Archiv der Kategorie: häufig gestellte Fragen

Die Noah-Kontroverse: Wäre eine Sintflut* denkbar?

(* Das deutsche Wort “Sintflut” hat nichts mit “Sünde” zu tun, sondern enthält die germanische Vorsilbe “sin-“, die u.a. so viel wie “andauernd” oder “umfassend” bedeutet, also eine “weltweite Flut” bezeichnet.)

 

Russell Crowe in "Noah"

Russell Crowe in „Noah”

Seit kurzem gibt es in den Kinos weltweit den mit Spannung erwarteten Kassenhit von 2014: „Noah”. Um diesen Film gibt es nicht nur einen Mordsrummel, sondern auch einen großen Meinungsstreit. Kritiker hinterfragen, wie bibelgetreu denn die Plotline der Filmhandlungen überhaupt sei – wobei Russell Crowe (der Noah-Hauptdarsteller) vergeblich versuchte, die persönliche Zustimmung des Papstes für den Film zu erlangen. In der islamischen Welt haben mehrere Länder den Film verboten, da er einen ihrer Propheten bildlich darstellt – was nach Auslegung der meisten Islamisten unerlaubt ist. Doch alle diese Streitfragen sind nur geringfügiger Art verglichen mit der viel tiefer gehenden und schon länger andauernden Kontroverse, ob es denn eine solche weltweite Flut überhaupt gegeben habe. Das ist eine Frage, die es sich zu untersuchen lohnt.

Es ist wohl allgemein bekannt, dass es in vielen Kulturen der Welt eine Erinnerung an eine große Flut gibt. Es existiert somit eine gewisse anthropologische Beweisführung für ein solches Ereignis. Gibt es aber auch physische Hinweise auf eine noachidische Sintflut in unserer heutigen Welt?

Die Flutwellenkraft der Tsunamis

Tsunami

Ein Tsunami verwüstet die Küste Japans im Jahr 2011.

Untersuchen wir einmal, was eine solche Flut auf der Erde anrichten würde. Mit Sicherheit dürfte eine Flut diesen Ausmaßes unvorstellbare Wassermengen mit sich führen, die sich mit großer Geschwindigkeit und Tiefe über kontinentale Entfernungen hinweg ausbreiten würden. Große Wassermengen, gepaart mit großer Geschwindigkeit entwickeln eine ziemlich hohe kinetische Energie (KE = Masse * Geschwindigkeit² / 2 oder E = m * v² / 2).  Aus diesem Grund sind Fluten so zerstörerisch. Beim Anblick der Bilder vom Tsunami, der 2011 Japan verwüstete, konnte man sehen, wie die kinetische Wasserenergie großflächige Schäden anrichtete, wobei die Fluten scheinbar mühelos größere Objekte wie Autos, Häuser, Schiffe und Boote mitreißen konnten – sogar die in ihrem Pfad befindlichen Atommeiler.

Tsunami 2

Dieser Tsunami zeigte, wie die Energie einiger weniger “großer” Wellen fast alles, was sich in seinem Pfad befand, zerstören konnte.

 

Tsunami 3

Fluten und Sedimentgestein

Flood

Ein reißender Strom in Ecuador. Das schnell fließende Wasser ist braun von Sedimenten – aufgewirbelten Ablagerungen.

Wenn sich die Geschwindigkeit des Wassers erhöht, fängt es an, Ablagerungen, bestehend aus Teilchen von Schmutz, Sand, Steinen und Felsbrocken, aufzuwirbeln und mitzureißen.

Map

Eine Luftaufnahme aus New England zeigt braune Wasserfluten, die in den Atlantik eindringen. Sie sind braun wegen der mitgeführten Sedimente.

Sedementary
Sedimente lagern sich je nach Partikelgröße ab, selbst bei Basis- oder Grundwasserabfluss.

Wenn Wasser langsamer läuft und seine kinetische Energie verliert, lagern sich die Sedimente in Schichten ab, aus denen bestimmte Gesteinsarten resultieren.

Sedementary with tape measure

Sedimente vom japanischen Tsunami von 2011 zeigen pfannkuchenartige Schichten – das Kennzeichen von Sedimentgestein – Felsengestein, das durch Wasserablauf gestaltet wurde. – Aus einer British Geological Survey Webseite

mud and ash

Sedimentgestein von einem Tsunami, der in Japan A.D. 859 Verwüstungen anrichtete. Er resultierte ebenfalls in Ablagerungsschichten von 20-30 Zentimetern. – Aus einer British Geological Survey Webseite

Diese Gesteinsart nennt sich Sedimentgestein (oder auch Absatz-, Ablagerungs- oder Schichtgestein), leicht erkennbar an den typischen pfannkuchenartigen, über einander gelagerten Schichten von ca. 20cm Stärke. Im Bild sieht man die Schichten von ca. 20cm (im Zentimetermaß), die sich nach dem verheerenden Tsunami von 2011 in Japan ablagerten.

Tsunamis und Flussüberflutungen hinterlassen ihre typischen Merkmale in solchen sedimentären Ablagerungen, wenn die Fluten längst zurückgegangen sind und die Lage sich wieder normalisiert hat.

Sedimentschichten rund um die Erde

Gibt es denn sedimentäres Gestein, das in ähnlicher Weise auf eine noachidische Sintflut hindeutet, wie sie die Bibel beschreibt? Wenn man diese Frage stellt und sich einmal umsieht, wird man sehen, dass unser Planet von sedimentärem Gestein buchstäblich bedeck ist. Man kann diese Art von Pfannkuchenschichten bei vielen Autobahn- und ähnlichen Durchbrüchen feststellen. Was dieses sedimentäre Gestein von den durch den verheerenden japanischen Tsunami 2011 entstandenen geologischen Schichten unterscheidet, ist das schiere Ausmaß – sowohl flächenmäßig über den gesamten Erdball als auch vertikal in die Tiefe gehend. Nachfolgend einige Fotos von Sedintargestein, die ich auf meinen Reisen aufgenommen habe.

Sedimentgestein von einem Tsunami, der in Japan A.D. 859 Verwüstungen anrichtete. Er resultierte ebenfalls in Ablagerungsschichten von 20-30 Zentimetern. – Aus einer British Geological Survey Webseite

Sedimentäre Formationen im Hinterland von Marokko. Sie erstrecken sich über viele Kilometer und sind vertikal hunderte von Metern dick.

 

Sedimentgestein in Joggins, Nova Scotia. Die Schichten sind in einem Winkel von ungefähr 30 Grad gelagert, mit einer vertikalen Stärke von über einem Kilometer.

Sedimentgestein in Joggins, Nova Scotia. Die Schichten sind in einem Winkel von ungefähr 30 Grad gelagert, mit einer vertikalen Stärke von über einem Kilometer.

 

Das so genannte Eskarpment (Steilhang) bei Hamilton, Ontario, Kanada, zeigt vertikales Sedimentgestein von vielen Metern Dicke. Dies ist ein Teil des Niagara-Eskarpments, das sich über Hunderte von Kilometern erstreckt.
Das so genannte Eskarpment (Steilhang) bei Hamilton, Ontario, Kanada, zeigt vertikales Sedimentgestein von vielen Metern Dicke. Dies ist ein Teil des Niagara-Eskarpments, das sich über Hunderte von Kilometern erstreckt.
Diese sedimentäre Formation bedeckt einen Großteil Noramerikas.
Diese sedimentäre Formation bedeckt einen Großteil Noramerikas.

 

              

 

 

 

 

Sedimentäre Formationen auf einer Fahrt durch den Mittelwesten der USA
Sedimentäre Formationen auf einer Fahrt durch den Mittelwesten der USA

 

Die (kaum sichtbaren) Autos lassen einen Vergleich mit diesen Sedimentschichten zu.

Die (kaum sichtbaren) Autos lassen einen Vergleich mit diesen Sedimentschichten zu.

 

Die Sedimentformationen erstrecken sich immer weiter und weiter...
Die Sedimentformationen erstrecken sich immer weiter und weiter…

 

Sedimentformationen im Bryce Canyon im Mittelwesten der USA

Sedimentformationen im Bryce Canyon im Mittelwesten der USA

 

Sich auftürmende Sedimentformationen aufgenommen auf der Fahrt durch den Mittelwesten der USA
Sich auftürmende Sedimentformationen aufgenommen auf der Fahrt durch den Mittelwesten der USA

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

Kontinentalweite Ausdehnung der sedimentären Schichten im US-amerikanischen Mittelwesten. Mehrere Kilometer dick erstrecken sie sich über hunderte von Kilometern. Aufnahme aus 'Grand Canyon: Monument to Catastrophe' von Dr. Steve Austin

Kontinentalweite Ausdehnung der sedimentären Schichten im US-amerikanischen Mittelwesten. Mehrere Kilometer dick erstrecken sie sich über hunderte von Kilometern. Aufnahme aus ‘Grand Canyon: Monument to Catastrophe’ von Dr. Steve Austin

Wenn also schon ein Tsunami, der solche Verwüstungen anrichtete wie der in Japan, Ablagerungen von mehreren Zentimetern Stärke hinterlässt, die sich einige Kilometer weit ins Inland erstrecken, muss man doch fragen: Welcher Mechanismus steckt hinter den gigantischen und kontinentalweiten Sedimentformationen, die man fast um den ganzen Erdball herum vorfinden kann (einschließlich des Meeresbodens), die zudem eine vertikale Dicke von hunderten von Metern aufweisen und sich flächenmäßig über tausende von Kilometern erstrecken? Könnte es sich bei diesem Sedimentgestein nicht um das authentische Merkmal der noachidischen Sintflut handeln?

