] an.
19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.

Die Tatsache, dass J zu dem logischen, wenngleich irrigen Schluss gelangte, dass Psalm 22 ein Augenzeugenbericht der Karfreitagskreuzigung sei, sollte bei uns eine Frage aufwerfen: Wie erklären wir die Gemeinsamkeiten zwischen den Evangeliumsberichten und Psalm 22? Handelt es sich nur um zufällig genau übereinstimmende Details, sowohl bei der Teilung der Kleidung (d.h, gesäumte Kleidung wurde an den Nähten getrennt und unter die Kriegsknechte verteilt) als auch im Auslosen (das saumlose Gewand wäre durch Zerreißen unbrauchbar geworden, also warf man das Los darum)? Psalm 22 wurde verfasst, als es noch gar keine Kreuzigung gab, beschreibt aber dennoch die verschiedenen Einzelheiten (Hände und Füße durchbohrt, Gelenke ausgerenkt – indem der Leib des hängenden Opfers ausgestreckt wird). Hinzu kommt, dass das Johannesevangelium erwähnt, wie Blut und Wasser aus der Speerwunde in der Seite des Oberkörpers Jesu herausflossen, was auf eine Flüssigkeitsanstauung im Herzbeutel Jesu hindeutet. Jesus starb somit an Herzschlag. Das entspricht der Beschreibung in Psalm 22, 15: „Mein Herz ist geworden wie Wax.” Das hebräische Wort, das in Vers 17 mit „durchgraben” übersetzt wurde, bedeutet buchstäblich „wie ein Löwe”. Mit anderen Worten, Jesu Hände und Füße wurden durch die Nägel zerfleischt oder übel zugerichtet. Was will uns das sagen?

Jesus weist durch die Evangeliumsverfasser darauf hin, dass es sich hier um prophetische Übereinstimmungen handelt. Gott inspirierte die alttestamentlichen Propheten hunderte von Jahren vor dem Erdenleben Jesu, Einzelheiten von seinem Leben und Sterben vorauszusagen, um uns wissen zu lassen, dass sich alles nach dem Plan Gottes zugetragen hat. Die prophetische Erfüllung gleicht somit einer göttlichen Unterschrift unter die Ereignisse von Karfreitag; denn kein Mensch kann in dieser Weise die Zukunft voraussehen. Das wäre also ein Beweis des Wirkens Gottes und seines Eingreifens in der Weltgeschichte.

Bart Ehrmans Deutung

Bart Ehrman, ein bekannter Bibelgelehrter und Evangeliumskritiker, hält dagegen jegliche prophetischen Begründungen für falsch; denn in der Evengeliumsgeschichte gehe es ja darum, dass der „Messias” oder „Christus” als Opfer hingegeben werde, während der 22. Psalm gar nicht vom „Messias” als Opfer spreche. So stellt er fest:

„Was aber tun wir angesichts der Tatsache, dass es keine jüdischen Prophezeiungen darüber gab, dass der Messias leiden und sterben würde?” (Bart Ehrman, Jesus Interrupted; S. 234 [übersetzt])

Aber das führt zu einem weiteren Streitpunkt. Es ist ja nicht so, als gäbe es nur eine Prophezeiung (wie Psalm 22), die Jesus zu erfüllen hatte; sondern es gibt derer Dutzende. Es handelt sich dabei um Voraussagen, die von verschiedenen Autoren zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Bevölkerungsschichten der alttestamentlichen Ära verfasst wurden – und sie lassen sich nachprüfen, ob sie erfüllt wurden oder nicht. So z.B., um Ehrmans Herausforderung aufzugreifen, lebte Daniel um 550 v.Chr. im babylonischen Exil und hatte dort eine Vision, in der ihm folgendes prophetische Rätsel aufgegeben wurde:

„So wisse und verstehe: Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen* und 62 Wochen*; Straßen und Gräben werden wieder gebaut, und zwar in bedrängter Zeit. Und nach den 62 Wochen* wird der Gesalbte ausgerottet werden, und ihm wird nichts zuteil werden;…”

(Daniel 9,25-26; *Wochen = Einheiten von sieben, ohne nähere Angabe eines Zeitraums)

Hmm… Dem neutestamentlichen Gelehrten gebührt zwar meine höchste Anerkennung, aber er hat hier im Alten Testament wohl etwas verpasst. Denn hier, genau wie er es ja fordert, haben wir eine Prophezeiung, dass der  „Gesalbte” (= Christus = Messias) „ausgerottet” wird. The Zeitbestimmung dazu und die Details zu „ausgerottet”, die die Bedeutung des Todes Jesu voraussahen, widerlegen rundheraus Ehrmans Behauptung, es gäbe keine alttestamentliche Prophezeiung über das Leiden und Sterben des „Christus”.

Spongs Deutung

Andere, wie Shelby Spong (in That Hebrew Lord), argumentieren, dass die Übereinstimmungen aus Psalm 22 mit den Ereignissen der Karfreitagskreuzigung einfach darauf zurückzuführen seien, dass die Evangeliumsverfasser lediglich versucht hätten, diese den Prophezeiungen „anzupassen”. Er gibt uns eine detaillierte Vers-für-Vers-Analyse der Ähnlichkeiten zwischen Psalm 22 und den Kreuzigungsberichten über Jesus in den Evangelien, um seine Theorie zu beweisen, dass die Evangeliumsverfasser die Keuzigungsgeschehnisse anhand der Angaben in Psalm 22 erfunden hätten. Wenigstens bedeutet Spongs Theorie, dass diese Ähnlichkeiten einer Erklärung bedürfen. Aber seine Deutung ignoriert total das Zeugnis außerbiblischer Historiker der damaligen Zeit. Josephus und Tacitus sagen uns Folgendes darüber:

„Zu der Zeit gab es einen weisen Mann … Jesus … gut und … tugendhaft. Und viele Menschen aus den Juden und anderen Völkern wurden zu seinen Jüngern. Pilatus verurteilte ihn, gekreuzig zu werden und zu sterben” (übers. aus Josephus. 90 n. Chr.. Antiquities xviii. 33; Josephus war jüdischer Historiker).