Schnellablagerung von Sedimentformationen

Niemand behauptet, dass unser Planet nicht von Sedimentgestein von gewaltigem Ausmaß bedeck ist. Die Frage ist nur, ob dieses Sedimentgestein durch ein einziges Ereignis (d.h. Noahs Sintflut) abgelagert wurde oder ob mehrere kleinere Naturkatastrophen (vom Ausmaß des japanischen Tsunamis von 2011) über lange Zeiten hin, unterbrochen von erheblichen Zeitintervallen, diese massiven Formationen aufgebaut haben. Die nachstehende Zeichnung illustriert die letztere Vorstellung:

Rapid deposition

Schnellablagerung durch Naturkatastrophen Time Passes= Zeitspanne
Bildliche Darstellung, wie weitläufige Sedimentformationen, abgesehen von Noahs Sintflut, entstanden sein könnten

                                                                                            

Wie man sehen kann, wird in diesem Model der Sedimentformation (fachsprachlich Neo-Katastrophismus genannt) eine Serie von Ereignissen, die umwälzende Ablagerungen mit sich bringen, jeweils von längeren Zeitspannen unterbrochen. Diese Ereignisse lagern eine Sedimentschicht über die vorhergehende ab, so dass sich in der Zeitenfolge die riesigen Formationen aufbauen, wie man sie heute in aller Welt beobachten kann.

Erdbodenformation und Sedimentschichten

PEI
Sedimentgestein auf der Prince Edward Island. Man kann erkennen, wie sich auf den Gesteinsschichten ein Erdbodenbelag gebildet hat. Man sieht somit, dass nach Entstehung der Schichten durch eine Flut eine ziemliche Zeitspanne vergangen sein muss.

Gibt es irgendwelche echten Messwerte in der Welt, die uns helfen könnten, zwischen diesen beiden Modellen zu unterscheiden? Das ist in der Tat gar nicht so schwierig zu erkennen. Wie wir vorher sehen konnten, sind auf vielen dieser Sedimentformationen Erdbodenschichten entstanden. Somit haben wir einen physischen und beobachtbaren Hinweis auf ein Zeitintervall nach einem sedimentären Ereignis, indem eine obenauf liegende Erdbodenschicht entstanden ist. Erdboden hat bestimmte Horizonte (genannt Horizont A – oftmals dunkler mit organischem Material; und Horizont B – mit mehr Mineralien; usw.).

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Eine dünne Erdbodenschicht (mit Baumbestand) hat sich über dem Sedimentgestein im Mittelwesten der USA gebildet. Das beweist, dass dieses Sedimentgestein bereits lange Zeit vorher enstanden ist.

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Die Erdbodenschicht ist deutlich sichtbar über dem Sediementgestein im US-amerikanischen Mittelwesten. Das Gestein hat sich somit schon einige Zeit zuvor dort abgelagert.

Sedimentschichten, die einen neuen Meeresboden bilden, werden zunehmend von Lebenszeichen markiert. Wurmlöcher, Muscheltunnel und andere Lebenszeichen (genannt Bioturbation) liefern deutliche Anzeichen von Leben und von vergangenen Zeiträumen seit der Ablagerung der Schichten auf dem Meeresboden.

Lebensformen am Boden flacher Seen oder Meere lassen bereits nach einem ziemlich kurzen Zeitraum ihr Vorhandensein erkennen. Dies ist die so genannte Bioturbation.

Lebensformen am Boden flacher Seen oder Meere lassen bereits nach einem ziemlich kurzen Zeitraum ihr Vorhandensein erkennen. Dies ist die so genannte Bioturbation.

 

 

Rapid deposition 2

Man testet das Modell der Katastrophensequenzen, indem man an den Zeitspannenbegrenzungen nach Hinweisen auf Erdbodenformationen oder Bioturbation sucht.

 Dieser Einblick erlaubt es uns, Hinweise auf eine etwaige Erdbodenformation oder Bioturbation bei diesen “Zeitspannen”-Begrenzungen zwischen den Schichten vorzufinden. Schließlich besagt dies Modell, dass diese Zeitspannenbegrenzungen für einen bedeutsamen Zeitraum, entweder an Land oder unter Wasser, freiliegende Oberflächen waren. In solchen Fällen darf man wohl annehmen, dass einige dieser Oberflächen Hinweise auf Erdboden- oder Bioturbationsentwicklung aufzeigen. Wurden diese Zeitgrenz-Oberflächen durch folgende Sedimentereignisse bedeckt, so hätten letztere auch den darunter liegenden Erdboden oder die Bioturbation begraben. Schauen wir uns noch einmal die obigen und nachfolgenden Fotos an. Können wir in ihnen Hinweise entweder auf Erdbodenformation oder Bioturbation erkennen?

 

 In dieser Sedimentformation im Mittelwesten der USA gibt es keine Hinweise auf irgendwelche Erdbodenschichten oder auf Bioturbation.
In dieser Sedimentformation im Mittelwesten der USA gibt es keine Hinweise auf irgendwelche Erdbodenschichten oder auf Bioturbation.

 

Es gibt keine Hinweise auf Erdbodenschichten oder auf Bioturbation im obigen und unteren Foto. Schauen wir uns noch einmal das Foto vom Hamilton-Eskarpment an, so sehen wir ebenfalls keine Hinweise auf Bioturbation oder Erdbodenformation. Aus diesen Fakten schließen wir, dass sich die untersten Formationen fast zeitgleich mit den obersten abgelagert haben. Dennoch erreichen diese Formationen eine Tiefe von 50 bis 100 Metern.

GE DIGITAL CAMERA

Verwerfungen im Sedimentgestein 

 

Sedimentschichten, die 1980 am Mount Saint Helens (im US-Staat Washington) entstanden sind, waren 1983 bereits bröckelig geworden. Aus: 'Grand Canyon: Monument to Catastrophe' von Dr. Steve Austin
Sedimentschichten, die 1980 am Mount Saint Helens (im US-Staat Washington) entstanden sind, waren 1983 bereits bröckelig geworden. Aus: ‘Grand Canyon: Monument to Catastrophe’ von Dr. Steve Austin

Wenn Sedimentschichten in fließendem Wasser entstehen, werden sie anfänglich vom Wasser durchdrungen und somit ziemlich flexibel. Sie sind verformbar. Aber es dauert nur ein paar Jahre, bis diese Sedimentschichten austrocknen und sich verhärten. Wenn das geschieht, werden sie brüchig, wie man aus den Ereignissen um den Vulkanausbruch von Mount Saint Helens 1980 und dem im Jahr 1983 folgenden Seedurchbruch lernen konnte.

 

Wenn brüchiges Gestein verformt wird, zerbröckelt es. Dieses Prinzip lässt sich am nebenstehenden Bild verdeutlichen.
Tension Kompression: Wenn brüchiges Gestein verformt wird, zerbröckelt es. Dieses Prinzip lässt sich am nebenstehenden Bild verdeutlichen.

 

 

 

 

 

Man kann diese Art von Gesteinszerbröckelung am Niagara-Eskarpment beobachten. Nach Ablagerung der Sedimente wurden diese brüchig; und als dann eine geologische Aufschiebung erfolgte, wurden einige Sedimente hoch geschoben, wobei etliche von ihnen unter dem schieren Druck zerbröckelten. So wurde das Niagara-Eskarpment gebildet, das sich über hunderte von Kilometern erstreckt.

 

Das Niagara-Eskarpment ist Sedimentgestein, das unter dem schieren Druck von unten zerbröckelte und als Verwerfung nach oben geschocben wurde
Das Niagara-Eskarpment ist Sedimentgestein, das unter dem schieren Druck von unten zerbröckelte und als Verwerfung nach oben geschocben wurde

 

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Das Niagara-Eskarpment ist eine geologische Aufschiebung über hunderte von Kilometern hinweg.

Das Niagara-Eskarpment ist eine geologische Aufschiebung über hunderte von Kilometern hinweg.

Wir wissen, dass die Aufschiebung, die das Niagara-Eskarpment bildete, erst geschah, nachdem dieses Sedimentgestein brüchig wurde. Somit gab es ein Zeitintervall zwischen der Ablagerung der Gesteinsschichten und der Aufschiebung, die den Steilhang bildete. Die Zeitspanne zwischen diesen Ereignissen war demnach mindestens lang genug, so dass die Schichten erst hart und dann brüchig werden konnten – was keine Äonen dauert, obschon wenigstens ein paar Jahre Zeit dazu nötig sind.

Das nachfolgende Foto zeigt großflächige Sedimentformationen, die ich in Marokko fotografieren konnte. Man sieht, wie die Schichtenformation im Ganzen verbogen wird. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Schichten in Tension (Zerreißkraft) oder in Scherkraft (seitlicher Verwerfung) zerbröckelt wurden. Die gesamte Formation muss daher bei der Verwerfung noch flexibel gewesen sein. Wenn es aber nur ein paar Jahre dauert, bis Sedimentgestein brüchig wird, so bedeutet es, dass es hier keine bedeutsame Zeitspanne zwischen der Formation der unteren und der oberen Schichten gegeben hat. Wenn nämlich ein größerer Zeitraum in diesen Schichten vergangen wäre, so wären die früheren Schichten brüchig geworden und zerbröckelt, anstatt sich bei der Verwerfung der Formation nur zu verbiegen.

Sedimentformationen in Marokko. Die gesamte Formation verbiegt sich als Einheit und beweist damit, dass sie bei der Verwerfung noch flexibel (antsatt trocken und brüchig) gewesen sein muss. Das wiederum deutet daruf hin, dass es von den unteren zu den oberen Schichten keine nennenswerte Zeitspanne bei der Formation gegeben hat.
Sedimentformationen in Marokko. Die gesamte Formation verbiegt sich als Einheit und beweist damit, dass sie bei der Verwerfung noch flexibel (antsatt trocken und brüchig) gewesen sein muss. Das wiederum deutet daruf hin, dass es von den unteren zu den oberen Schichten keine nennenswerte Zeitspanne bei der Formation gegeben hat.

 

(Nebenstehendes Bild bezieht sich auf das Kaibab-Plateau nördlich des Grand Canyon im US-Staat Colorado. Die Bezeichnung “my” bedeutet “Myria-“, d.h. 10.000 einer vorgegebenen Maßeinheit.)

Schema der Monoklinalfalte (Aufschiebung) beim Grand Canyon. Es zeigt, dass sie vertikal um ungefähr 1.600m hochgeschoben wurde. - Adaptiert aus "The Young Earth" von Dr. John Morris

Schema der Monoklinalfalte (Aufschiebung) beim Grand Canyon. Es zeigt, dass sie vertikal um ungefähr 1.600m hochgeschoben wurde. – Adaptiert aus “The Young Earth” von Dr. John Morris

Dieselbe Art Verbiegung kann man im Grand Canyon beobachten. Irgendwann in der Vergangenheit gab es eine Aufwölbung (technisch Monokline genannt), ähnlich wie beim Niagara-Eskarpment, wobei eine Schichtenseite vertikal um ca. 1600 Meter angehoben wurde (ersichtlich aus der Erhebung mit einem Unterschied von 7000 Fuß [≈ 2.135m], verglichen mit nur 2000 Fuß [≈ 610m] auf der entgegengesetzten Seite der Aufwölbung). Doch die Schichten sind hier nicht zerbröckelt (anders als beim Niagara-Eskarpment). Stattdessen verbogen sie sich sowohl in der unteren wie der oberen Formation. Ein Hinweis darauf, dass sie während der gesamten Formation noch flexibel und nicht brüchig waren.

Verbiegung in der Tapeats-Schicht, der unteren Schicht der Sedimentformation im Grand Canyon. Aus: 'Grand Canyon: Monument to Catastrophe' von Dr. Steve Austin

Verbiegung in der Tapeats-Schicht, der unteren Schicht der Sedimentformation im Grand Canyon. Aus: ‘Grand Canyon: Monument to Catastrophe’ von Dr. Steve Austin

Das weist darauf hin, dass das Zeitintervall von der untersten bis zur obersten Schicht eine zeitliche Obergrenze von zwei Jahren hatte (Zeitdauer für Sedimentschichten, hart und brüchig zu werden).

Noahs Sintflut im Gegensatz zur Flut auf dem Mars

Die Vorstellung einer tatsächlich geschehenen noachidischen Sintflut ist natürlich ziemlich kontrovers; und in diesem Artikel kann ich nicht alle Probleme, die sich daraus ergeben, abdecken. Aber ich hoffe, dass ich das später einmal nachholen kann.

 

Sedimentation und Überflutung auf dem Mars?
Sedimentation und Überflutung auf dem Mars?

 

 

Zumindest ist es jedoch aufschlussreich, über eine Ironie unserer heutigen Zeit nachzudenken. Wegen der Kanäle und offensichtlicher Ablagerungen, die auf dem Mars sichtbar sind, wird lebhaft postuliert, dass es auf dem Mars einst eine alles bedeckende Flut gegeben habe. Das große Problem mit dieser Theorie ist nur, dass man bisher noch kein Wasser auf dem Roten Planeten gefunden hat. Aber für die Erde, obwohl sie zu zwei Dritteln mit Wasser bedeck ist – und tief genug, um unseren ganzen Erdball bis zu 1.600 Metern zu bedecken, wenn die Tiefseegräben erhöht und die Landgebirge geebnet würden, so dass die Welt weniger topografische Unterschiede aufwiese – und obschon sie von kontinentweiten Sedimentformationen bedeck ist, die (wie man durch physische und beobachtbare Anzeichen erkennen kann) ziemlich schnell in einem verheerenden Kataklysmus abgelagert wurden, wird es fast als Irrlehre NASA picbetrachtet, wenn jemand behauptet, dass eine solche Sintflut sich jemals auf unserem Planeten hätte ereignen können. Wenn das kein Doppelmaßstab ist! Auch wenn wir uns diesen Russell-Crowe-Noah-Film als bloße Wiederaufführung eines Mythos ansehen könnten, der als Hollywood-Drehbuch verfasst wurde, sollten wir vielleicht doch näher hinsehen und in Betracht ziehen, ob die Steine selbst nicht schreien und von dieser auf ihnen verzeichneten Geschichte Zeugen sind!

 

Vollkommene Einfachheit-Was bedeutet Jesu Opfer?

Jesus kam, um sich selbst für alle Völker zu opfern. Diese Nachricht wurde am Anfang der menschlichen Geschichte angesagt, bekräftigt durch Abrahams Opfer, in dem Opfer des Passahmahls und weiteren Einzelheiten vorausgesagt durch Prophezeihungen im Alten Testament. Das Echo dieses einmaligen Versprechens ist sogar in der alten chinesichen bekannt.  Die Bibel sagt:

 Weshalb war sein Tod so wesentlich, daß er so wichtig wurde? Wollen wir über diese Frage nachdenken. Die Bibel nennt etwas Ähnliches wie ein Gesetz, wenn es heißt: Die Sünde belohnt mit dem Tode (Römer 6, 23).

Wörtlich genommen, bedeuted Tod die Trennung. Wenn die Seele vom Körper getrennt wird, tritt der körperliche Tod ein. In ähnlicher Weise ist die Trennung von Gott. Diese Behauptung stimmt, weil Gott heilig (ohne Sünde) ist, während wir durch den Sündenfall verdorben sind und deshalb sündigen.

Gott heilig ist, daher sünde belohnt mit dem Tode

Gott heilig ist, daher sünde belohnt mit dem Tode

In dieser Zeichnung sehen wir, daß der Mensch auf einem Abhang steht und Gott auf der anderen Seite der Kluft auf einem Abhang steht, der von unserem getrennt ist. Wir sind von Gott durch unsere Sünde getrennt wie die Kluft zwischen den zwei Abhängen. So wie ein Ast, der vom Baumstamm getrennt wurde, tot ist, so haben wir uns von Gott getrennt und sind geistlich tot. Aus dieser Trennung kommt Schuld und Angst. Also versuchen wir, eine Brücke zu bauen, die uns von der Seite des Todes zu Gottes Seite bringt. Dieses kann auf verschiedene Arten geschehen: man kann zur Kirche, Tempel, Moschee gehen, man kann meditieren, mehr beten u.s.w. Eine solche Liste guter Vorhaben kann für Manche sehr lang werden. Sie in die Tat zu versetzen, kann kompliziert werden. Diese Tatsache zeigen wir durch die folgende Zeichnung:

Religiösen und moralischen Anstrengungen nicht ausreichen, um Gott zu erreichen

Religiösen und moralischen Anstrengungen nicht ausreichen, um Gott zu erreichen

Obwohl unser Bemühen, Opfer, Enthaltsamkeit u.s.w. nicht schlecht sind, sind sie nicht genügend. Die benötigte Zahlung (der Lohn) für unsere Sünden ist der Tod., Unsere Bemühungen sind wie eine Brücke, die versucht, die beiden Teile, die uns von Gott trennen, zu verbinden, aber schließlich doch nicht ausreicht, um die Verbindung herzustellen. Obwohl die religiösen oder moralischen Taten nicht schlecht sind, können sie die Wurzel des Problems nicht lösen. Der folgende Vergleich wird das besser erklären: Jemand hat Krebs, der tödlich ist, und will ihn durch vegetarisches Essen heilen. Das vegetarische Essen ist nicht schlecht, aber um den Krebs zu heilen, muß man eine andere Behandlung gebauchen.

Bis jetzt ist dieses Gesetz schlechte Nachricht; es ist so schlecht, daß wir es oft nicht hören wollen und oft unser Leben mit Aktivität füllen, um uns von dem Problem abzulenken. Doch wie eine Medizin fur Krebs mehr an Bedeutung gewinnt, wenn wir die Diagnose bekommen, daß wir wirklich Krebs haben, so betont die Bibel das Gesetz der Sünde und Tod, um in uns das Interesse für die Heilung zu wecken, die so einfach ist und doch so wirksam ist.

 “Sünde belohnt mit dem Tode, aber ….. “(Römer 6, 23)

 Das kleine Wort “aber” weist darauf hin, daß der erste Teil des Satzes eine entgegengesetzte Richtung bekommt, die der guten Nachricht des Evangeliums – der Heilung.

“Sünde belohnt mit dem Tode, das Gnadengeschenk Gottes aber ist ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Christus Jesus, unserem Herrn.” (Römer 6, 23).

Das ist die gute Nachricht des Evangeliums, daß das Opfer von Jesu Tod genügt, um die Kluft zwischen uns und Gott zu überbrücken. Dieses wissen wir, weil Jesus 3 Tage nach seinem Tod auferstanden ist; sein Körper war wieder lebendig.  Obwohl manche Menschen es nicht glauben wollen, daß Jesus auferstanden ist, gibt es genügend Beweismaterial, das dafür spricht, wie wir es aus dem folgenden Video ersehen. Es war ein öffentlicher Vortrag, den ich an einer Universität gehalten habe in Englisch (video).  Gott tat dies, weil er dich liebt.

Jesus war ein sündenloser Mensch. Aus diesem Grunde kann er beide Seiten berühren, die menschliche und die göttliche, und dadurch die Kluft überbrücken, die den Menschen von Gott trennt. Er ist die Brücke zum Leben, wie wir es in der folgenden Darstellung sehen.

Sünde belohnt mit dem Tode, das Gnadengeschenk Gottes aber ist ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Christus Jesus, unserem Herrn

Sünde belohnt mit dem Tode, das Gnadengeschenk Gottes aber ist ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Christus Jesus, unserem Herrn

Jesus ist die Brücke, die die Kluft zwischen Gott und Mensch verbindet. Beachten Sie nun, wie dieses Opfer uns gegeben wird. Es ist ein Geschenk. Wollen wir über das Wort “Geschenk” nachdenken. Es ist gleich was es für ein Geschenk ist; wenn es wirklich ein Geschenk ist, dann ist es etwas wofür man nicht gearbeitet hat und das man nicht verdient hat, denn, wenn man ein Geschenk verdient hat so ist es kein Geschenk. Gleichfalls kann man das Opfer Jesu nicht verdienen – es ist ein Geschenk. So einfach ist das.

Und woraus besteht das Geschenk? Es it das ewige Leben. Das heißt, daß die Schuld (Sünde), die uns den Tod bringt, jetzt getilgt ist – beglichen. Jesu Opfer ist die Brücke, die Sie benutzen können, um die Verbindung mit Gott herzustellen und ein Leben zu empfangen, das ewig anhält. Dieses Geschenk kam von Jesus, der 3 Tage nach seinem Tod auferstanden ist, und dadurch bewiesen hat, daß er der Herr ist. Gott gibt die Einladung zum ewigen Leben.