„Christus, der Begründer des Namens, wurde durch Pontius Pilate, Statthalter von Judäa unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius hingerichtet” (übers. aus Tacitus. 117 n.Chr. Annals XV. 44. Tacitus war römischer Historiker).

Ihr Zeugnis stimmt in breitem Umfang mit den Evangelien überein, dass Jesus gekreuzigt wurde.  Dies ist wichtig, weil es sich bei vielen Aussagen in Psalm 22 schlicht um Einzelangaben über eine Kreuzigung handelt. Wenn die Evangeliumsschreiber bemüht gewesen wären, die eigentlichen Vorgänge zu erfinden, um sie dem 22. Psalm „anzupassen”, hätten sie im Grunde die gesamte Kreuzigung erfinden müssen. Doch niemand aus der damaligen Zeit leugnete die Kreuzigung Jesu, und der jüdische Historiker Josephus berichtet, dass Jesus auf genau diese Weise hingerichtet wurde.

Psalm 22 und das Vermächtnis Jesu

Zudem endet Psalm 22 nicht mit Vers 19 wie in der obigen Gegenüberstellung – er geht vielmehr noch weiter. Beachten wir, wie triumphierend die Stimmung am Ende des Psalms ist – nach dem Tod der betreffenden Person!

27 Die Elenden sollen essen und satt werden; die den Herrn suchen, werden ihn loben; euer Herz soll ewiglich leben!

28 Daran werden gedenken und zum Herrn umkehren alle Enden der Erde, und vor dir werden anbeten alle Geschlechter der Heiden.

29 Denn das Königreich gehört dem Herrn, und er ist Herrscher über die Nationen.

30Es werden essen und anbeten alle Großen der Erde; vor ihm werden ihre Knie beugen alle, die in den Staub hinabfahren, und wer seine Seele nicht lebendig erhalten kann.

31 Ein Same wird ihm dienen, wird dem Herrn als Geschlecht zugezählt werden.

32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit verkündigen dem Volk, das geboren wird, dass er es vollbracht hat.

(Psalm 22,27-32)

Hier ist zu beachten, dass es sich nicht mehr um Einzelheiten über den Tod dieser Person handelt. Diese Details wurden im ersten Teil des Psalms erwähnt. Hier befasst der Psalmist sich mit den Auswirkungen des Todes dieser Person auf einen „Samen” (Nachkommen) und ein zukünftiges „Geschlecht” (Vers 31). Um wen könnte es sich da handeln? Um uns, die wir 2000 Jahre nach der Kreuzigung leben! Der Psalmist sagt uns, dass der „Same”, der diesem auf so ungeheuerliche Art “in den Staub des Todes” gelegten Mann folgt, ihm “dienen” und „als Geschlecht zugezählt” werden sollte. Vers 28 sagt zudem die geographische Ausdehnung dieser Auswirkungen voraus – nämlich bis an „alle Enden der Erde” und auf „alle Geschlechter der Heiden”, die “zum Herrn umkehren”. Vers 29 prophezeit, dass jeder, der „seine Seele nicht lebendig erhalten kann” (und das betrifft ja einen jeden von uns sterblichen Menschen), eines Tages die Knie vor ihm beugen wird. Die Gerechtigkeit dieses Mannes wird zur Zeit seines Todes den Menschen verkündigt werden, die noch nicht leben (ein „Volk, das [noch] geboren wird).

Man könnte keine bessere Vorhersage vom Vermächtnis Jesu durch seinen Tod machen, als es die Schlussverse von Psalm 22 wiedergeben. Zweitausend Jahre nach Christus, unter jährlichen weltweiten Karfreitagsfeiern, werden die Auswirkungen des Todes Jesu immer noch hervorgehoben; wobei sich die Schlussverse von Psalm 22 genaus so präzise erfüllen wie die vorhergehenden Verse, die die Einzelheiten seines Sterbens vorhersagten. Wer könnte in dieser Welt sonst noch behaupten, dass Einzelheiten seines Todes sowie das Vermächtnis seines Lebens für die ferne Zukunft bereits 1000 Jahre vor seinem Erdendasein vorausgesagt worden seien?

Die Endverse von Psalm 22 haben nichts damit zu tun, ob die Evengelienberichte sie übernommen oder die Kreuzigungsgeschehnisse „erfunden” haben; denn sie handeln von einer viel späteren Zeit – nämlich der unsrigen. Die Evangeliumsverfasser aus dem ersten Jahrhundert n.Chr. konnten wohl kaum die Auswirkungen des Todes Jesu bis in unsere Zeit hinein „erfinden”. Wie kann Spong dieser Tatsache in seiner Deutung Rechnung tragen? Er kann es nicht und tut es nicht! Er ignoriert geflissentlich den letzten Teil des 22. Psalms.

Vielleicht werden Sie nun ebenfalls, wie mein Freund J, die Gelegenheit ergreifen und Psalm 22 im Lichte der Kreuzigung Jesu betrachten. Das erfordert zwar eine geistige Anstrengung, aber lassen Sie sich dadurch nicht davon abbringen. Die Mühe lohnt sich allemal, denn der Mann, von dem Psalm 22 spricht, hat verheißen:

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben. (Johannes 10,10)

Das würde die alljährlichen Osterfeiern mit Sicherheit erfüllen. Lesen Sie hier den ganzen Psalm 22 sowie die Kreuzigungsberichte nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Mögen Sie etwas davon erfahren – nicht nur am Karfreitag, sondern jeden Tag in diesem Jahr!