Nun, wie gehen wir über die Brücke zum ewigen Leben? Wieder müssen wir an das Geschenk denken. Wenn jemand zu Ihnen kommt und ein Geschenk überreicht, so ist das Geschenk etas wofür man nicht gearbeitet hat. Um einen Gewinn oder Nutzen von dem Geschenk zu bekommen, muß man es erst annehmen. Wenn man ein Geschenk bekommt, hat man die Wahl, es anzunehmen (danke, ich nehme es gern) oder es nicht anzunehmen (nein, danke). Genauso so ist es mit diesem Geschenk; man muß es annehmen – ganz einfach. Man kann es nicht lernen oder verstehen oder versuchen, es zu begreifen. Das zeigen wir durch die folgende Illustration. Wir gehen über die Brücke, indem wir uns Gott zuwenden und das Geschenk annehmen, das uns gegeben ist.

 “Jeder, der wirklich glaubt und sein Vertrauen auf ihn setzt, wird nicht zuschanden” (Römer 10, 12)

Opfer Jesu ist ein Geschenk, das jeder von uns muss entscheiden, erhalten. Das Geschenk ist Gottes Güte zu uns

Opfer Jesu ist ein Geschenk, das jeder von uns muss entscheiden, erhalten. Das Geschenk ist Gottes Güte zu uns

Sünde belohnt mit dem Tode, das Gnadengeschenk Gottes aber ist ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Christus Jesus, unserem Herrn   Jeder von uns kann wählen, ob man das Geschenk von Jesu Tod annehmen will oder nicht.   Also, wie bekommen wir dieses Geschenk? Die Bibel sagt uns:

“Jeder, der wirklich glaubt und sein Vertrauen auf ihn setzt, wird nicht zuschanden” (Römer 10, 12).

Beachten Sie bitte, daß dieses Versprechen für alle gilt. Da Jesus von dem Tod aufertanden ist und sogar jetzt noch lebt, ist er der Herr. Wenn Sie ihn rufen, wird er hören und Ihnen dieses Geschenk übergeben. Aber Sie müssen ihn darum bitten, indem Sie ein Gespräch mit ihm führen. Vielleicht haben Sie das noch nie gemacht. Nachstehend ist ein Beispiel, das Ihnen helfen kann, ein solches Gespräch mit ihm zu führen und zu beten. Es ist keine Zauberformel, es sind keine bestimmten Worte, die Kraft haben. Es ist mehr wie Abrahams Glaube, der an die Möglichkeit und und die Fähigkeit glaubte, uns das Geschenk zu geben. Wenn wir ihm vertrauen wird er uns hören und antworten. Das Evangelium ist kräftig und gleichzeitig so einfach. Versuchen Sie es, diesem Beispiel zu folgen, entweder als ein lautes Gespräch oder ein leises in Ihrem Inneren.

 “Lieber Herr Jesus! Ich verstehe, daß ich durch die Sünden in meinem Leben von Gott getrennt bin. Gleich, wie sehr ich mich auch anstrenge, wird doch keine Mühe oder Opfer meinerseits die Brücke zu dir bauen. Aber ich glaube, daß dein Tod das Opfer war, der alle (auch meine) Sünden löschen kann. Ich glaube, daß du nach dem Opferftod auferstanden bist und daß dein Tod genügt. Ich bitte dich, reinige mich von meinen Sünden und hilf mir, auf die Seite Gottes zu kommen, damit ich ewiges Leben bekomme. Ich will nicht mehr ein Sündenleben führen, deshalb befreie mich von Sünde. Ich danke dir, Herr Jesus, für dieses große Geschenk und bitte dich, mich auch weiterhin in meinem Leben zu leiten. Amen”

Das jüdische Zeugnis: War Jesus der Sohn einer Jungfrau aus dem Geschlecht Davids?

Wir haben bereits gesehen, woher der Titel “Christus”stammt. Nun wollen wir eine kontroverse Frage betrachten: War Jesus von Nazareth der im hebräischen Alten Testament geweissagte Messias? Es lohnt sich, über diese Frage nachzudenken, besonders in der Weihnachtszeit.

Aus dem Geschlecht Davids

Psalm 132 im Alten Testament, der lange vor Lebzeiten Jesu verfasst worden war, enthält eine sehr spezifische Prophezeiung. Darin heißt es:

10 Um Davids, deines Knechtes, willen, weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab!

11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen!« …

13 Denn der Herr hat Zion erwählt, hat sie zu seiner Wohnung begehrt: …

17 Dort will ich dem David ein Horn [ein Königtum] hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Gesalbten. (Psalm 132,10-17)

Wir erinnern uns: „der Gesalbte” = „Christus” = „Messias”. Somit sehen wir, dass die hebräisch-jüdischen Psalmen schon lange Zeit, ehe es überhaupt das Christentum gab, voraussagten, dass Gottes Gesalbter (= „Christus”) dem Geschlecht Davids entstammen sollte.

Dies lesen wir natürlich im Neuen Testament, wo die Geschlechtsregister Jesu anzeigen, dass er aus dem Geschlecht Davids kam – genau wie es in Psalm 132 geweissagt worden war.

Entstammte Jesus wirklich dem Geschlecht Davids?

Doch der Anspruch, den das Neue Testament auf die Erfüllung dieser Prophezeiung erhebt, scheint auf den ersten Blick verdächtig zu sein. Matthäus und Lukas führen das Geschlechtsregister Jesu in ihrem Evangeliumsbericht an, weil sie uns die Erfüllung dieser jüdischen Weissagung in Jesus aufzeigen wollen. Aber wie soll man erkennen, dass sie ihre Stammbäume (in Matthäus 1 durch Joseph und in Lukas 3 durch Maria) nicht einfach „erfunden” haben, um eine „Erfüllung” vorzutäuschen? Das wäre schließlich eine natürlichere Erklärung als eine „göttliche” Erfüllung. Viele von uns lassen es angesichts dieser Frage dabei bewenden und glauben es oder nicht; je nach unserer Voreingenommenheit. Aber warten Sie noch mit ihrem Urteil! Der Fall bedarf einer genaueren Anhörung – denn es gibt noch weitere Beweisführungen.

Um herauszufinden, was „wirklich” geschehen ist, können uns hier eben auch die Aussagen gegnerischer Zeugen helfen. Ein gegnerischer Zeuge ist jemand, der am „Tatort” zugegen war, aber unserer eigenen Ansicht oder Schlussfolgerung insgesamt nicht zustimmt. Er hat somit Motive, unserer Zeugenaussage, die uns zu einer bestimmten Schlussfolgerung führt, zu widersprechen oder sie zu widerlegen. Nehmen wir an, es gab einen Autounfall zwischen Person A und Person B. Sie beschuldigen sich gegenseitig. Nehmen wir weiter an, Person A behauptet, Person B habe kurz vor dem Unfall eine SMS getextet. Person B hat kein Motiv, mit Person A in diesem Punkt übereinzustimmen. Und sollte sie eingestehen, dass sie tatsächlich kurz vor dem Unfall eine SMS getextet hat, hätten der Richter und die Geschworenen guten Grund anzunehmen, dass Person B eine SMS getextet habe, da ja die gegnerischen Augenzeugen in diesem Punkt übereinstimmen. Person B hätte durch eine solche Übereinstimmung also nichts zu gewinnen.

Auf gleiche Weise kann es uns helfen, mehr über die tatsächlichen Kontroversen und Ereignisse im Leben Jesu herauszufinden, wenn wir gegnerische geschichtliche Quellen näher untersuchen. In dieser Hinsicht war es für mich interessant, das Werk des renommierten und angesehenen Gelehrten F. F. Bruce – Jesus and Christian Origins outside the New Testament (London 1974; Hodder and Stoughton; auf Deutsch: Außerbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum [Hrsg. E. Güting]; Gießen, Basel 1992) – zu studieren. In dieser Studie identifiziert und analysiert der Verfasser jüdisch-rabbinische Hinweise auf Jesus im Talmud und in der Mischna. Er notierte insbesondere folgende rabbinische Kommentare über Jesus (folgende Übersetzungen jeweils direkt aus dem englischen Original):

Ulla sagte: Wer hätte geglaubt, dass man sich für ihn (d.h. Jesus) so eifrig um eine Verteidigung bemühen würde? Er war ein Betrüger, und der Allbarmherzige sagt: „Du sollst ihn nicht verschonen, … noch ihn verbergen” [5. Mose 13,9] Bei Jesus war es jedoch anders, denn er stand dem Königtum nahe (nach dem englischen Original, S. 56).

F. F. Bruce macht folgende Bemerkung zu dieser rabbinischen Aussage:

Dies wird so dargestellt, als trachte man danach, ihn zu verteidigen (hier lässt sich ein apologetischer Ton gegen die Christen herauslesen). Warum versuchte man, jemanden, dem ein solches Verbrechen nachgesagt wurde, zu verteidigen? Weil es weiter heißt: „… er stand dem Königtum (d.h. dem Haus Davids) nahe” (ibid., S. 57).

Mit anderen Worten, gegnerische jüdische Rabbiner widersprachen nicht der Behauptung der Evangeliumsverfasser, dass Jesus tatsächlich Teil der königlichen Abstammungslinie Davids war. Obschon sie den allgemeinen Anspruch Jesu, der „Christus” zu sein, nicht akzeptierten und auch den Aussagen der Evangelien entgegenstanden, bestätigten sie dennoch, dass Jesus dem königlichen Geschlecht Davids entstammte. Somit wissen wir, das die Evangelienschreiber es nicht einfach erfunden hatten, um eine „Erfüllung” vorzutäuschen. Die gegnerischen Zeugen stimmen in diesem Punkt mit ihnen überein.

 Wie steht es mit der Fungfrauengeburt?

Vielleicht reagiert so mancher gar nicht einmal so stark gegen den Anspruch, dass Jesus aus dem Geschlecht Davids kam. Denn es besteht ja durchaus die statistische Möglichkeit eines solchen „Zufalls”. Aber „von einer Jungfrau geboren”?! Da gibt es keine „zufällige“ Möglichkeit. Es kann sich dabei nur um ein Missverständnis, eine vorsätzliche Vortäuschung oder ein göttliches Eingreifen handeln – andere Möglichkeiten existieren nicht.

Lukas und Matthäus sagen unzweideutig aus, dass Maria Jesus empfing, als sie noch eine Jungfrau war. Und Matthäus setzt noch einen drauf und behauptet durch ein Zitat, dass dies die Erfüllung einer Prophzeiung Jesajas sei (um 750 v. Chr.), in der es heißt:

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel [d.h. „Gott mit uns”] geben (Jesaja 7,14; zitiert in Matthäus 1,23 als Erfüllung).

Genau an diesem Punkt kommen einem alle möglichen natürlichen Erklärungen in den Sinn. Gräbt man ein bisschen tiefer (wie manche es tun), erfährt man z.B., dass das hebräische Wort (הָעַלְמָ֗ה transkibiert als haalmah), das mit „Jungfrau” übersetz wird, auch mit „Mädchen”, „junge Frau”, „Jungfer”, d.h unverheiratete junge Frau, wiedergegeben werden kann. Sollte es das sein, was Jesaja damals um 750 v. Chr. gemeint hat? Und nur weil auf Seiten des Matthäus und Lukas die Notwendigkeit bestand, sich „fromm” zu geben und Jesus zu ehren, hätten sie eben Jesaja missverstanden und „Jungfrau” geschrieben, obwohl er doch „junge Frau” meinte? Zudem war Maria ja zur Unzeit (aber dennoch für eine Prophezeiung so zweckdienlich) vor der Eheschließung schwanger geworden, so dass sich alles sauber in das Kernstück einer „göttlichen Erfüllung” der Geburtsgeschichte Jesu einbauen ließ.

Viele Personen haben mir die Jahre über diese oder ähnliche Erklärungen weismachen wollen; und einerseits kann ich diese Erklärung nicht widerlegen; – denn Beweise dafür, ob jemand Jungfrau ist oder nicht, lassen sich schwerlich, wenn überhaupt, erbringen. Tatsache ist jedoch, dass diese Geschichte nicht so einfach ist. Die Septuaginta (auch LXX) ist eine jüdische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments ins Griechische, erstellt um 250 v.Chr. – ca. 250 Jahre vor der Geburt Jesu. Wie haben die jüdischen Rabbiner denn nun Jesaja 7,14 aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt? Als „junge Frau” oder als „Jungfrau”? Was mich erstaunt ist, dass Dutzende Personen, mit denen ich über diese Sache gesprochen habe, darüber Bescheid zu wissen schienen, dass das Wort im hebräischen Urtext entweder „junge Frau” oder „Jungfrau” heißen kann; aber kein Einziger von ihnen hat jemals das Zeugnis der Septuaginta zur Sprache gebracht. Schaut man jedoch dort nach, so sieht man, dass es unzweideutig und kategorisch mit παρθένος (transkribiert als parthenos) wiedergegeben wurde, also als „Jungfrau”. Mit anderen Worten, die führenden jüdischen Rabbiner von 250 v.Chr. waren überzeugt, dass die hebräische Jesaja-Prophezeiung „Jungfrau” bedeutete und nicht „junge Frau” – fast 250 Jahre ehe Jesus überhaupt die Weltbühne betrat. Dieser Begriff war nicht von den Evangelienschreibern oder im frühen Christentum erfunden worden; er war vielmehr schon lange vor der Geburt Jesu ein jüdischer Begriff.

Wieso sollte also eine Gruppe jüdischer Gelehrter 250 v. Chr. (und zwar siebzig von ihnen der Überlieferung nach) eine scheinbar so lächerliche und weit hergeholte Weissagung machen, dass eine Jungfrau einen Sohn gebären würde? Wenn jemand meint, sie wären zur damaligen Zeit halt abergläubisch und unwissenschaftlich gewesen, der sollte es sich noch einmal überlegen. Sie wussten genau über Fortpflanzung Bescheid. Sogar Hunderte von Jahren vor der Septuaginta wussten Abraham und Sara bereits, dass man nach einem gewissen Alter in die Wechseljahre kommt und Schwangerschaften unmöglich werden. Nein, die Gelehrten von 250 v.Chr. wussten zwar noch nichts von einem Periodensystem der Elemente oder vom kompletten elektromagnetischen Spektrum; aber sie verstanden sehr wohl, wie Menschen und Tiere sich fortpflanzen. Sie hätten auch gewusst, dass es naturalistisch unmöglich war, eine Jungfrauengeburt vorherzusagen. Aber sie scheuten nicht davor zurück, sie gingen nicht auf Nummer Sicher und gaben das Wort in der Septuaginta mit „junge Frau´ wieder. Nein, sie schrieben es schwarz auf weiß, dass eine Jungfrau einen Sohn haben würde.

Wenden wir uns nun dem Erfüllungsteil in dieser Geschichte zu. Zwar kann man es nicht beweisen, dass Maria eine Jungfrau war; sie war bemerkenswerter Weise in der einzigen und kurzen Lebensphase, in der es zumindest eine offene Frage bleiben musste. Es war ein Zeitalter der Großfamilie. Familien mit zehn Kindern waren keine Seltenheit. Angesichts dieser Gegebenheit fragen wir uns, ob Jesus das älteste Kind einer Familie hätte sein können. Denn wenn er einen älteren Bruder oder eine ältere Schwester gehabt hätte, wüssten wir sofort, dass Maria keine Jungfrau sein konnte. Heutzutage, mit Familien, in denen es ungefähr zwei Kinder gibt, stünden die Chancen fünfzig zu fünfzig. Damals aber wäre das Verhältnis eins zu zehn gewesen. Mit anderen Worten, es bestand eine 90-prozentige Chance, dass eine „Erfüllung” gar nicht in Frage kam, weil Jesus sehr wohl einen oder mehrere ältere Geschwister hätte habne können – aber (entgegen aller Wahrscheinlichkeit) er hatte keine.

Fügen wir nun diesem allen noch die auffällige Verlobungszeit Marias hinzu. Wäre sie auch nur ein paar Tage verheiratet gewesen, könnte man die „Jungfrau-Erfüllung” ebenfalls vergessen. Andererseits, wenn sie noch nicht verlobt und dennoch schwanger gewesen wäre, hätte sie keinen Verlobten gehabt, der sich um sie kümmerte. In der damaligen Kultur hätte sie sich als Schwangere, aber Unverlobte, selbst durchschlagen müssen – falls man sie am Leben gelassen hätte.

Marias Kontext

Ich finde gerade diese Anhäufung von „Zufällen”, die eine Widerlegung der Begründung der Jungrauengeburt unmöglich macht, so außergewöhnlich bemerkenswert. Diese „Zufälligkeiten” sind unerwartet, zeugen aber von einer Ausgewogenheit und zeitlichen Feinstimmung, wie sie nur eine übernatürliche Weisheit planen und vorhersehen kann.

Wenn Maria schon vor der Geburt Jesu verheiratet gewesen wäre, oder wenn Jesus bereits ältere Geschwister gehabt hätte, so hätten die gegnerischen jüdischen Zeugen gewiss darauf hingewiesen. Stattdessen sieht es wohl wieder einmal so aus, als schlössen sie sich in diesem Punkt ganz den Evangelienverfassern an. F. F. Bruce hebt dies in seiner Erläuterung hervor, wie Jesus in den rabbinischen Schriften beschrieben wird:

Jesus wird in der rabbinischen Literatur als Jesus ben Pantera oder Ben Pandira bezeichnet. Das könnte soviel wie „Sohn des Panthers” bedeuten. Die wahrscheinlichste Erklärung ist jedoch eine Verfälschung von „parthenos”, dem griechischen Wort für „Jungfrau”, was sich aus den christlichen Hinweisen auf ihn als Sohn einer Jungfrau ergibt (ibid., S. 57-58).

Heute gibt es, wie zu Zeiten Jesu, genug gegnerische Stimmen gegen Jesus und das Zeugnis des Evangeliums. Damals, wie heute, herrschte geradezu eine bedeutende Feindseligkeit ihm gegenüber. Der Unterschied in den feindseligen Gegenstimmen besteht jedoch darin, dass sie damals auch Zeugen waren und sich als solche nicht gegen etliche grundlegende Aussagen stellten; was ihnen sehr wohl möglich gewesen wäre, wenn diese erdichtet oder irrtümlich gemacht worden wären.

 

Die Bezeichnung „Christus” in „Jesus Christus”

Manchmal frage ich die Leute, wie Jesus ihrer Meinung nach mit Nachnamen hieß. Für gewöhnlich lautet die Antwort ungefähr so: „Ich denke, sein Nachname war ‚Christus’, bin mir aber nicht sicher.” Dann frage ich: „Demnach haben also Joseph Christus sowie Maria Christus den kleinen Jesus Christus z.B. zum Einkaufen auf dem Markt mitgenommen?” Bei dieser Frage wird den meisten jedoch klar, dass „Christus” nicht der Nachname Jesu sein kann. Also was bedeutet dann die Bezeichnung „Christus” (oder „Christi”)? Woher kommt sie? Das möchte ich in diesem Artikel untersuchen.

Übersetzung oder Transliteration bzw. Transkription?

An erster Stelle ist es notwendig, einige grundsätzliche Dinge beim Übersetzen zu berücksichtigen. Übersetzer versuchen, die beste Bedeutung der Wörter zu erlangen. Daher reicht eine wortwörtliche Übersetzung oft nicht aus. So gebrauchen Übersetzer manchmal die Methode der Transliteration (die schriftbasierte, buchstabengetreue, bei Bedarf wieder umkehrbare Umsetzung eines Wortes aus einer Schrift in eine andere) oder der Transkription (die aussprachebasierte Darstellung von Sprache mit Hilfe eines anderen Basisalphabets als Lautschriftersatz), besonders bei Namen oder Titeln. So ist z.B. der deutsche Name Peter eine Wiedergabe des griechischen Namens Πέτρος (Petros) und bedeutet Fels(block). Der Name basiert also auf der (ähnlichen) Aussprache und nicht auf der Bedeutung. Im Französischen hingegen lautet der Name Pierre und bedeutet Stein oder Gestein (Fels), ist also mehr eine Übersetzung (ähnliche Bedeutung) aus dem Griechischen als eine Transliteration (ähnliche Aussprache). In Bezug auf die Bibel mussten die Übersetzer sich bei verschiedenen Wörtern (besonders bei Namen und Titeln) entweder für eine Übersetzung (gemäß der Bedeutung) oder eine Transliteration bzw. Transkription (gemäß der Aussprache) entscheiden. Dabei gab es keine spezifischen Regeln; manchmal ist eine Übersetzung besser, manchmal eine Transliteration (buchstabengetreu) oder Transkription (aussprachegetreu).