Die Voraussage, daß Christus „abgehauen“ wird

In unserem letzten Artikel haben wir gesehen wie Daniel den „Christus“ vorausgesagt hat und daß er nach einigen Jahren „abgehauen“ wird. Die Voraussage Daniels wurde in dem triumphierenden Einzug Jesu in Jerusalem erfüllt. Dort wurde er als Israels Christ eingeführt – genau 173.880 Tage nach dem Persischen Gebot, das den Aufbau Jerusalems anordnete. Das Wort „abgehauen“ deutet auf Jesajas Vorstellung hin, indem er sich einen scheinbar toten Baumstumpf vorstellte, aus dem ein Zweig schoß. Doch was hat er sich dabei gedacht?

Historische Zeitlinie mit Jesaja und anderen Propheten des Alten Testaments

Historische Zeitlinie mit Jesaja und anderen Propheten des Alten Testaments

Jesaja schrieb auch über andere Prophezeiungen in seinem Buch, indem er andere Themen gebrauchte als den Zweig. Ein solches war das Bild des kommenden Dieners. Wer war dieser „Diener„? Was wird er machen? Wir werden jetzt einen langen Abschnitt aus dem Buch des Jesaja durchnehmen. Ich gebrauche den vollen und genauen Text der Lutherbibel, hier und da mit meinen Kommentaren eingeflochten.

Der kommende Diener – Der vollkommene Text aus dem Buch des Jesaja, 52, 13 – 53,12

52,13. Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.  Wie sich viele über ihn entsetzten. weil seine Gestalt häßlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Meschenkinder, so wird er viele Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn denen nichts davon verkündet ist, die werden es nun sehen, und die nichts davon gehört haben, die werden es merken.

Wir wissen, daß dieser Diener ein Mensch sein wird, denn Jesaja nennt ihn einen Diener, einen „er“, „ihn“, „sein“, und daß er von einer Zukunft spricht (er wird— handeln, auferstehen u.s.w.). Also ist dieses eine Prophezeiung.  Aber worum handelt sie sich?

Blutopfer

Wenn die jüdischen Priester fuer die Israeliten opferten, dann haben sie die Israeliten mit dem Blut des geopferten Tieres besprengt. Diese Tat symbolisierte die Vergebung ihrer Sünde, die ihnen nicht mehr vorgehalten wurde. Aber in dem genannten Text steht, daß der Diener „viele Nationen“ besprengen wird. Also sagt Jesaja, daß in gleicher Weise dieser Diener auch Nicht-Juden die Vergebung der Sünde gewährt wie es die Priester im Alten Testament den jüdischen Anbetern gewährten. Dieses zieht eine Parallele zu der Voraussage Zacharias, daß der Zweig ein Priester sein würde, der die Rollen des Königs und des Priesters vereint, da es nur den Prietsern erlaubt war, mit dem Blut zu besprengen. Der weltweite Bereich von „viele Nationen“ folgt dem historischen und beweisbaren Versprechen, das vor vielen Jahrhunderten Abraham gemacht wurde, daß „alle Nationen“ durch seinen Nachkommen gesegnet sein werden.

In der Voraussage wird der Diener, der „keine Gestalt und Hoheit“ hatte und der „Allerverachtetste und Unwerteste“ war, die vielen Nationen besprengen. Und obwohl es nicht ganz klar ist was der Diener machen wird, werden die Nationen es eines Tages verstehen.

53,1. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart?  Er (der Diener) schoß auf vor ihm (dem Herrn) wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste.,voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Obwohl der Diener viele Nationen besprengen wird. wird er auch als „verachtet“ und „wertlos“ beschrieben, voller „Leiden: und „an Schmerzen gewöhnt„.

4.Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jesu Opfer im Vergleich zu dieser Diener Opfer

Der Diener wird „unsere“ Schmerzen auf sich nehmen. Dieser Diener wird auch zur Strafe „verwundet“ und „zerschlagen“. Diese Strafe wird uns (den vielen Nationen) „Frieden“ bringen und uns „heilen“. Weltliche und biblische Quellen bestätigen uns, daß am Karfreitag vor etwa 2000 Jahren (und mehr als 700 Jahre nach der Prophezeiung Jesajas) Jesus gekreuzigt wurde. Er wurde buchstäblich durch die Nägel bei der Kreuzigung verwundet wie es Jesaja von dem Diener vorausgesagt hatte.

6. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

In „Verdorben und das Ziel verfehlt“ haben wir gesehen, daß eine biblische Erklärung für Sünde das eigentliche Ziel verfehlt. Wie ein verbogener Pfeil gehen wir unseren eigenen Weg. Dieser Diener wird diese Sünde tragen, die wir verursacht haben.

7. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

Der Diener wird wie ein Lamm sein, das zur „Schlachtbank“ geführt wird. Aber er wird weder protestieren noch seinen „Mund auftun“. Wir sahen in „Das Zeichen von Abrahams Opfer„, daß ein Widder als Ersatz für Abrahams Sohn geopfert wurde. Dieser Widder – ein Schaf – wurde geschlachtet. Jesus wurde auf der selben Stelle (Berg Moriah in Jerusalem) hingerichtet. Wir haben gesehen, daß ein Lamm zum Passahfest geschlachtet wurde. Jesus wurde auch kurz vor dem Passahfest hingerichtet.

8. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Misssetat meines Volks geplagt war.

Der Diener ist „weggerissen“ aus dem „Land der Lebendigen„.  Dieselben Worte hat Daniel gebraucht, als er prophezeite was mit Christus geschehen wird, nachdem er Israel als der Messias vorgestellt wird. Jesaja ging in mehr Einzelheiten, als er im Voraus erklärte, daß „weggerissen“ das „weggerissen aus dem Land der Lebendigen“ bedeutet.. d.h. der Tod. Also, als Jesus am Karfreitag gestorben ist, ist er buchstäblich „aus dem Land der Lebendigen“ gerissen worden, und das nur ein paar Tage, nachdem er als der Messias seinen triumphierenden Einzug feierte.

9. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

Obwohl Jesus hingerichtet wurde und als ein Verbrecher gestorben ist (sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern), so berichten uns die Evangelisten, daß ein reicher Mann, ein Ratsherr, Joseph von Arimathia, den Leichnam Jesu nahm und ihn in seiner eigenen Gruft unterbringen ließ (Matth.27, 60). Jesus hatte buchstäblich beide Seiten der gegenseitigen Voraussage erfüllt, nämlich daß obwohl „sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern“ war, er auch ein gerechter Mensch war, der „niemand Unrecht getan hat.“

10. So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen

Dieser grausame Tod war kein fürchterlicher Zufall oder Mißgechick. Es war klar „des HERRN Plan“, ihn zu zerschlagen. Aber warum? So wie Lämmer in dem Moseischen Opfersystem das Opfer für Sünde waren, damit der opfernde Mensch dadurch schuldlos wird, so ist hier das „Leben“ dieses Dieners ein     „Opfer für Sünde“. Für wessen Sünde? Wenn wir daran denken, daß „viele Nationen“ besprengt werden (siehe oben), dann ist es die Sünde der Menschen der „vielen Nationen“. Diese „alle“, die in die „Irre“ gingen, und „ein jeder sah auf seinen Weg“. Jesaja spricht von Ihnen und mir.

11. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte den Vielen Gerechtigeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

Obwohl der Abschnitt über den Diener grausam ist, ändert sich hier der Ton, und es kommt ein optimistisches und sogar triumphierendes Ende. Nach diesem schrecklichen Leiden (gerissen aus dem Lande der Lebendigen“ und „man ihm sein Grab gab“) wird dieser Diener „das Licht schauen„. Er wird wieder lebendig? Ich habe die Sache mit der Auferstehung überprüft. Hier wird prophezeit. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit, daß derselbe Mensch, dessen Auferstehung man begründen kann, dieselbe Peron ist, für die die Prophezeiung gilt, sowie die anderen Prophezeiungen, die wir besprochen haben. Und so wie er „das Licht schauen“ wird, wird dieser Diener „Vielen Gerechtigkeit schaffen“. Gerechtfertigen bedeutet dasselbe wie Gerechtigkeit schaffen. Sie erinnern sich, daß Abraham gerechtfertigt wurde.  Auf eine ähnliche Weise wird dieser Diener Viele gerechtfertigen.

12.Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Jesus ist der Diener prophezeit

Der Abschnitt von dem Diener weist zu der Kreuzigung hin, sowie auf die Auferstehung Jesu – und manche Kritiker wollen argumentieren, daß die Schreiber der Evangelien dieses Ereignis dem Diener angepaßt haben. Doch in seiner Zusammenfassung widersetzt er sich diesen Kritikern. Die Zusammenfassung ist keine Voraussage über die Kreuzigung und Auferstehung als solche, sondern die Wucht seines Todes nach so vielen Jahren. Und was prophezeit Jesaja? Dieser Diener, obwohl er als ein Verbrecher stirbt. wird er eines Tages unter „den Starken“ sein. Die Schreiber der Evangelien konnten diese Voraussage nicht anpassen, denn die Evangelien sind einige Jahre nach der Kreuzigung geschrieben worden, als die Einwirkung noch bezweifelt wurde. Als die Evangelien geschrieben wurden, war die Welt noch der Meinung, daß Jesus der hingerichtete Führer eines verderblichen Aberglaubens war. Jetzt, 2000 Jahre später, sehen wir die Wirkung seines Todes und stellen fest, daß er in der Geschichte der Starke wurde. Die Schreiber der Evangelien konnten das nicht voraussehen, Aber Jesaja konnte es. Der Diener, der gleichzeitig „der Zweig“ ist. zieht durch sein freiwilliges Opfer Menschen zu sich aus vielen Nationen, damit er sie besprengen kann. Über viele starke Männer sind Nachrufe und Biographien über ihr Leben geschrieben worden von Historikern und Bewunderern, die viele Jahrhunderte später gelebt haben. Bei Jesus ist es anders: über sein Leben und Tod wurde viele Jahre vor seiner Geburt geschrieben. Das sollte uns Grund genug geben, ihm zu vertrauen . Weshalb sollte sein Opfer nicht auch Sie besprengen?

Daniels Rätsel in Bezug auf den Spross

Der Spross: Er erscheint gerade rechtzeitig, um … „abgeschnitten“ zu werden.

Wir haben bereits das Spross-Thema erforscht, das sich durch die Schriften mehrerer alttestamentlicher Propheten hinzieht. Wie wir sahen, hatte Jeremia 600 v.Chr. das Thema aufgegriffen, das Jesaja 150 Jahre zuvor begonnen hatte. Jesaja hatte davon geredet, dass dieser Spross ein König sein werde. Im vorigen Beitrag sahen wir, wie Sacharja in Bezug auf Jeremias Darlegung vorausgesagt hatte, dass dieser Spross „Jesus“ genannt und die Königs- und Priesterwürde in sich vereinigen sollte – was noch nie zuvor in der Geschichte Israels geschehen war.

Daniels Rätsel von der planmäßigen Ankunft des Gesalbten

Aber es blieb nicht dabei. Daniel, im Zeitbereich zwischen Jeremia und Sacharja, griff direkt den Titel des „Gesalbten“ auf (der, wie wir sahen, gleichbedeutend mit „Christus“ oder „Messias“ ist), bezog sich in einem faszinierenden Rätsel auf den Spross und sagte die zeitliche Offenbarung des Messias voraus. Um 538 v.Chr. schrieb er Folgendes:

          „Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen und 62 Wochen; … Und nach den                62 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, und ihm wird nichts zuteilwerden …”       (Daniel 9,25-16).

Da der „Gesalbte“ = Christus = Messias ist, wissen wir, dass Daniel dies in Bezug auf den kommenden Christus geschrieben hat. Dabei spezifizierte er eine Anfangszeit („Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems“) und bestimmte Zwischenzeiten („7 Wochen und 62 Wochen [im Hebr. „Heptaden“ oder „Siebenergruppen“]), die in der Offenbarung des Christus (des Gesalbten) gipfeln, der daraufhin auf rätselhafte Weise „ausgerottet“ (abgeschnitten) wird. Insgesamt scheint dieser prohetische Ausblick deutlich genug zu sein. Können wir aber auch die spezifischen Einzelheiten erkennen, die uns zum eigentlichen Erscheinen des Christus führen? Schauen wir uns einmal an, was die prophetische Uhr zum Ticken brachte.

Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems

Ungefähr 100 Jahre nach Daniel war Nehemiah Mundschenk des persischen Großkönigs Artasata (Artaxerxes I.). Als solcher hatte er Zugang zu höchsten Herrschaftskreisen im Persischen Reich. In diesem Zusammenhang erbittet und empfängt er einen königlichen Erlass zur Wiederherstellung und zum Wiederaufbau Jerusalems. Er formuliert es folgendermaßen:

… im Monat Nisan, im zwanzigsten Jahr des Königs Artasasta… sagte ich zu dem    König: Wenn es dem König gefällt und wenn dein Knecht wohlgefällig vor dir ist, so  sende mich nach Juda, zu der Stadt, wo meine Väter begraben liegen, damit ich sie wieder aufbaue! …

          Und ich sprach zu dem König: Wenn es dem König gefällt, so gebe man mir Briefe an       die Statthalter. … Und der König gab sie mir. … Als ich nun zu den Statthaltern… kam, gab ich ihnen die Briefe des Königs. Und der König hatte Oberste des Heeres und    Reiter mit mir gesandt. (Nehemia 2,1-9)

Somit haben wir hier einen königlichen Erlass, unterstützt mit Briefen und vom Militär des Persischen Reiches, zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems. Da der persische Großkönig aus der weltlichen Geschichte bekannt ist, und da dieser Erlass den Anfang dieses Zeitraums mit der Regierungszeit des persischen Großkönigs Artaxerxes I. verbindet (das 20. Regierungsjahr im Monat Nissan), können wir den Zeitpunkt genau bestimmen. Artaxerxes bestieg den Thron Persiens gleich nach dem Tode seines Vaters Xerxes I. im Dezember 465 v.Chr.1) – und da dieser Erlass am 1. Nissan (März/April) 465 v.Chr. erging, käme das Datum des Erlasses auf den 5. März 444 v.Chr.1)

Sieben „Wochen“ und zweiundsechzig „Wochen“

Was aber sind diese „Siebener“ („Jahrwochen“ oder „Heptaden“), die Daniel für die Zeitabschnitte gebrauchte? Im Gesetz Moses gab es einen Zyklus von sieben Jahren, in dem das Ackerland jedes siebte Jahr nach der Bebauung ruhen oder brachliegen sollte. Das wurde folgendermaßen ausgedrückt:

          Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, so soll das Land dem Herrn    einen Sabbat feiern. Sechs Jahre lang sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre lang deinen Weinberg beschneiden und den Ertrag [des Landes]einsammeln. Aber   im siebten Jahr soll das Land seinen Sabbat der Ruhe haben, einen Sabbat für den         Herrn, an dem du dein Feld nicht besäen noch deinen Weinberg beschneiden sollst.       (3. Mose 25,2-4)

Im textlichen Zuzammenhang schreibt Daniel von „Jahren“; und nach diesem Gedankengang kann es sich bei den erwähnten „Siebener“-Zeiträumen („Wochen“ oder „Heptaden“) nur um Zyklen von je sieben Jahren (also „Jahrwochen“) handeln. Sieben „Heptaden“ und 62 „Heptaden“ lassen sich demnach rechnerisch als (7+62) x 7 = 483 Jahre darstellen.

Ein Jahr von 360 Tagen

Die Sache wird etwas kompliziert, wenn es um die Länge der angegebenen Jahr geht. Heutzutage gebrauchen wir das Sonnenjahr (=  365,24219879 Tage pro Jahr), weil wir den Erdumlauf um die Sonne genau messen können. Damals aber war es üblich, ein Jahr nach Mondumläufen (um die Erde) zu berechnen (der Mondkalender wird heute noch im Islam verwendet), mit 354 Tagen pro Jahr, oder unter Verwendung von zwölf 30-Tage-Monaten, was 360 Tage pro Jahr ergibt. In allen Fällen werden Korrekturen angebracht, um die Unterschiede der Umläufe auszugleichen. (In unserem westlichen gregorianischen Kalender wird zum Ausgleich der Tagesbruchteile ein Schaltjahr von 366 Tagen eingeschoben, wobei einige Schaltjahre ausgelassen werden.) In der antiken Zivilisation von Ägypten, Babylonien, Indien und Griechenland war der 360-Tage-Kalender üblich. Das war auch Daniels Jahrslänge.

Die planmäßige Ankunft des Christus

Auf dem Hintergrund dieser Informationen ist es nun ziemlich einfach zu berechnen, wann der Christus gemäß Daniels Rätsel erscheinen sollte. 483 Jahre von je 360 Tagen ergeben: 483 Jahre x 360 Tage pro Jahr = 173.880 Tage.

Gemessen nach unserem westlichen Kalender ergibt das 476 Sonnenjahre, wobei noch 25 Tage übrig bleiben (173.880 geteilt durch 365,24219879 = 476, Rest 25).