Die Septuaginta

Übertragen wir nun diese Grundsätze auf die Geschichte der Bibelübersetzungen. Die erste Bibelübersetzung betraf das Alte Testament, als es um 250 v. Chr. ins Griechische übersetzt wurde. Diese Übersetzung ist als Septuaginta (oder LXX) bekannt und war für die westliche Welt von enormem Einfluss. Dabei ist es überaus wichtig zu beachten – da ja das Neue Testament auf Griechisch geschrieben wurde – dass die neutestamentlichen Verfasser sich bei ihren häufigen Zitaten aus dem Alten Testament der Septuaginta bedienten und nicht so sehr des hebräischen Alten Testaments.

Übersetzung und Transliteration bzw. Transkription in der Septuaginta

Das nachstehende Schaubild verdeutlicht in den verschiedenen Unterteilungen, wie sich dies alles auf moderne Bibelübersetzungen auswirkte.

 Dies zeigt die Übersetzung Flow aus der Original heutigen von hebraische - griechisch - deutschBibel

Dies zeigt die Übersetzung Flow aus der Original heutigen Bibel

In Unterteilung 1 steht das hebräische Alte Testamen, das heute im Masoretischen Text und den Rollen vom Toten Meer vorliegt. Das griechische Neue Testament steht in Unterteilung 2. Weil jedoch die Septuaginta eine hebräisch  griechische Übersetzung ist, wird dies als Pfeil von Unterteilung 1 nach 2 angezeigt, sodass Unterteilung 2 sowohl das Alte wie das Neue Testament zum Inhalt hat. In der unteren Hälfte (Unterteilung 3) haben wir moderne Sprachen, wie z.B. Deutsch, in die die Bibel übersetzt wurde. Die Übersetzer mussten sich, wie bereits gesagt, entscheiden, ob es besser sei, die Wörter durch Übersetzung oder durch Transliteration bzw. Transkription in die Empfängersprache zu übersetzen. Die jeweilige Methode wird mit den grünen Pfeilen einerseits durch „Übersetzung” und andererseits durch „Transliteration” und „Transkription” angezeigt. Insgesamt verdeutlicht das Schaubild den Verlauf der Bibelübersetzungen aus dem Hebräischen und Griechischen in heutige moderne Sprachen.

Der Ursprung von „Christus”

Im nächsten Schaubild verfolge ich wiederum den Übersetzungsverlauf wie zuvor, diesmal aber in Bezug auf die Bezeichnung „Christus”, wie sie in unserem heutigen deutschen Neuen Testament erscheint.

gesalbte=messias=christus=christi von bibel Übersetzung

Woher kommt “Christus” (oder “Christi”) von in der Bibel kommen?

Wir sehen also, dass im ursprünglichen hebräischen Alten Testament der Begriff Mashíach steht, der im hebräischen Lexikon mit „Gesalbter” (Person) definiert wird. Hebräische Priester und Könige des Alten Testaments wurden gesalbt (zeremoniell mit Öl eingerieben), ehe sie ihr Amt übernahmen; und somit galt die jeweilige Person als Gesalbter oder Mashíach. Gewisse alttestmentliche Prophezeiungen sprechen aber auch von einem spezifischen Mashíach (mit dem bestimmten Artikel „der”), der noch kommen sollte. Als die Septuaginta um 250 v.Chr. entstand, wählten die Übersetzer ein griechisches Wort mit ähnlicher Bedeutung: Χριστός (ausgesprochen Christos) vom Stammverb chrio, das soviel wie „zeremoniell mit Öl einreiben” bedeutet. Daher wurde das Wort Christos vom ursprünglichen hebräischen Mashíach in die griechische Septuaginta übernommen – d.h. gemäß seiner Bedeutung übersetzt (und nicht der Aussprache nach transliteriert) – und bezog sich auf diese spezifische Person. Die Verfasser des Neuen Testaments wussten, dass es sich bei dieser in der Septuaginta erwähnten Person eben um Jesus handelte und so benutzten sie in ihren Schriften weiterhin das Wort Christos, welches Jesus als diesen Mashíach bezeichnet.

Als die Bibel ins Deutsche übersetzt wurde, fand sich jedoch kein greifbares Wort mit ähnlicher Bedeutung, und so wurde Christos einfach über das latinisierte Christus ins Deutsche übernommen (transliteriert). Somit ist das deutsche Wort „Christus” ein ganz spezifischer Titel mit alttestmentlichen Wurzeln, übernommen aus der griechischen Übersetzung Christos über das lateinisierte Christus. Das hebräische Alte Testament wurde direkt ins Deutsche übersetzt, wobei weitere Übersetzer das ursprünglich hebräische Mashíach unterschiedlich in anderen Sprachen wiedergeben. Darum hat Schlachter in der Schlachter-2000-Übersetzung Mashíach gemäß der Bedeutung als „Gesalbten”, nennt aber in den Fußnoten alternative Übersetzungen als „Messias” oder „Christus”. Weil wir im deutschen Alten Testament nirgendwo das Wort „Christus” finden, ist vielen diese Verbindung zum Alten Testament unbekannt. Aus unserer Analyse erkennen wir jedoch Folgendes: der biblische „Christus” = „der Messias” = „der Gesalbte”; und dass es sich dabei um spezifische Titel handelt. Die ursprünglichen griechischen Leser des Neuen Testaments konnten natürlich das Wort Christos von der Septuaginta her sehen und damit auch die direkte Verbindung erkennen; während wir das Ganze erst einmal nachforschen müssen, um uns dies zu verdeutlichen.

Der Christus – erwartet im 1. Jahrhundert n.Chr.

Gewappnet mit diesem Einblick können wir einige Beobachtungen aus den Evangeliumsberichten anstellen. Nachstehend folgt die Reaktion des Königs Herodes, als die Weisen aus dem Osten nach dem König der Juden suchten – eine gut bekannte Episode aus der Weihnachtsgeschichte. Beachten Sie: „der” ist „Christus” vorangestellt, obschon hier nicht spezifisch auf Jesus hingewiesen wird.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm. Und er rief alle obersten Priester und Schriftgelehrten des Volkes zusammen und erfragte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte” (Matthäus 2,3-4; Schlachter 2000).

Hier sehen wir, dass „der Christus” bei Herodes und seinen religiösen Ratgebern bereits ein allgemein akzeptierter Begriff war – sogar schon vor der Geburt Jesu – und der Begriff wird hier ohne spezifischen Bezug auf Jesus verwendet. Und das deshalb, weil „Christus” aus dem Alten Testament stammt, das im 1. Jahrhundert allgemein von den Juden (wie auch Herodes und den Oberpriestern seiner Zeit) in der griechischen Septuaginta-Übersetzung gelesen wurde. „Christus” war (und ist immer noch) ein Titel und kein Name. Somit dürfen wir ohne Weiteres die lächerliche Vorstellung (popularisiert in Filmen wie The Da Vinci Code – Sakrileg), dass „Christus” eine Erfindung der Christen oder eines Menschen wie Kaiser Konstantin (um 300 v.Chr.) gewesen sei, von der Hand weisen. Der Begriff existierte bereits hunderte von Jahren, ehe es überhaupt Christen gab, geschweige denn Konstantin an die Macht gelangte.

„Der Christus” – alttestamentliche Prophezeiungen

Faktisch wird der Begriff schon in den Psalmen verwendet, als deren Verfasser David gilt (um 1000 v.Chr.) – lange Zeit vor der Geburt Jesu. Betrachten wir einmal diese ersten Erscheinungen:

„Die Könige der Erde lehnen sich auf… gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten… Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Dann wird er zu ihnen reden…: »Ich habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!« — Ich will den Ratschluß des Herrn verkünden; er hat zu mir gesagt: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt… Wohl allen, die sich bergen bei ihm!” (Psalm 2,2-7.12)

Die griechische Septuaginta war im ersten Jahrhundert viel weiter verbreitet als das hebräische Alte Testament (sowohl unter Juden wie Nichtjuden). Psalm 2 in der Septuaginta las sich folgenderweise (ich gebe im Deutschen den Messiastitel, transliteriert vom griechischen Christos, als „Christus” wieder, damit der Christus-Titel wie für die Leser der Septuaginta ersichtlich ist): „Die Könige der Erde lehnen sich auf… gegen den Herrn und gegen seinen Christus… Der im Himmel thront, lacht; der Herr spottet über sie. Dann wird er zu ihnen reden…” (Psalm 2).