Der Ausgangspunkt für diese Berechnung war der Erlass des Artaxerxes vom 5. März 444 v.Chr. Zählt man 476 Sonnenjahre zu diesem Datum hinzu, kommt man auf den 5. März 33 n.Chr. (Es gibt kein Jahr 0, da man von 1 v.Chr. bis 1 n.Chr. nur ein Jahr berechnet; also rechnerisch: -444 + 476 + 1 = 33.) Zählt man dann die 25 übrigen Tage zum 5. März 33 n.Chr. Hinzu, gelangt man auf den 30. März 33 n.Chr., wie die unten angegebene Illustration verdeutlicht. Oder, wie Hoehner es angibt (dessen Berechnungen ich übernommen habe):

„Zählt man 25 Tage zum 5. März (444 v.Chr.) hinzu, kommt man auf den 30. März (33 n.Chr.), der auf den 10. Nissan fiel. Das war der Tag des triumphalen Einzugs Jesu in  Jerusalem…“

Hoehner, Chronological Aspects of the Life of Christ, Teil VI, S. 16, 1977

 

Zeitlnie von Daniels „Siebener“-Prophezeiung, mit Höhepunkt im triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem

Zeitlnie von Daniels „Siebener“-Prophezeiung, mit Höhepunkt im triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem

Zeitlnie von Daniels „Siebener“-Prophezeiung, mit Höhepunkt im triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem

 

Triumphaler Einzug Jesu in Jerusalem – Der Tag

Das war am Palmsonntag, genau an dem Tag, an dem wir den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem feiern. Unter Annahme der obigen Angaben und einiger einfacher Berechnungen sehen wir, dass dies der Tag ist, zu dem uns Daniels „Siebener“-Rätsel hinführt. Das war der Tag, an dem Jesus dem jüdischen Volk als König oder Christus dargestellt wurde. Das wissen wir aus Sacharja (der den Namen des Christus vorausgesagt hatte), als er schrieb:

Frohlocke sehr, du Tochter Zion; jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitend auf einem Esel,   und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. (Sacharja 9,9)

Der langersehnte König sollte offenbart werden in seinem Einzug in Jerusalem – auf einem Eselsfüllen, begleitet von einer laut jubelnden Menschenmenge. Am Tag des triumphalen Einzugs Jesu in Jerusalem – also genau an dem Tag, der von Daniel in seinem „Siebener“-Rätsel vorausgesagt worden war – ritt Jesus auf einem Eselsfüllen in die  Stadt ein. Lukas berichtet über dieses Ereignis:

Und als er sich schon dem Abhang des Ölberges näherte, fing die ganze Menge der    Jünger freudig an, Gott zu loben mit lauter Stimme wegen all der Wundertaten, die sie  gesehen hatten, und sie sprachen: Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Ehre in der Höhe!…

          Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch   auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem      Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen. (Lukas 19,37-42)

In diesem Bericht weint Jesus, weil das Volk den Tag, wie er gemeinsam von Sacharja und Daniel vorausgesagt worden war, nicht erkannte. Und weil sie diesen Tag der Offenbarung Christi nicht erkannten, sollte etwas ganz Unerwartetes geschehen. Daniel sagte in genau demselben Abschnitt, in dem er sein „Siebener“-Rätsel darlegte, Folgendes voraus:

    … Und nach den 62 Wochen wird der Gesalbte ausgerottet [oder: abgeschnitten]   werden, und ihm wird nichts zuteil werden. (Daniel 9,26)

Anstatt den Herrschaftsthron zu besteigen, sollte der Christus „abgeschnitten werden, und ihm wird nichts zuteil werden“. Unter Verwendung dieses Ausdrucks „abgeschnitten werden“ (oder: ausgerottet, weggetan, umgebracht werden, nicht mehr sein; oder einfach „wird sterben“) bezieht Daniel sich auf das Thema des Sprosses, jenes „Schösslings aus dem Baumstumpf Isais, das Jesaja schon lange zuvor angefangen und Jeremiah weiter ausgeführt hatte; dessen Name Sacharja vorausgesagt hatte und dessen Zeit und Beglaubigung gemeinsam von Daniel und Sacharja vorhergesehen wurde. Dieser Spross sollte demnach „abgeschnitten“ werden. Doch wie sollte das geschehen? In unserem nächsten Beitrag kehren wir zu Jesaja zurück, der uns eine anschauliche Beschreibung dazu gibt.

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1) Hinweise durchweg auf Harold W. Hoehner, Chronological Aspects of the Life of Christ Teil VI

Das Zeichen des Sprosses: Hunderte von Jahren vor seiner Geburt mit Namen genannt

Wie in einer vorigen Studie beschrieben, begann Jesaja ein Thema unter dem Sinnbild „der Spross”. Er sagte voraus, dass jemand mit Weisheit und Macht aus dem vergangenen Herrschergeschlecht Davids hervorkommen werde. Jeremia setzte dieses Thema fort, indem er sagte, dass dieser Spross als HERR (eine im Alten Testament gebräuchliche Bezeichnung für Gott) bekannt sein werde.

Sacharja beschreibt den Spross weiter

Slide1 Sacharja lebte um 520 v.Chr., kurz nachdem das jüdische Volk aus seiner ersten Vertreibung nach Babylonien nach Jerusalem zurückgekehrt war, doch unter der Herrschaft der Perser (s.d. die Geschichte der Juden). Zu der Zeit arbeiteten die Juden am Wiederaufbau des Tempels und setzten die mosaischen Bräuche wieder ein. Sacharjas Zeitgenosse war ein Mann namens Jeschua (Josua), der sich als damaliger Hoherpriester um die Wiederaufnahme der gesamten Priesterordnung bemühte. Sacharja der Prophet arbeitete in Partnerschaft mit seinem Amtskollegen, dem Hohenpriester Jeschua, um dem jüdischen Volk Führung zu geben. Im Folgenden lesen wir, was der HERR – durch Sacharja – in einem prophetischen Rätsel – über den genannten Jeschua zu sagen hatte:

            Höre doch, Jeschua, du Hoherpriester! Du und deine Gefährten, die vor dir sitzen, ja, ihr seid Männer, die als Zeichen dienen! Denn siehe, ich lasse meinen Knecht, Sproß [genannt],   kommen. Denn siehe, der Stein, den ich vor Jeschua gelegt habe – …, spricht der Herr der  Heerscharen, und ich werde die Sünde dieses Landes an einem einzigen Tag entfernen!       (Sacharja 3,8-9; Schachter 2000)

Der Spross! Hier erscheint er wieder! Aufbauend auf dem Sinnbild, das anfänglich 200 Jahre zuvor von Jesaja verwendet und 60 Jahre zuvor von Jeremia weiter benutzt wurde, nimmt Sacharja dieses Thema “Spross” wieder auf. Aber diesmal wird der Spross auch „mein Knecht” genannt. In gewisser Hinsicht galt der Hohepriester Jeschua in Jerusalem, Amtskollege Sacharjas um 520 v.Chr., als Sinnbild dieses kommenden Sprosses. Aber auf welche Weise? Es heißt, dass der HERR „an einem einzigen Tag” die Sünde entfernen wird. Dies steht im Zusammenhang mit der Erlangung von „Gerechtigkeit”. Wir erlangen „Gerechtigkeit”, indem der HERR „an einem einzigen Tag” unsere Sünden entfernt. Wie sollte das geschehen?

Der Spross: Priester und König in einer Person

Nach drei weiteren Kapiteln in Sacharja erfahren wir etwas Erstaunliches. Um das folgende prophetiche Rätsel verstehen zu können, müssen wir wissen, dass die Rollen eines Priesters und eines Königs im Alten Testment streng voneinander getrennt wurden. Keinem der davidischen Könige war es erlaubt, gleichzeitig auch Priester zu sein (einige gerieten beim Versuch, es trotzdem zu wagen, in Schwerigkeiten). Umgekehrt gerieten auch Priester in Schwierigkeiten, wenn sie sich in königliche Intrigen einließen. Es war die Aufgabe eines Priesters, Mittler zwischen Gott und Menschen zu sein, indem er Gott Tieropfer zur Vergebung von Sünden darbrachte, während es Aufgabe eines Königs war, vom Thron aus mit Gerechtgkeit zu herrschen. Beide waren äußerst wichtig; beide unterschieden sich voneinander. Dennoch schrieb Sacharja mit Blick auf die Zukunft:

               Und das Wort des Herrn erging an mich folgendermaßen: Nimm … Silber und Gold und mache eine Krone daraus und setze sie   Jeschua, dem Sohn Jozadaks, dem Hohenpriester, aufs Haupt! Und du sollst zu ihm reden und sagen: So spricht der Herr der Heerscharen: Siehe, ein Mann, dessen Name »Sproß«ist, denn er wird aus seinem Ort hervorsprossen und den Tempel des Herrn bauen. … und er wird Herrlichkeit [als Schmuck] tragen und auf seinem Thron sitzen und herrschen, und er wird Priester sein auf seinem Thron, und der Rat des Friedens wird zwischen beiden bestehen. (Sacharja 6,9-13)

Wieder ist hier die Rede vom Spross. Jetzt aber, entgegen allen bisherigen Präzedenzfällen, soll der Hohepriester (Jeschua/Josua) aus Sacharjas Zeit (symbolisch) die Königskrone tragen. Erinnern wir uns, dass Jeschua (Josua) in Sacharja 3 (s. oben) als ein „Zeichen” zukünftiger Dinge diente. Könnte es sein, dass Jeschua (Josua) der Hohepriester „zeichenhaft” die Zusammenlegung der Königs- und Priesterwürde andeutete, indem ihm die Königskrone aufgesetz wurde? Diese beiden Rollen sollten eines Tages in einer Person vereint werden! Zudem wollen wir beachten, dass eben jener Name des Hohenpriesters – Jeschua/Josua – der Name des Sprosses ist. Was hatte das zu bedeuten?

Der Name „Jeschua” (oder Josua) IST der Name „Jesus”.

In dieser Hinsicht ist es notwendig, Rückschau über die Geschichte der Übersetzungen des Alten Testaments zu halten. Um das Jahr 250 v.Chr. wurde das hebräische Alte Testament ins Griechische übersetzt. Diese Übersetzung, Septuaginta (oder LXX) genannt, ist heute noch im Umlauf. Wie wir zuvor gesehen haben, wurde der Titel „Christus” (latinisiert von griech. „Christos”) in dieser griechischen Übersetzung zum ersten Mal gebraucht, wobei „Christus” = „Messias” = „Gesalbter” bedeutet. (Falls nötig, können Sie diese Studie hier einsehen; denn sie ist für die folgenden Ausführungen entscheidend.) Slide1 In genau derselben Weise, wie wir zur Übersetzung des Namens „Christus” gelangten, kommen wir zu den etymologischen Ableitungen des Namens „Josua”. Wie die obige Textbox anzeigt, ist „Josua” eine Transkription oder Transliteration des ursprünglich hebräischen Namens „Jehoschua”, bei dem es sich um einen gewöhnlichen hebräischen Namen handelt, der soviel wie „JHWH ist Rettung” bedeutet. So (s. Feld Nr. 1) bezeichnete Sacharja um 520 v. Chr. den Namen des Sprosses. Dieser Name wurde im Alten Testament mit „Jeschua” bzw. „Josua” wiedergegeben, als es ins Deutsche übersetzt wurde (s. unteres Feld Nr. 3). Auch die Übersetzer der LXX (Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische um 250 v. Chr.) transkibierten diesen Namen in derselben Weise. Ihre griechische Wiedergabe war Ἰησοῦς  (in lat. Buchstaben Iesous; s. Feld Nr. 2). Somit heißt der „Jehoshua” des Alten Testaments „Iesous”in der LXX.Jesus hieß bei seinen Zeitgenossen sicherlich „Jehoshua”; als aber die neutestamentlichen Verfasser seinen Namen im griechischen Neuen Testament schrieben, verwendeten sie den ihnen aus der LXX geläufigen Namen „Iesous”. Bei der Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen ins Deutsche wurde „Iesous” dann (nochmals) transkibiert, und zwar zu dem uns vertrauten „Jesus” (s. unteres Feld Nr. 3). Das heißt also, dass der Name „Jesus” = „Josua” ist. Sowohl der Jesus des Neuen Testaments sowie Josua der Hohepriester aus dem Jahr 520 v.Chr. hießen in ihrer hebräischen (bzw. aramäischen) Muttersprache „Jehoshua”. Im Griechischen werden beide „Iesous” genannt. Einem griechischen Leser der alttestamentlichen LXX-Übersetzung wäre also der Name „Iesous” (Jesus) vom Alten Testament her geläufig. Im Deutschen (wie im Englischen, Französischen und anderen Sprachen) geht diese klare Verbindung verloren, da der Name „Jesus” wie aus der Luft gegriffen erscheint. Aber dennoch hat der Name „Jesus” eine exakte alttestamentliche Entsprechung, nämlich „Josua”.