Nun „sehen” wir Christus in dieser Bibelstelle wie die Leser des ersten Jahrhunderts. Aber die Psalmen enthalten noch weitere Hinweise auf diesen kommenden Christus. Nachstehend setze ich die Transliteration mit „Christus” an die Seite der Schlachter-2000-Bibelstelle, damit es direkt „sichtbar” wird:

Psalm 132- aus dem Hebräischen (Schlachter) Psalm 132 – aus der Septuaginta
„… o Herr, …10 Um Davids, deines Knechtes, willen weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab! 11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen! …17 Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Gesalbten. 18 Seine Feinde will ich mit Schande bekleiden; aber auf ihm soll seine Krone glänzen!«” „… o Herr, …10 Um Davids, deines Knechtes, willen weise das Angesicht deines Christus nicht ab! 11 Der Herr hat David in Wahrheit geschworen, davon wird er nicht abgehen: »Einen von der Frucht deines Leibes will ich auf deinen Thron setzen! …17 Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen, eine Leuchte zurichten meinem Christus. 18 Seine Feinde will ich mit Schande bekleiden; aber auf ihm soll seine Krone glänzen!«”

Wie wir sehen, spricht Psalm 132 spezifisch in der Zukunftsform („Dort will ich dem David ein Horn hervorsprossen lassen…”), wie an so vielen Stellen im Alten Testament. Es ist wichtig, dies bei der Betrachtung der Prophezeiungen im Auge zu behalten. Es ist ja nicht so, als hätten die Verfasser des Neuen Testaments einfach ein paar Ideen aus dem Alten Testament herausgerissen, um sie “anzupassen”. Vielmehr sind die Worte so deutlich, wie Worte es nur sein können, dass das Alte Testament – auch ganz und gar ohne Bezug auf das Neue Testament – die Zukunft betreffende Aussagen und Weissagungen geltend macht. Herodes jedenfalls war sich bewusst, dass die alttestamentlichen Propheten einen kommenden „Christus” vorhersagten; daher brauchte er nur noch die spezifischen Angaben seiner Ratgeber. Bekanntlich haben die Juden ja schon immer ihren Messias (oder Christus) erwartet. Dieser Umstand, dass sie sehnlichst auf das Kommen ihres Messias warten, hat erst einmal nichts mit Jesus und dem Neuen Testament zu tun (da sie ja Beides ignorieren), sondern vielmehr mit den ausdrücklichen zukunftsorientierten Voraussagen und Prophezeiungen im Alten Testament.

Die alttestamentlichen Prophezeiungen: präzise wie ein Schlüssel-Schloss-System

Die Tatsache, dass die alttestmentlichen Schriften sich ausdrücklich (vorhersagend) auf die Zukunft beziehen, stellt sie in einen sehr kleinen Kreis inmitten des großen Literaturmeeres in der gesamten Menschheitsgeschichte. Es ist wie bei einem Türschloss. Ein Schloss ist ja so konstruiert, dass nur eine spezifische Form des „Schlüssels” zu der spezifischen Form des Schlosses passt, damit man es aufschließen kann. In der gleichen Weise ist das Alte Testament wie ein Schloss. Wie wir gesehen haben, stehen die präzisen Angaben ja nicht nur in den beiden hier zitierten Psalmen, sondern auch im Zusammenhang mit Abrahams Opfer, den Anfängen Adams und dem Passahfest Moses (bitte meine entsprechenden Artikel nachlesen, falls sie Ihnen noch nicht bekannt sein sollten). Psalm 132 fügt die spezifische Angabe hinzu, dass „der Christus” dem Geschlecht Davids entstammen wird. Das „Schloss” enthält demnach spezifische Konstruktionen, die sichtlich bei der Untersuchung der prophetischen Angaben im gesamten Alten Testament präziser werden. Ich werde mich noch weiter mit diesen „Schlüssel-Schloss-Angaben” beschäftigen. An dieser Stelle möchte ich jedoch eine andere Frage stellen: Ist Jesus der passende „Schlüssel”, der dieses „Steckschloss” der Prophezeiungen aufschließt? Ich darf nur hoffen, dass Sie durch diese Untersuchungen besser in der Lage sein werden, das Evangelium für sich in Betracht zu ziehen.

Gab es einen Adam? – Das Zeugnis der alten Chinesen

Die Bibel ist ein bemerkenswertes Buch. Um nur eine Sache zu nennen: sie beansprucht, göttlich inspiriert zu sein und somit Gottes Wirken in ihrer gesamten Geschichte präzise aufgezeichnet zu haben. Nachdem ich mich lange Zeit mit dem Problem beschäftigt hatte, stellte ich insbesondere diesen Anspruch in Bezug auf die ersten Kapitel des ersten Bibelbuchs – Genesis oder 1. Mose – in Frage.  Da steht der Bericht über Adam und Eva, das Paradies, die verbotene Frucht, einen Versucher, gefolgt von Berichten über Noah, wie er eine weltweite Flut überlebte. Wie so viele andere Menschen von heute, tat ich diese Geschichten als bloße dichterische Metaphern ab, die auf andere Ereignisse hinwiesen. Schließlich hatten doch die „erwiesenen Tasachen” der Wissenschaft den Beweis erbracht, dass die Genesisberichte einfach nicht so geschehen sein konnten, wie es in den biblischen Berichten zu lesen stand.

Beim näheren Hinsehen aber erkannte ich, dass es nicht so einfach war, wie ich ursprünglich gedacht hatte. Ich lernte, dass die wissenschaftlich „erwiesenen Tatsachen” gar keine Tatsachen sind, sondern lediglich Interpretationen, die auf kontroversen Annahmen beruhen.Und dann entdeckte ich Hinweise aus verschiedenen Quellen, die nachdrücklich darauf schließen lassen, dass die Genesisberichte doch Tatsachenberichte sein könnten.

Eine der interessantesten Entdeckungen befindet sich in der chinesischen Kalligrafie. Um die Bedeutung dieser Entdeckungen überhaupt zu begreifen, musste ich zuerst etwas über den Hintergrund des Chinesischen lernen. Chinesische Schriftzeichen stammen aus den Anfängen der chinesischen Zivilisation vor ungefähr 4.200 Jahren. Das heißt, dass die chinesische Schrift zirka 700 Jahre vor der Zeit entwickelt wurde, als Mose das 1. Buch Mose zusammenstellte (ca. 1,500 v.Chr.). Man erkennt chinesische Kalligrafie wohl sofort an ihrem Aussehen. Was viele von uns jedoch nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Ideogramme oder andere Bildzeichen der chinesischen „Wörter” aus einfacheren Bildzeichen namens „Radikale” zusammengesetzt sind. In ähnlicher Weise werden so auch im Deutschen Wortzusammensetzungen (Komposita) erstellt, indem man, z.B., „Feuer” und „Wehr” zu dem Kompositum „Feuerwehr” verbindet. Chinesische Kalligrafie hat sich über Tausende von Jahren kaum verändert. Das wissen wir von antiken Töpferwaren und Artefakten aus Bein. Erst im 20. Jahrhundert, mit der Machtübernahme durch die kommunistische Partei, wurden die Schriftzeichen vereinfacht.

Nehmen wir, z.B., das chinesische Ideogramm für den abstrakten Begriff “(der, die, das) Erste”.  Wir sehen es hier:

   (der, die, das) Erste        lebendigStaub          Mann, Mensch          (oder: erst-) (oder: er)

(der, die, das) Erste             =                    lebendig         +            Staub        +             Mann, Mensch
   (oder: erst-)                                                                                                                           (oder: er)

Dies Ideogramm ist eigentlich ein Kompositum aus einfacheren Radikalen, wie hier illustriert.  Man sieht, wie alle Radikale im Ideogramm „erst-” kombiniert sind. Die Bedeutung eines jeden Radikals ist ebenfalls ersichtlich. Das heißt demnach, dass vor langer Zeit (vor ungefähr 4.000 Jahren), als die ersten chinesischen Schriftgelehrten die chinesische Kalligrafie entwickelten, der Begriff „(der, die, das) Erste (oder: erst-)” von ihnen mit den Radikalen „lebendig” + „Staub” + „Mann (oder: er)” gebildet wurde. Aber warum? Welche innewohnende Beziehung besteht denn zwischen „Staub” und „erst-”? Doch wohl kaum eine. Wenn man jedoch den biblischen Schöpfungsbericht parallel dazu in Betracht zieht, fällt einem die Beziehung gleich auf:

„Da bildete Gott der HERR den Menschen, Staub von der Erde, und blies den Odem des Lebens in seine Nase, und so wurde der Mensch eine lebendige Seele” (1. Mose 2:7).

Der „erste” Mensch (Adam) wurde aus Staub zu einer lebendigen Seele gemacht! Woher aber wussten die alten Chinesen um diese Beziehung 700 Jahre vor der Niederschrift der Genesis? Beachten wir Folgendes:

       Staub    +    Odem (Mundatem)   +     lebendig =    reden, sprechen

Staub            +           Odem (Mundatem)           +              lebendig               =             reden, sprechen

Die Radikalen für „Staub” + „Atem (des Mundes)” + „lebendig” wurden zu dem Ideogramm für “reden (oder: sprechen)” kombiniert. Aber „reden” selbst, kombiniert mit „gehen”, ergibt „(er)schaffen”.

    reden        +      gehen      =     (er)schaffen

reden                      +                        gehen                        =                        (er)schaffen

Was wäre aber die innewohnende Beziehung zwischen „Staub”, „Atem” (oder „Odem”), „lebendig“, „gehen” und „(er)schaffen”, die die alten Chinesen dazu veranlasste, diese Konstruktion zu benutzen?  Hier haben wir ebenfalls eine auffallende Parallele zu 1. Mose 2,7, wie oben zitiert.

Diese Parallele wird fortgeführt. Beachten wir, wie der Begriff „Teufel” aus „Mann, der heimlich im Garten existiert (lebt)” gebildet wurde. Worin besteht die innewohnende Beziehung zwischen Garten und Teufel? Es gibt überhaupt keine.

(ins)geheim +        Mann       +    Garten          +    [lebendig]    =      Teufel

(ins)geheim    +               Garten             +            Mann           +    [lebendig]               =           Teufel

Darüber hinaus kombinierten die alten Chinesen dann den Begriff für „Versucher” aus den Wörtern für „Teufel” und „zwei Bäume”!