Jesus von Nazareth ist der Spross

Angesichts dieses Zusammenhangs ist die Prophezeiung Sacharjas für uns ein direkter Volltreffer. Wir sehen hier eine Vorhersage aus dem Jahr 520 v.Chr., dass der Name des zukünftigen Sprosses „Jesus”lauten wird! Als mir das klar wurde, musste ich einfach aufhorchen. Für mich konnte das kein „reiner Zufall” sein. Hier war (und ist immer noch) eine Prophezeiung, die den kommenden Zweig (Spross) beim Namen nannte; und dieser Name weist uns direkt auf Jesus von Nazareth hin. Dieser kommende Jesus sollte, gemäß Sacharja, die Königs- und Priesterrollen in sich vereinigen. Was war die Aufgabe der Priester? Im Namen des Volkes brachten sie Gott Opfer zur Vergebung der Sünden dar. So wie Abraham mit seinem Opfer auf dem Berg Morija, und Mose mit seinem Passahlamm-Opfer, bedeckte der Priester die Sünden des Volkes durch die Tieropfer. Der kommende „Jesus” sollte eine ähnliche Rolle ausüben und so „die Sünde dieses Landes an einem einzigen Tag entfernen”und zwar an demTag, an welchem dieser zukünftige Priester Jesus sich selbst als Opfer darbrachte, wie es bereits auf dem Berg Morija und zur Jahreszeit des Passahfestes symbolisch dargestellt worden war. Einige Zeit nach Erfüllung seiner Rolle als Priester sollte dieser Spross Jesus seinen Thron besteigen (gemäß Psalm 2) und somit „Priester sein auf seinem Thron” – wie es um 500 Jahre zuvor, ehe Jesus auf dieser Erde wandelte, von Sacharja genau, präzise und nachweislich erklärt hatte. Dieses hohe Niveau ineinandergreifender prophetischer Vorhersagen ist nichts weniger als  erstaunlich. Gibt es irgend jemand anderen in der gesamten Menschheitsgeschichte, dessen Leben auch nur im Entferntesten so vorausgesagt wurde, wie es bei Jesus von Nazareth durch die verschiedenen alttestamentlichen Propheten der Fall war. Einige Kritiker argumentieren, dass Jesus die alttestamentlichen Prophezeiungen nur dadurch „erfüllte”, dass die Verfasser der Evangelien die Lebensgeschichte Jesu einfach dem Alten Testament anpassten. Sacharjas Namensnennung des Sprosses als Jesus widerlegt dies aber, zudem der Name „Jesus” auch außerhalb der Evangelien schriftlich belegt ist. Der jüdische Talmud, Josephus und alle weiteren Historiker, die über Jesus geschrieben haben, sowohl Freunde wie Feinde, nennen ihn stets „Jesus” oder „Christus”. Man könnte das zwar vermutlich so wegdiskutieren, dass „Jesus” doch schließlich ein halbwegs allgemeiner jüdischer Name gewesen ist – gewiss gab es andere in der jüdischen Geschichte, die Jesus hießen –, so dass es sich hier einfach um eine zufällige Namenswahl handelte. Aber überdenken wir einmal die Laufbahn dieses Jesus von Nazareth. Er hat sich ja selbst als König bezeichnet; sogar als den König. Dennoch war alles, was er in seinem Leben auf Erden vollbrachte, priesterlicher Natur. Es war Aufgabe des Priesters, im Namen eines jüdischen Gottesanbeters ein Lamm zu nehmen und Gott zum Opfer darzubringen; und der Tod und das Blut des Lammes galt als Sühne für die Sünde und Schuld der jüdischen Person. Der Tod Jesu hatte seine Bedeutung darin, dass er ebenfalls ein an unserer Stelle Gott dargebrachtes Opfer war. Sein Tod ist die Sühnung für die Sünde und Schuld eines jeden Menschen, der Jesu Opfer bereitwillig annimmt. Die Sünde des Landes wurde buchstäblich, wie Sacharja vorausgesagt hatte, „an einem einzigen Tag” entfernt – an dem Tag, als Jesus starb. In seinem Leben bezog er sich auf seine zukünftige Königsrolle, während er alle Erfordernisse eine Priesters erfüllte. So brachte er den „Rat des Friedens (Harmonie und Einheit) zwischen beiden” Rollen zustande. Der Spross, der vor langer Zeit von David der „Messias” genannt wurde, ist in der Tat der Priester-König. Und seine Name wurde 500 Jahre vor seiner Geburt durch Sacharja vorhergesagt. Die Erschließung des Themas „Spross” im Alten Testament sollte uns mit Staunen und Wunder erfüllen. Doch es endet damit noch nicht. Ein weiterer alttestamentlicher Verfasser, eingeschoben zwischen Jeremia und Sacharja, sagte nämlich auch die Zeit seines Kommens voraus. Das wollen wir als Nächstes betrachten.