 Teufel     + (2) Bäume + verdecken =  Versucher

Teufel               +            (2) Bäume               +                 verdecken                =              Versucher

Somit ist der „Teufel” der unter „zwei Bäumen” verdeckte „Versucher (oder: Verführer)”. Wenn es an mir läge, eine innere Vebindung zu „Versuchung” herzustellen, würde ich es auf eine verführerische Frau oder ein verführerisches Laster beziehen. Warum aber zwei Bäume? Was haben „Garten” und „Bäume” mit „Teufel” und „Versucher (Verführer)” zu tun? Vergleichen wir dazu den Genesisbericht:

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden, im Osten, und setzte den Menschen dorthin, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ allerlei Bäume aus der Erde hervorsprießen, lieblich anzusehen und gut zur Nahrung, und auch den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (1. Mose 2,8-9)

Aber die Schlange war listiger … und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, …? (1. Mose 3,1)

„Begehren” wird wiederum mit einer „Frau” und „zwei Bäume” in Verbindung gebracht. Warum nicht „begehren” in sexuelle Beziehung zur „Frau” bringen? Das wäre doch eine natürliche Folgerung. Die Chinesen jedoch sahen es anders:

    (2) Bäume           +                 Frau                  =           begehren

begehren                    =                         (2) Bäume                              +                          Frau

Auch diese Beziehung zwischen „begehren”, „zwei Bäume” und „Frau” finden wir im Genesisbericht:

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre, und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, … (1. Mose 3,6)

    (großes) Boot

(großes) Boot

Kommen wir nun zu einer weiteren bemerkenswerten Parallele. Das chinesische Ideogramm für „großes Boot (oder: Schiff)” sieht wie folgt aus:

Die Radikalen, aus denen dieses Ideogramm besteht, sehen wir hier:

    (großes) Boot     =            acht     +          Mund oder Person    +   Boot

(großes) Boot               =                  acht              +               Mund oder Person     +        Boot

Es sind demnach „acht” „Personen” in einem großen „Boot”. Wenn ich ein großes Boot darstellen sollte, wieso dann nicht ein Schiff mit 3000 Menschen an Bord? Warum acht? Interessanterweise befinden sich, dem biblischen Bericht nach, acht Personen in Noahs Arche (Noah, seine drei Söhne und die jeweiligen Ehefrauen).

Die Parallelen zwischen den ersten Genesiskapiteln und der chinesischen Kalligrafie sind beachtlich. Man sollte sogar meinen, die Chinesen hätten das 1. Buch Mose gelesen und Ideen daraus entliehen. Doch der Ursprung ihrer Schriftsprache ist um 700 Jahre vor Mose zu datieren. Zudem liegen China und der Nahe Osten ziemlich weit von einander entfernt. Zufall? Mag sein. Aber wie kommt es zu so vielen „zufälligen” Übereinstimmungen? Und warum gibt es keine solchen Parallelen zwischen dem Chinesischen und den späteren Geschichten von Abraham, Isaak und Jakob?

Wie aber, wenn das erste Buch Mose tatsächliche historische Ereignisse aufzeichnet, einschließlich der ersten Genesiskapitel? Dann entstammen die Chinesen – als Volks- und Sprachgruppe – dem Völkergemisch von Babel (1. Mose 11), wie alle anderen Sprach- und Volksgruppen der Antike. Der Babelbericht beschreibt, wie die Sprache der Nachkommen der Sintflutüberlebenden von Gott verwirrt wurde, so dass sie einander nicht mehr verstehen konnten. Die Folge davon war die Völkerwanderung aus dem so genannten „fruchtbaren Halbmond” (im Norden der arabischen Halbinsel) und begrenzte die Mischehen auf die eigene Sprach- und Volksgruppe. Daraus erklärt sich der Ursprung der verschiedenen Menschenrassen. Die Chinesen waren demnach eine der Volksgruppen, die von Babal aus zerstreut wurden; und zur Zeit der Entstehung ihrer Kalligrafie waren die Schöpfungs- und Sintflutberichte für sie noch neuere Geschichte, an die sie sich gut erinnern konnten. Schriftzeichen für abstrakte Begriffe  wie „begehren”, „Versucher” usw. wurden somit den geschichtlichen Berichten entnommen, die ihnen gut verständlich waren. Ähnliches gilt für die Entstehung von beschriebenen Wörtern wie „großes Boot” – den Beschreibungen in Berichten gemäß, an die sie sich erinnerten. Somit befinden sich die Schöpfungs- und Sintflutberichte vom Anbruch ihrer Zivilisation her in ihrer Sprache eingebettet. Im Laufe der Jahrhunderte vergaßen sie den ursprünglichen Grund, wie das so oft der Fall ist. Wenn dies allerdings als Grund zustrifft, dann beruhen die Genesisberichte auf tatsächlichen Geschichtsereignissen anstatt auf bloßen dichterischen Sinnbildern.

Die Chinesen hatten zudem eine der vielleicht ältesten zeremoniellen Traditionen, die jemals auf der Welt befolgt wurden. Von Anbeginn der chinesischen Zivilisation (um 2200 v.Chr.) opferte der chinesische Kaiser am Tag der Wintersonnenwende dem Gott Shang-ti (dem „Kaiser des Himmels”, d.h. dem höchsten Gott) jeweils einen Bullen. Dieses Ritual wurde durch alle Dynastien der chinesichen Zivilisation hindurch eingehalten. In der Tat wurde es erst vor etwas über 100 Jahren, also 1911, abgeschafft, als General Sun Yat-sen den letzten Kaiser der Qing-Dynastie stürzte und in China die Republik errichtete. Diese Zeremonie wurde alljährlich im „Himmelstempel” abgehalten, der heute eine der meistbesuchten Touristenattraktionen in Peking ist. Somit wurde über 4.000 Jahr hinweg von den Chinesen dem „himmlischen Kaiser” jedes Jahr jeweils ein Bulle geopfert. Aber warum? Konfuzius (551-479 v.Chr.) stellte auch eben diese Frage. Er sagte:

„Wer die zeremoniellen Opferungen an Himmel und Erde verstehen kann… wird das Regieren über ein Reich ebenso leicht finden wie einen Blick auf seine Handfläche!”

Mit anderen Worten, Konfuzius sagte, dass jeder, der dieses Geheimnis lüften könnte, auch weise genug wäre, über ein Kaiserreich zu herrschen. Seit Beginn des Grenzopfers (wie es genannt wurde; d.h ca. 2200 v.Chr.) bis zur Zeit des Konfuzius (ca. 500 v.Chr.) verlor sich jedoch die Bedeutung des Opfers für die Chinesen – obgleich sie die Tradition noch weitere 2400 Jahre bis 1911 n.Chr. aufrecht erhielten.

Vielleicht, wenn die unter der Konstruktion der Kalligrafie verborgene Bedeutung nicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte Konfuzius die Antwort auf seine Frage finden können. Betrachten wir in dieser Hinsicht die Radikalen in der Zusammensetzung des Begriffs für „Gerechtigkeit”:

          Hand         +        Lanze            =          mir             +           Schaf         =Gerechtigkeit                                                               (ich, mich, meiner)

Hand      +         Lanze            =         mir            +            Schaf         =                 Gerechtigkeit
                                              (ich, mich, meiner)

 

Gerechtigkeit ist zusammengesetz aus „Schaf” über „mir”; wobei „mir” ein Kompositum aus „Hand” und „Lanze” bzw. „Dolch” oder „Schlachtmesser” ist.  Das vermittelt den Gedanken, dass meine Hand ein Lamm tötet, woraus sich Gerechtigkeit (für mich) ergibt: Das Opfer oder der Tod des Lammes an meiner Statt verschafft mir Gerechtigkeit.

Beim Lesen der Genesis fällt einem auf, dass Tieropfer bereits lange Zeit vor Einsetzung des jüdischen Opfersystems erfolgten. So bringen z.B. Abel (Adams Sohn) und Noah Opfer dar (1. Mose 4,4 und 8,20).  Es scheint als hätten alle Menschen die Vorstellung, dass Tieropfer dem Verständnis dienten, dass ein stellvertretender Tod zur Erlangung der Gerechtkeit notwendig ist. Einer der bekanntesten Titel Jesu war „Lamm Gottes” (Johannes 1,29). Sein Tod war das wirkliche Opfer, das uns Gerechtigkeit verschafft – wovon die Tieropfer, einschließIlich der chinesischen Grenzopfer der Antike, nur ein Bild waren. Interessanterweise hatten die alten Chinesen anfangs dieses Verständnis, das sie dann aber zur Zeit des Konfuzius verloren hatten.

Bei meinen Nachforschungen erkannte ich dies deutlich als einen Hinweis darauf, dass die Genesisberichte nicht nur historisch belegt sind, sondern dass der Opfertod Jesu zu unserer Gerechtkeit bereits seit der Dämmerung der menschlichen Zivilisation als solcher verstanden wurde. Jesu Leben, Tod und Auferstehung waren das Vorhaben Gottes, das uns in Zeichen im voraus offenart wurde, damit wir von Anbeginn der Zeit diese Erkenntnis haben sollten.

Dies geht uns natürlich gegen den instinktiven Strich. Beim Gespräch mit Menschen jeglichen religiösen und kulturellen Hintergunds fällt mir immer wieder auf, dass wir in Bezug auf Gerechtigkeit entweder an Gottes Barmherzigkeit oder an eigene Werke denken. Mit anderen Worten, viele sind der Meinung, dass Sündenschuld nicht bezahlt zu werden braucht. Bei vielen von uns herrscht die Vorstellung, dass Gottes Gerechtigkeit – die Bezahlung oder Vergeltung fordert – durch Gottes Barmherzigkleit zuifrieden gestellt wird. Viele andere Menschen sind der Meinung, dass eine gewisse „Entgeltung” zwar notwendig sei, die wir jedoch selber durch Gutestun bewerkstelligen können. So versuchen wir, gut oder religiös zu sein und hoffen, dass sich das irgendwie auszahlt. Das steht jedoch im Gegensatz zur Evangeliusmbotschaft, in der es heißt:

Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, …  nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle [kommt], die glauben. (Römer 3,21-22)

Und warum kann uns diese Gerchtigkeit durch den Tod und die Auferstehung Jesu zugerechnet werden? Weil sie Gottes Forderung nach Bezahlung oder Vergeltung der Sünde befriedigt. Vielleicht waren sich die Menschen der Antike dieser Wahrheit bewusst, die wir heute – gleichwie sie damals – so leicht aus den Augen verlieren. Lassen Sie uns auf dieser Internetseite erforschen und untersuchen, was die Chinesen vergessen haben.

Quellenangaben

The Discovery of Genesis.  C.H. Kang & Ethel Nelson.  1979

Genesis and the Mystery Confucius Couldn’t Solve.  Ethel Nelson & Richard Broadberry. 1994

Sämtliche Bibelstellen sind der Schlachter-Übersetzung 2000 entnommen.